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Kirsten Tackmann: Der Bund muss beim Herdenschutz helfen

Rede von Kirsten Tackmann,

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste auf der Tribüne! Seit 2005 kämpfe ich als Bundestagsabgeordnete der Linken darum, dass die Existenznot insbesondere in der Schafhaltung hier endlich wahrgenommen wird. Die Schäferinnen und Schäfer standen mit ihren Schafen am Brandenburger Tor, haben protestiert; sie sind mit ihren Herden in einem Hirtenzug quer durchs Land gezogen. Sie haben uns zu runden Tischen geladen. Das war alles, lange bevor der Wolf zum zusätzlichen Problem geworden ist.

Als Linke haben wir mit Anträgen, mit Anfragen oder mit Fachgesprächen diese Anliegen, die wir für berechtigt halten, immer unterstützt – von der Weidetierprämie über einen Nothilfefonds beim dramatischen Ausbruch der Blauzungenerkrankung bis hin zum Herdenschutz. Leider wurde das hier im Bundestag immer verweigert, und deswegen geben Schäferinnen und Schäfer auf.

Wo waren eigentlich all die Jahre diejenigen, die sich jetzt selbst zum Rächer der Schafe ernennen und zum großen Halali gegen den Wolf blasen?

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Lassen wir doch einfach jemanden zu Wort kommen, der sich seit Jahren für den Herdenschutz engagiert. Ich habe Schäfermeister Knut Kucznik vom Bundesverband Berufsschäfer einmal gefragt, was er in dieser Debatte sagen würde, wenn er Rederecht hätte. Mit Einverständnis des Präsidenten möchte ich seine sehr eindrucksvollen Worte hier vortragen:

"Wir Weidetierhalter in Brandenburg haben zurzeit die höchste Wolfsdichte der Welt auf unserem Weideland. Und wir haben mehr als 15 Jahre Erfahrungen im Umgang mit den Wölfen und der Gefährdung unserer Weidetiere."

"Eines muss anfangs gesagt werden: Uns Weidetierhalten wäre es lieber, wenn es Wölfe nicht geben würde. Nun ist der Wolf aber da. Und er ist streng geschützt. Wir werden mit diesem Fakt lernen müssen zu leben. Deshalb ist es unsere Pflicht, dass wir unsere Tiere schützen. Das zeichnet einen guten Hirten aus."

(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

"Leider waren die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse der Weidetierhaltung schon vor der Einwanderung der Wölfe die niedrigsten in der Landwirtschaft. Viele Betriebsleiter können für sich selbst nicht einmal den derzeitigen Mindestlohn erwirtschaften. Und Altersarmut droht allen. Hier zeigt sich ganz deutlich, dass der Wolf nicht nur die schwächsten Tiere schlägt, sondern unserem Land auch ganz klar seine Schwäche zeigt."

"Wir Weidetierhalter erzeugen nicht nur hervorragende Lebensmittel bei besten Haltungsbedingungen, sondern wir halten mit unseren Tieren Luft, Wasser und Boden gesund. Wir sorgen für Sicherheit in den Berg- und Küstenregionen Deutschlands. Dafür werden wir aber nicht ausreichend entlohnt. Den Wolf ins Jagdrecht zu nehmen, hilft uns nicht. Er bleibt nach europäischem Recht trotzdem ganzjährig geschützt. Den Wolf zu bejagen, nützt uns nichts. Ein übrig gebliebener Wolf kann genauso gefährlich für unsere Herden sein wie zehn."

"Herdenschutz, den wir uns leisten können, hilft uns. Die längst überfällige Anpassung der Tierschutz-Hundeverordnung,"

(Beifall der Abg. Dr. Franziska Brantner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])

"um Herdenschutz mit Hunden rechtssicher durchführen zu können, hilft uns. Bessere Bezahlung für unsere Produkte der agrarökologischen Dienstleistungen hilft uns."

(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

"Eine Weidetierprämie als Direktzahlung hilft uns. Und die rechtssichere Entnahme von Wolfsrudeln, die Herdenschutzmaßnahmen überwinden, hilft unseren Tieren."

"Im Namen aller Weidetierhalter bitte ich den Deutschen Bundestag um Hilfe in dieser für Weidetierhalter schwierigen Zeit. Die Zahl der Schafbestände in Deutschland ist im Absturz. Ohne Schafe können die Schutzgebiete Deutschlands nicht in einem guten Erhaltungszustand und die Deiche nicht gesichert werden. Deshalb muss nicht gegen den Wolf, sondern für unsere Schafe gehandelt werden."

(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

So weit Knut Kucznik, dem ich für diese eindrucksvollen Worte und sein jahrelanges Engagement mit seinen Verbündeten sehr danke.

Mein Appell geht heute an diejenigen, denen es wirklich um die Weidetierhaltung geht. Lassen Sie uns die Zeit ohne Koalitionszwang nutzen, um hier endlich Hilfe zu beschließen.

(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Die Bundesländer tun schon relativ viel. In Brandenburg und Thüringen beispielsweise wird die Anschaffung von Herdenschutzhunden bereits gefördert. Aber jetzt ist der Bund in der Pflicht. Lassen Sie uns also die Dinge tun, die zu tun sind! Viele Vorschläge stehen im Antrag der Linken. Lassen Sie uns das gemeinsam beschließen!

Vielen Dank.

(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

 

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