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Wir sind heute die erste Frauenfraktion in der Geschichte der Bundesrepublik!

Rede von Yvonne Ploetz,

Den Internationale Frauentag,
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen,
den feiern wir zum 101. Mal. Und in meiner Fraktion sind heute nur die Frauen anwesend. Wir sind somit die erste reine Frauenfraktion in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Damit wollen wir ein starkes Zeichnen setzen, dass Frauen – nicht nur in der Politik – die derzeitigen Männerdomänen ohne Probleme meistern!


Die Männer der Linksfraktion machen gerade ein Tagespraktikum in einem sogenannten Frauenberuf und werden so in aller Öffentlichkeit würdigen, was Frauen Tag für Tag leisten. Liebe Kolleginnen und Kollegen, bei der Emanzipation müssen eben alle mit, Männer wie Frauen!

Leider ist das noch nicht bei allen angekommen. Sicher kennen auch Sie nur ganz wenige KFZ-Mechanikerinnen oder Lufthansa-Managerinnen. Und dafür gibt es viele schlechte Gründe –von altmodischen Unternehmenskulturen bis zu den traditionellen Berufs- und Geschlechterbildern. Sie aufzubrechen, genau darum muss es uns gehen!

Damit sind wir auch bei der Debatte, die die Frauenpolitik gerade bestimmt: Die durchaus salonfähig gewordene Forderung nach einer Frauenquote in Führungsetagen. Und da hat diese Woche Brüssel Berlin überholt. Ein EU-weites Gesetz soll die Frauenquote verbindlich vorschreiben. Europas Justizkommissarin Reding hat zur genau richtigen Zeit ein Signal gesendet – einen Tag nachdem nach dem die FDP in einem Zwergenaufstand durchgesetzt hat, dass die Flexiquote der Familienministerin Schröder in Ablage P wie Phrasen verschwindet. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, was ich peinlicher finde: Die bisslose Flexiquote oder das kampflose Einknicken der Frauenministerin in Frauenfragen!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es wird Zeit, dass Old-Boys-Networks und Business-Machos eben nicht mehr den Not-Aus-Knopf der Fahrstühle drücken können in denen Frauen in die Chefetagen fahren. Ihr Aufstieg muss eine Selbstverständlichkeit sein. Doch so lange das so nicht ist, lassen wir uns in unserer Forderung nach einer 50-%-Quote nicht beirren!

Aber für viele Frauen ist Aufstieg nach wie vor einfach nur Utopie. Sie haben erst einmal andere und zwar ganz existenzielle Probleme. Da ist zum Beispiel Katarina L. aus München. Sie arbeitet seit Jahren als Altenpflegerin, trägt eine enorme Verantwortung für die Menschen die sie pflegt und leistet körperliche Schwerstarbeit. Nicht weniger schwer als beispielsweise ein Maschinenbauer. Und trotzdem: Die Wertschätzung für ihre Arbeit ist nicht sonderlich hoch. Aufstiegsmöglichkeiten hat sie kein und sie verdient rund 1000 Euro weniger im Monat als der Maschinenbauer. Und mir kann wirklich niemand erklären, wo dieser Lohnunterscheid herkommt. An der körperlichen oder psychischen Belastung kann es nicht liegen. Deshalb fordern wir als LINKE, wie es so schön in Köln in Punkt gebracht wird: Mehr Cash in die Frauentäsch!

Und dass Frauen wie Katarina mit ihren Bedürfnissen endlich wieder in den Fokus der frauenpolitischen Debatte kommen!


Und genau deshalb lenken unsere Männer heute durch ihr Praktikum gezielt die Aufmerksamkeit dahin. Gregor Gysi ist zum Beispiel in der Kita, Uli Maurer beim Frisör und Steffen Bockhahn putzt in Rostock. Ich bin sicher, sie werden dort nicht nur gute Arbeit leisten, sondern werde auch erfahren, mit welchen Problemen die Erzieherin, die Frisörin, die Reinigungsfrau oder viele andere zu kämpfen haben.

Und es ist doch so: Frauen regeln den Haushalt, erziehen die Kinder, unterstützen den Partner und versorgen die Eltern. Sie leiten das berühmte kleine Familienunternehmen und versuchen das mit einem Job unter einen Hut zu bekommen. Sie geben richtig viel und bekommen richtig wenig zurück. Und damit muss 2012 endlich Schluss sein! Da halte ich es mit der mutigen Feministin aus dem Saarland, mit Marlis Krämer: „Wir Frauen wollen die Hälfte der bezahlten Arbeit und der Macht und dafür geben wir Euch Männern die Hälfte der unbezahlten Hausarbeit!“

Nun, wie sieht es denn am Arbeitsmarkt aus? Die Erwerbsquote von Frauen ist gestiegen- allerdings vor allem durch die Zunahme von Teilzeitarbeit und das obwohl der Großteil der Teilzeitarbeitnehmerinnen viel lieber Vollzeit arbeiten würde. Wenn dann beispielsweise der Geschäftsführer vom Handelsverband Deutschland letzten Frauentag behauptet, Frauen wollen solche prekären Beschäftigungen, dann ist das überhaupt nicht nachvollziehbar!

Es ist nämlich erwiesen: Junge Frauen machen die besseren Abschlüsse, stellen aber gleichzeitig den Löwenanteil der Minijobs. Akademikerinnen gibt es im Sonderangebot. Alleinerziehende stehen ganz alleine da und haben Angst vor Prekarität und Armut – für Mutter und für Kind. Um hier zu helfen wäre eines ganz zentral: Eine gut ausgebaute Infrastruktur an Kinderbetreuung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, nur so geht die Gleichung von Familie und Beruf für jeden und jede wirklich auf!

Will man das gesamte Knäuel, das es an Problemen gibt, entwirren, gibt es dafür sogar einen Leitfaden: das Sachverständigengutachten für den ersten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung. Da sind die Herausforderungen an die Politik Punkt für Punkt aufgelistet.

Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Sie müssen dafür sorgen,
- dass Pflege oder Erziehungszeiten anerkannt werden,
- dass Niedriglohnfallen endlich geschlossen werden,
- dass der Mindestlohn eingeführt
- und das Ehegattensplitting abgeschafft wird
- und mit einem Entgeltgleichheitsgesetz der katastrophale Lohnunterschied von Frauen und Männern für die gleichwertige Arbeit endlich abgeschafft wird.
- Sie müssen Ihr eigenes Gutachten nur lesen und umsetzen!

Für all das möchten wir heute als Fraktion ein Zeichen setzen. Liebe Kolleginnen, liebe Frauen, wir haben nach 101 Jahren viel erreicht, doch es bleibt noch eine Menge zu tun. Deshalb, frei nach Astrid Lindgren: Lasst Euch nicht unterkriegen, seid frech und wild und wunderbar!

Vielen Dank!