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Tropenwaldschutz ist Klimaschutz

Rede von Heike Hänsel,

Für die Fraktion DIE LINKE kritisiert deren entwicklungspolitische Sprecherin Heike Hänsel die Einbindung von Tropenwaldschutz in den Handel mit Treibhausgaszertifikaten und fordert dagegen die direkte Finanzierung von Schutzgebieten und nachhaltiges Waldmanagement unter Einbeziehung der in und von den Wäldern lebenden Bevölkerung.

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Waldschutz ist ein lebenswichtiges, ja überlebenswichtiges Thema. Es ist gut, dass das Problem der Entwaldung in Bezug auf die zunehmende Erderwärmung - auch im Umfeld von Bali - wieder stärker ins Blickfeld geraten ist.

Indonesien wurde bereits als Beispiel genannt. Aufgrund großflächiger Abholzungen steht dieses Land mittlerweile auf Platz drei der Liste mit den weltweit größten Emittenten von klimaschädlichen Gasen. Sollten die bis zu 20 Meter dicken Torfböden unter den Wäldern Zentral-Kalimantans vollständig trockengelegt werden, würden 50 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalent nach und nach freigesetzt. Das entspricht ungefähr dem 50-Fachen des CO2-Ausstoßes Deutschlands. Diese Zahlen zeigen ganz klar: Tropenwaldschutz ist nicht nur Schutz der Biodiversität, sondern immer auch Klimaschutz.

(Beifall bei der LINKEN)

Wir unterstützen die Grünen bei dem eigentlichen Ziel ihres Antrags. Aber das vorgeschlagene Instrument lehnen wir ab. Die Forest Carbon Partnership Facility der Weltbank, um die es hier geht, ist in unseren Augen leider der direkte Weg, den Regelwaldschutz in den Handel mit Treibhausgaszertifikaten einzubinden. Genau das halten wir für einen falschen Weg.

(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Hans-Michael Goldmann [FDP])

Bereits jetzt ist die Bundesrepublik der größte Geber der FCPF. Das ist kein Wunder; denn das BMZ hat sie über Jahre mitentwickelt. Von den 100 Millionen Euro kommen allein 40 Millionen Euro aus Deutschland. Die Grünen wollen nun, dass die EU noch einmal 200 Millionen Euro draufpackt. Aber wofür? Zunächst sollen 20 Länder fit gemacht werden, damit sie in der Lage sind, den wirtschaftlichen Wert des Waldes und der Abholzungen monetär zu erfassen. Im zweiten Schritt sollen ausgewählte Länder für vermiedene Abholzungen entlohnt werden. Das hört sich erst einmal gar nicht so schlecht an. Doch letztendlich läuft das Ganze darauf hinaus, vermiedene Abholzungen in ein Handelssystem mit Treibhausgasen einzubeziehen.

(Hans-Michael Goldmann [FDP]: Genau!)

Es geht gerade nicht darum, einen Fonds zu bilden, um großflächig Schutzgebiete zu finanzieren und gegebenenfalls Nutzer zu entschädigen. Eine solche Strategie würden wir unterstützen. Indonesien hat gerade erst angeboten, für 5 bis 15 Dollar pro Hektar dafür zu sorgen, dass die Entwaldung in Kalimantan unverzüglich gestoppt wird. Ähnliche Angebote der Kompensation kamen aus anderen Waldländern. Seltsamerweise hat niemand auf Bali darauf reagiert. Die Weltbank hatte gerade die FCPF aus dem Hut gezaubert.

Klimapolitisch ist die Einbindung des Tropenwaldschutzes in Kohlenstoffmärkte im besten Fall ein Nullsummenspiel. Das, was an Abholzung und damit an Emissionen vermieden würde, würde über den Emissionsrechtehandel automatisch in Europa mehr ausgestoßen. So funktioniert dieser Markt. Der Rückgang der Entwaldung muss in unseren Augen aber zusätzlich zu den Reduktionsverpflichtungen der Industriestaaten erfolgen. Ansonsten verfehlen wir das 2-Grad-Ziel.

(Beifall bei der LINKEN)

Abgesehen davon bestehen jede Menge ungelöste methodische Probleme. Wie werden beispielsweise Baseline und Referenzszenario bestimmt? Gehen wir hier von sinkenden Abholzungsraten wie in Brasilien oder von steigenden wie in Indonesien aus? Wandern Abholzungen nach Zertifikatszuteilung einfach in andere Gebiete? Wer bekommt überhaupt Zertifikate? Was passiert, wenn der Wald zum Beispiel durch Blitzschlag abbrennt? Das zusätzliche CO2, das über den Zertifikatsweg in Europa dann bereits ausgestoßen wurde, bleibt schließlich mehr als 100 Jahre in der Atmosphäre.

Klar ist: Es ist ein höchst kompliziertes System mit jeder Menge Manipulationsmöglichkeiten. Wir kennen das leidlich von den CDM-Projekten. Wir halten deshalb die direkte Finanzierung von Schutzgebieten, nachhaltiges Waldmanagement und gegebenenfalls Nutzerentschädigungen für eine bessere Lösung, und zwar immer unter Einbeziehung der in und von den Wäldern lebenden Bevölkerung. Wir wissen, dass das kein einfacher Weg ist. Es ist aber in unseren Augen der bessere Weg. Danke.

(Beifall bei der LINKEN)