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60 Tonnen Gigaliner

Rede von Dorothée Menzner,

Mit dem Einsatz von 60-Tonnen-Gigalinern soll der Wahnsinn wohl endgültig Vorfahrt erhalten.

Gleich zu Beginn sage ich: Die Linke im Bundestag lehnt den Vorschlag der FDP, einen Feldversuch mit solchen LKWs durchzuführen, ab.

20.) Beratung Antrag FDP
Umfassenden Feldversuch über die Vor- und Nachteile von 60-Tonnen-LKW starten Drs 16/2683 [auf dem Server des Bundestages]
ZP 11) Beratung Antrag B90/GRÜNE
Keine 60-Tonnen-Lkw auf deutschen Straßen Drs 16/2990 -

Plenarsitzung, 19. Oktober 2006
Dorothée Menzner (Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Mit dem Einsatz von 60-Tonnen-Gigalinern soll der Wahnsinn wohl endgültig Vorfahrt erhalten.
(Beifall bei der LINKEN)
Gleich zu Beginn sage ich: Die Linke im Bundestag lehnt den Vorschlag der FDP, einen Feldversuch mit solchen LKWs durchzuführen, ab.
(Zuruf von der CDU/CSU: Das überrascht uns aber!)
Mit Ihrem Vorschlag verfolgen Sie nicht etwa das Ziel, überlastete Bundesfernstraßen zu entlasten. Es geht darum, Tulpen aus Amsterdam oder Zitronen aus Spanien zu transportieren. Diese Transporte, die auf unseren Autobahnen schon heute für endlose LKW-Schlangen verantwortlich sind, sollen billiger werden.
(Patrick Döring [FDP]: Nein! Dann wären doch weniger Fahrzeuge unterwegs!)
Es ist ziemlich egal, ob man 120 Tonnen in drei LKWs à 40 Tonnen oder in zwei LKWs à 60 Tonnen verteilt.
(Jan Mücke [FDP]: Doch! Das macht einen Unterschied!)
Summa summarum ist kaum ein Meter weniger Fahrzeug auf dem Asphalt. Aber diese Monster von 25 Metern Länge werfen eine Menge Probleme auf:
(Patrick Döring [FDP]: 15 Prozent weniger CO2 pro Fahrzeug! Ihr seid einfach technikfeindliche Dickschädel!)
Wie fühlen Sie sich als Autofahrer, wenn Sie sich in einer Ausfahrt zwischen zwei solche LKWs quetschen müssen? Wie wollen Sie so ein langes Gefährt gefahrlos überholen, erst recht, wenn Sie ein nicht ganz so schnelles Auto fahren?
Was passiert, wenn ein solcher LKW in enge Stadtstraßen abbiegen muss, um vielleicht zu dem Gewerbegebiet zu gelangen, wo er hin muss?
(Patrick Döring [FDP]: Das will doch keiner!)
Wie will der Lenker Radfahrer oder Kinder im Blick behalten, wenn schon ein Erwachsener im Rückspiegel eines normalen LKW kaum auszumachen ist? Nicht zuletzt sind die Parkplätze auf unseren Raststätten nicht auf 25Meter-Gespanne ausgelegt; gar nicht zu reden von den 37 000 Brücken in unserem Land. Allein in Sachsen-Anhalt gilt jede fünfte Brücke als zu schwach für diese 60Tonner.
Auch mir ist bekannt, dass diese langen Lastzüge in Finnland und Schweden mit Erfolg verkehren. Wir kennen auch die Roadtrains aus Australien. Aber diese dünn besiedelten Länder kann man nicht mit dem dicht besiedelten Mitteleuropa vergleichen.
(Patrick Döring [FDP]: Die Niederlande sind nicht dicht besiedelt?)
Wir haben keine endlosen, einsamen Landstraßen in wüstenhaften Gegenden,
(Patrick Döring [FDP]: Wie viele Wüsten gibt es in den Niederlanden?)
in denen kaum eine Menschenseele wohnt.
(Patrick Döring [FDP]: Abenteuerlich!)
Uns fehlt es auch nicht an Schienensträngen. Im Gegenteil, wir haben ein engmaschiges Eisenbahnnetz Und das Ziel der Bahnreform, für die wir alle uns immer wieder ausgesprochen haben, war es, mehr Güter auf die Schiene zu verlagern.
(Beifall bei der LINKEN - Patrick Döring [FDP]: Das eine tun, das andere nicht lassen!)
Im letzten Jahr schafften es die Bahnen, 95 Milliar-den Tonnenkilometer auf die Schiene zu bringen. Die Straße erreichte kaum mehr das Dreifache: 310 Milliar-den Tonnenkilometer. Wollen wir diese ersten, zaghaften Erfolge jetzt konterkarieren?
Nicht umsonst wird erwähnt, dass die 60Tonner weniger Sprit verbrauchen. Doch dies rechtfertigt keine schön klingenden Namen wie „Eco-Kombi“ oder „Ökolaster“. Denn ökologisch sind diese Monster-LKWs nicht. Sie passen nämlich nicht auf unsere Straßen. Diese 60Tonner sind große Sattelschlepper mit Anhänger; das muss man sich bildlich vorstellen.
(Patrick Döring [FDP]: Ich habe sie schon live gesehen!)
Sie schlagen vor, dass diese Lastzüge nur bis an die Stadtgrenzen fahren und die Anhänger separat in die Stadt gebracht werden. Ein zweiter Fahrer wird also nur in der Stadt gebraucht, während auf der Autobahn ein Fahrer genügt.
(Patrick Döring [FDP]: Woraus schließen Sie das?)
Die 60Tonner sollen also die Personalkosten senken. Ich sage: Sie sollen Arbeitsplätze vernichten.
(Lachen bei Abgeordneten der FDP)
Die Nutzfahrzeugindustrie ist im Übrigen auch nicht begeistert: Sie befürchtet, weniger Zugmaschinen abzusetzen, sie befürchtet, sehr viel differenziertere Fahrzeuge anbieten zu müssen, und, nicht zuletzt, Arbeitsplätze abbauen zu müssen.
Kolleginnen und Kollegen, unsere Entscheidungen müssen nachhaltig sein, nicht nur ökologisch, sondern auch sozial. Deswegen sagen wir klar Nein zu diesen LKWs.
Danke.
(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN - Patrick Döring [FDP]: Sie haben Ihren Textbaustein „Hartz IV muss weg!“ vergessen!)