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Birke Bull-Bischoff: Aus-Bildungsgerechtigkeit - jetzt!

Rede von Birke Bull-Bischoff,

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, das System der dualen Berufsausbildung hierzulande ist eine Stärke. Allerdings: Das mit der Integrationskraft sehe ich ein klein bisschen kritischer, liebe Yasmin Fahimi; denn die soziale Herkunft von jungen Menschen entscheidet auch in der beruflichen Bildung sehr oft und maßgeblich über den Bildungserfolg, und das ist – im Wortsinn – ein Armutszeugnis.

(Beifall bei der LINKEN)

Zu viele junge Menschen werden in Warteschleifen und Sonderstrukturen verwiesen, zum Beispiel junge Menschen mit Hauptschulabschluss oder ohne Schulabschluss – durch die Praxis der Ausbildungsreife in der Bundesagentur für Arbeit. Lernorte mit einem hohen sozialen Image sind relativ gut ausgerüstet, beispielsweise im Bereich der überbetrieblichen Ausbildung. Sie erfahren öffentliche Aufmerksamkeit und sind ausgerüstet mit digitaler Infrastruktur. Aber dort, wo junge Menschen lernen, die eben nicht auf der Sonnenseite des Lebens unterwegs sind, herrscht oft Mangel, zum Beispiel in der außerbetrieblichen Ausbildung, in der Jugendberufshilfe, im Übergangssystem. Genau deshalb war und ist das einer der Schwerpunkte von uns Linken.

(Beifall bei der LINKEN)

Wir brauchen mehr Ausbildungsgerechtigkeit. Wir brauchen mehr inklusive Angebote und Strukturen statt Warteschleifen und Sondersysteme.

(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])

Deshalb fordern wir eine Ausbildungsgarantie – da sind wir eins; darüber bin ich sehr froh – für alle jungen Leute.

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Marja-Liisa Völlers [SPD])

Wir brauchen eine Reform des Übergangssystems. Alle jungen Leute, die in diesem Rahmen ihre Ausbildung absolvieren, müssen wenigstens die Chance haben, ihren Schulabschluss zu verbessern, und sie müssen die Chance haben, zu mindestens 50 Prozent von betrieblicher Praxis zu profitieren.

Es muss nicht nur mehr Geld ins System, liebe Kolleginnen und Kollegen; es muss auch gerechter verteilt werden. Auch und gerade in der Jugendberufshilfe ist digitale Ausrüstung notwendig. Und wir brauchen das Recht für jeden Azubi, für jede Schülerin und jeden Schüler auf einen Laptop, auf einen Drucker und auf Verbrauchsmaterial.

(Beifall bei der LINKEN)

Das Ziel muss immer eine vollqualifizierende Ausbildung sein. Deswegen gehören Unterstützungssysteme, mehr Zeit, mehr sozialpädagogische Hilfen, mehr Flexibilität in das sogenannte Regelsystem, in die duale und die schulische Ausbildung.

(Beifall bei der LINKEN)

Ich will noch ein Problem aufrufen, das uns nun über mehrere Jahre beschäftigt hat und sehr wichtig ist: Wer Erzieherin werden möchte, Logopädin oder Ergotherapeutin, der oder meistens die kriegt keine vernünftige Ausbildungsvergütung. Genau das ist der Grund, weshalb viele junge Leute – das habe ich gerade im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt wieder erlebt – diese Ausbildung leider abwählen. Dabei brauchen wir Auszubildende in diesen Berufen. Das ist ein unhaltbarer Zustand.

(Beifall bei der LINKEN sowie der Abg. Marja-Liisa Völlers [SPD] und Beate Walter-Rosenheimer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])

Wir brauchen auch für die schulische Ausbildung den Ausschluss von Schulgeld und das Recht auf Ausbildungsvergütung. Das geht mit einem Bundesgesetz. Wir wollen es gerecht machen; das kann man und muss man bundesgesetzlich regeln.

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der LINKEN)

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