Skip to main content

25 Jahre Parlamentarisches Patenschafts-Programm - eine echte Erfolgsstory

Rede von Volker Schneider,

Sehr geehrte Damen und Herren!

25 Jahre Parlamentarisches Patenschafts-Programm (PPP) das ist allein aufgrund des Zeitraums eine echte Erfolgsstory. Zu jeder dieser Erfolgsgeschichten gehören Menschen mit Initiative, Engagement und manchmal unglaublichem Einsatzwillen. Nicht alle von Ihnen stehen im Rampenlicht und deshalb will ich zuerst den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Referates WI 4, Internationale Austauschprogramme, danken. Stellvertretend für alle Anderen geht mein Dank an den Kollegen Börnsen und sein unermüdliches Engagement.

Seit nunmehr einem Vierteljahrhundert schreiben wir mit diesem Austauschprogramm erfolgreich Geschichte. Jedes Jahr wird damit Hunderten von Schülerinnen und Schülern sowie jungen Berufstätigen ermöglicht als Botschafterinnen und Botschaftern unseres Landes die Vereinigten Staaten kennenzulernen. Dabei stand von Anfang an neben dem Leitgedanken der politischen und kulturellen Zusammenarbeit auch der kritische Austausch im Vordergrund.

Ein junger Teilnehmer unseres Landes brachte seine Erfahrungen in den USA in bemerkenswerter Weise auf den Punkt. „Ich habe nicht nur die USA gründlich kennenlernen können. Vieles von dem was ich bisher über dieses Land gedacht habe, hat sich für mich relativiert, im Positiven wie im Negativen. Aber auch meine Einstellung gegenüber meinem eigenen Land hat sich nachhaltig verändert. Manches von dem, was ich in Deutschland als negativ angesehen habe, empfinde ich heute nicht mehr als so schlimm. Auf der anderen Seite bin ich heute auch auf eine Reihe von Dingen in Deutschland stolz, dir mir zum Teil vorher überhaupt nicht wichtig waren.“

Die Möglichkeit, im Zeitraum eines Jahres auch die Perspektive des jeweils anderen einzunehmen, ist eine der grundlegenden Vorraussetzungen für Toleranz und Akzeptanz. In diesem Sinne erfüllt dieses Patenschaftsprogramm für die Fraktion DIE LINKE im Rahmen der Völkerverständigung ein wichtiges Anliegen. Hier wird auf Grundlage eines Jugendaustausches das erlebbar gemacht, was wir uns als Partei in der großen Politik dauerhaft und zukünftig wünschen: den Gedanken des Friedens und des friedlichen Zusammenlebens aller Völker in die Welt hinaus zu tragen und Gehör zu finden.

Dass dies machbar und möglich ist, zeigt uns ein weiterer Blick in die Geschichte. Als Saarländer weiß ich sehr wohl, in welch unversöhnlicher Weise sich Jahrhunderte lang Deutsche und Franzosen an Ihrer gemeinsamen Grenze gegenüberstanden. Die Kriege verwüsteten nicht nur das Land sondern fraßen sich auch tief in die Seele. Erbfeindschaft nannte man das besondere Verhältnis zu den Menschen jenseits der Grenze. Erst mit dem deutsch-französischen Jugendaustausch trat an Stelle ewiger Feindschaft die Bereitschaft durch den gegenseitigen Besuch Ressentiments und Missverständnisse zu überwinden. Wer heute die kulturelle und insbesondere die kulinarische Bereicherung durch unsere französischen Nachbarn entlang einer offenen Grenze erleben darf, der kann und muss für solche Formen der Völkerverständigung dankbar sein.

Diese Entwicklung zeigt uns, dass eine Freundschaft selbst über lange und tiefe Gräben hinweg möglich ist und uns einen Schritt näher auf dem Weg hin zu einer friedlichen und internationalen Zusammenarbeit bringen kann.

Auch die Andeutung eines verstärkten Engagements der Vereinigten Staaten in unserem Patenschaftsprogramm offenbart neue Motivationen, die Zusammenarbeit unserer beiden Länder zu vertiefen. Dieser Umstand ermutigt mich und meine Fraktion, dieses Austauschprogramm weiterhin tatkräftig zu unterstützen. Damit es auch in Zukunft Jugendlichen beider Länder ermöglicht werden kann, sich kennen zu lernen und daraus die Basis geschaffen wird, friedlich und in Freundschaft miteinander zu leben.
Um dieses Fundament zu stärken, sind Programme wie das parlamentarische Patenschafts-programm und deren Konstanz unerlässlich. Auf diese Weise können wir den jungen Botschafterinnen und Botschaftern die Möglichkeit geben, ihre Vorstellung von einem globalen und friedlichen Miteinander umzusetzen. Oder, um es mit dem Worten des französischen Schriftstellers Henri Barbusse zu sagen: „Die Welt wird das sein, was ihr aus ihr machen wollt.“