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Wildtierhandel mit geschützten Arten verbieten

Rede von Hubertus Zdebel,

Sehr geehrte Frau Präsidentin/ Sehr geehrter Herr Präsident,
sehr geehrte Damen und Herren,

DIE LINKE will mehr Schutz von bedrohten Wildtieren erreichen. Dazu haben wir den vorliegenden Antrag eingebracht, der in seinen Forderungen über den der Grünen und der Koalition hinausgeht. Es wird höchste Zeit, dass auf internationaler Ebene endlich wirksame Schritte gegen den Wildtierhandel geschützter Tiere unternommen werden. Die Lage könnte kaum dramatischer sein:  Von den einst 100.000 lebenden Tigern existieren heute nur noch rund 3000 Tiger weltweit. Wenn der Wildtier-Mafia nicht endlich wirksam das Handwerk gelegt wird,  könnte es schon bald gar keine Tiger mehr geben. Ähnliches gilt für Elefanten und Nashörner. Laut der internationalen Tierschutzorganisation WWF wurden im letzten Jahr rund 22.000 Elefanten in Afrika abgeschlachtet, andere Organisationen gehen sogar von einer Zahl von bis zu 50.000 getöteten Elefanten aus. Dies sollte für alle internationalen Akteure ein Alarmsignal sein, denn auch hier steht längerfristig die Existenz dieser Tierart auf dem Spiel. Der Handel mit Elfenbein, Nashorn-Horn und Tigerfellen blüht. Wir schlagen deshalb in unserem Antrag ein dauerhaftes EU-weites Im- und Exportverbot von Produkten geschützter Tierarten vor. Aber auch in weiteren Transit- sowie in Ursprungs- und Abnehmerländern müssen die Märkte für Produkte bedrohter Wildtiere geschlossen werden. Zugleich braucht es Aufklärungsmaßnahmen über den Unsinn dieser Produkte.  

Das internationale Artenschutzübereinkommen CITES, welche sich der Bekämpfung des Wildtierhandels auf die Fahne geschrieben hat, muss erweitert werden.  Wir wollen das Ländermodell der von CITES geschützten Wildtiere ändern in ein Populationsmodell. Für den Schutz der Elefantenpopulationen ist es beispielsweise nicht sinnvoll, nach den Ländergrenzen zu trennen und sie somit den unterschiedlichen Schutzstandards im CITES-Übereinkommen zu unterstellen. Denn Elefantenpopulationen machen nicht vor Grenzen halt, und ein Elefant in Zimbabwe ist nicht weniger schützenswert als ein Elefant im benachbarten Sambia.

Leider klammert der vorliegende Antrag der Grünen und der Koalitionsfraktionen Armut und fehlende Perspektiven in den Ursprungsländern als einer der wichtigsten Ursachen für den Wildtierhandel komplett aus:  Wir sind der Meinung, dass die wirtschaftlichen und sozialen Probleme in Afrika wesentlich dazu beitragen, dass Menschen in die Fänge der Wildtiermafia geraten. Solange viele afrikanische Staaten weiterhin bewusst in neokolonialer Abhängigkeit zum Globalen Norden gehalten werden, um die Profitinteressen multinationaler Konzerne abzusichern, wird sich der Trend nicht umkehren lassen. Insofern heißt Schutz der Wildtiere auch, in der Außen- und Entwicklungspolitik umzusteuern und den betroffenen Staaten eine faire Chance für eine eigenständige Entwicklung zu geben, die den Menschen vor Ort eine Perspektive bietet. Die gegenüber Afrika gegebenen Entwicklungsfinanzierungsversprechen müssen endlich eingehalten und die bisher entstandenen Schulden afrikanischer Länder komplett erlassen werden. Dies machen wir mit unseren Antrag deutlich.