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Typisierung von Spender/innen

Rede von Ilja Seifert,

Frage an die Bundesregierung

Ilja Seifert:

Inwieweit hält die Bundesregierung es, auch angesichts des Bedarfs und der Bedeutung von Blut-, Organ-, Knochenmark- und Blutstammzellenspenden, für sachgerecht und förderlich, dass die Kosten für eine Typisierung von potentiellen Spenderinnen und Spendern von Knochenmark oder Blutstammzellen (ca. 50 Euro) - eine lebenswichtige Grundlage zum Beispiel für die Behandlung von an Leukämie erkrankten Menschen - durch die Spender selbst bzw. durch private Spenden Dritter finanziert werden muss, und welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung für die Schaffung einer anderen Finanzierungsgrundlage?

Antwort der Parlamentarischen Staatssekretärin
Marion Caspers-Merk vom 26. Juni 2008:

Die Bitte der Träger von Dateien an die freiwilligen Knochenmarkspender, die Kosten für eine Knochenmarktypisierung selber zu übernehmen, führt immer wieder zu dem Missverständnis, dass Politik und gesetzliche Krankenversicherung für diese Erkrankungen kein Geld zur Verfügung stellen. Die bereits bestehenden und von den gesetzlichen Krankenkassen finanzierten Hilfen, die für die Suche nach einem geeigneten Spender für einen Patienten zur Verfügung stehen, treten zu Unrecht in den Hintergrund.
Die organisatorischen Strukturen für eine effektive Spendersuche sind durch eine Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit im Jahr 1991 geschaffen worden. Mit ca. 12,3 Mio. Euro wurde der Aufbau eines Spendersuch- und Vermittlungssystems gefördert. Nach der Aufbauphase haben die Krankenkassen das System übernommen.
Um einen geeigneten Spender zu finden, steht das Zentrale Knochenmarkspenderregister Deutschland (ZKRD) zur Verfügung. Im ZKRD sind alle deutschen Spender anonymisiert registriert. Das Register enthält derzeit ca. 3,2 Millionen Spender und ist damit das zweitgrößte Spenderregister der Welt. Wenn kein geeigneter deutscher Spender gefunden wird, sucht das ZKRD weltweit in internationalen Datenbanken mit derzeit ca. zwölf Millionen Spendern. Die Kosten für diese Suche trägt die gesetzliche Krankenversicherung. Nach Angaben des ZKRD kann heute in einem Zeitraum von durchschnittlich zwei bis drei Monaten für ungefähr 90 Prozent der deutschen Patientinnen und Patienten ein geeigneter Spender gefunden werden.

Die Gesundheitsversorgung kranker Menschen ist die originäre Aufgabe der Krankenkassen. Das Bundesministerium für Gesundheit hat deshalb den Aufbau des Systems nur im Wege der Anschubfinanzierung fördern können. Der Aufbau des Systems ist abgeschlossen. Seit Januar 1995 tragen die Krankenkassen sämtliche Kosten für die Knochenmarkspende und -transplantation. Neben den Kosten für die Behandlung, die auch schon in der Vergangenheit von den Krankenkassen getragen worden sind, wird damit auch der Betrieb der Dateien, die Spenderpflege und das Zentrale Knochenmarkspenderregister in Ulm über ein Umlagensystem finanziert. Dieses Umlagensystem wird regelmäßig fortgeschrieben.
Wenn einzelne Spenderdateien für eine Patientin bzw. einen Patienten zu Aktionen zur Gewinnung weiterer zusätzlicher Spender aufrufen, werden diese Kosten von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht übernommen. Der Grund ist, dass wissenschaftliche Untersuchungen in der Vergangenheit gezeigt haben, dass die Chance, einen geeigneten Spender zu finden, nicht in dem gleichen Maße steigt wie die Erhöhung der Anzahl der Spender. Ab einer gewissen Anzahl von Spendern wird das Auftreten neuer Gewebemerkmale immer seltener. Dies hat zu der Erkenntnis geführt, dass eine Erhöhung der heute erreichten Spenderzahl weniger Nutzen für die Patientin bzw. den Patienten bringt als die Durchführung einer weiteren Blutuntersuchung bei den bereits gewonnenen Spendern. Aus diesem Grund hat das Bundesministerium für Gesundheit vor Abschluss der Anschubfinanzierung des Bundes die noch vorhandenen Finanzmittel gezielt für die Verbesserung der Qualität der Datei, d. h. für weitergehende Blutuntersuchungen bei den bereits gemeldeten Spendern und nicht für die Gewinnung neuer Spender eingesetzt.