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Ralph Lenkert: Waldschutz ja, aber bitte nicht so

Rede von Ralph Lenkert,

Sehr geehrter Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Wenn die selbsternannte Wirtschaftspartei FDP Naturschutz entdeckt, wird es spannend.

(Heiterkeit und Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Die FDP möchte Wälder schützen – wirklich, zwar nicht beim Straßenbau, nicht beim Bau von Flugplätzen, nicht bei Gewerbegebieten und auch nicht, wenn es um Kohletagebau geht. Aber wenn es um Windräder im Wald geht, dann wird sie konsequent; dann greift sie durch.

(Beifall bei der LINKEN, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch von der FDP, Sie kennen doch sicher die Arbeitsgemeinschaft deutscher Waldbesitzerverbände. Sie hat uns das Positionspapier „Forderungen zur Bewältigung klimabedingter Probleme in unseren Wäldern“ zugeschickt. Wir Linken nehmen das ernst. Und es ist logisch: Ein stärkerer Klimawandel verstärkt natürlich die Probleme.

Dann habe ich als Maschinenbautechniker mal nachgerechnet. Im Hambacher Forst fielen dem Kohletagebau bisher 3 500 Hektar Wald für die Kraftwerke Niederaußem und Neurath zum Opfer, die im Jahr circa 48 Terawattstunden Strom produzieren. Die Landesregierung von NRW aus CDU und FDP hat auf eine Anfrage erklärt: Pro Windrad gehen etwa 0,3 Hektar Wald verloren.

(Dr. Rainer Kraft [AfD]: Nein! – Karsten Hilse [AfD]: Also, das stimmt nicht! Da haben Sie falsch gerechnet! – Weiterer Zuruf von der AfD: Ein ganzer Hektar!)

– 0,3 Hektar. Lesen Sie es in der Antwort der Landesregierung von NRW nach! Es wird nämlich wieder aufgeforstet. – Aber wir können weiterreden. Sie können sich ja zu einer Zwischenfrage melden.

(Karsten Hilse [AfD]: Mach ich!)

10 000 Windräder erzeugen im Jahr in NRW etwa 48 Terawattstunden, ähnlich wie die Kohlekraftwerke. Aber sie brauchen nur 3 000 Hektar Land. Und, Herr Busen, wenn Sie von 4 Millionen Quadratmetern reden, dann klingt das zwar viel, aber es sind trotzdem 400 Hektar.

(Beifall bei der LINKEN – Karlheinz Busen [FDP]: Toll! Da haben Sie toll gerechnet!)

Ich möchte noch eins dazusagen: Wenn man nachrechnet – 3 500 Hektar gegen 3 000 –, ist es besser, Windräder zu bauen, als im Kohletagebau auszubaggern.

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Liebe FDP, in Ihrem Antrag schreiben Sie, dass jährlich 12 000 Vögel durch Windräder sterben.

(Karlheinz Busen [FDP]: Greifvögel!)

– Greifvögel. – Über 2 Millionen Vögel sterben jährlich im Straßenverkehr. Dazu sagen Sie nichts.

(Karsten Hilse [AfD]: Wollen Sie jetzt den Straßenverkehr verbieten, Herr Lenkert?)

Natürlich haben Sie recht, dass ein Windrad im Wald Vögel schädigen kann. Sie haben recht, dass seltene Pflanzen in kleineren Biotopen leben. Und Sie haben natürlich auch recht, dass der Erholungswert in solchen Gebieten sinkt.

Dann stelle ich aber die Frage an Sie von der FDP und an Sie, die weiter rechts außen sitzen – wir haben gerade gehört: Sie wollen mehr Autobahnen; Sie wollen mehr Straßen –: Welchen Erholungswert hat ein Wald neben einer Autobahn?

(Beifall bei der LINKEN)

Welchen Einfluss hat der Sperrriegel einer Autobahn auf die Lebensräume von Tieren? Das ist doch verheerend und schizophren. Wenn Sie wirklich die Wälder schützen wollen, dann kämpfen Sie gegen Autobahnen und gegen neue Straßen!

(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Frank Sitta [FDP]: Dann laufen wir alle! – Zuruf von der AfD: Fliegen wollt ihr aber auch nicht!)

Wir als Linke sind für den Kohleausstieg. Wir wollen die letzten Bäume im Hambacher Forst schützen, und wir wollen die Energiewende. Und wir wollen die Forderungen der Waldbesitzer umsetzen. Denn sie sind vernünftig.

Der Sturmbruch durch den Orkan „Friederike“ wurde schon erwähnt. Die Schädlinge belasten die Wälder sehr, und die Waldbesitzer fordern zu Recht mehr Holzlagerflächen.

In Fichten- oder Kiefermonobeständen haben wir in diesem Sommer gesehen, wie die Waldbrandgefahr wächst. Ein Waldumbau ist zwingend erforderlich. Ganz ehrlich: Wenn man Windkraftanlagen in diesen Monowäldern platziert, dann könnte man mit etwas Intelligenz – die vielleicht nicht überall da ist – die Wege sowohl für die Waldbesitzer als auch für die Windkraftanlagen nutzen. Man könnte die Aufstellflächen bei den Windkraftanlagen als temporäres Holzlager nutzen. Ganz nebenbei kann man natürlich die Planung so machen, dass man Brandschutzwege ebenfalls erhält. Und mit der Pacht ist eine Finanzierung des Waldumbaus durchaus machbar.

Jetzt als letztes Argument für Sie von der FDP: Normalerweise scheuen Sie Verbote wie der Teufel das Weihwasser. Ich kann überhaupt nicht verstehen, dass Sie jetzt zur Verbotspartei werden. Also ziehen Sie diesen Antrag zurück! Erinnern Sie sich daran, dass Sie gegen Verbote sind!

(Beifall der Abg. Helin Evrim Sommer [DIE LINKE])

Kämpfen Sie mit uns gemeinsam im Haushalt für mehr Geld für den Waldumbau! Dann schützen Sie den Wald, aber nicht mit solchen Anträgen.

Vielen Dank.

(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)