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Sportförderung ist Allgemeingut

Rede von Jens Petermann,

196. Sitzung des Deutschen Bundestages, 28. September 2012
TOP 42: a) Erste Beratung des von der Fraktion der SPD eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Aufnahme von Kultur und Sport in das Grundgesetz , Drucksache 17/10644

und b) die Beratung des Antrags der Fraktion DIE LINKE.  Die Förderung des Sports ist Aufgabe des Staates, Drucksache 17/6152

Jens Petermann (DIE LINKE):

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine verehrten Kolleginnen und Kollegen! Mit den heute auf der Tagesordnung stehenden Anträgen greifen wir eine längst überfällige Debatte auf. Ziel ist es, den politischen Rahmen für die Lösung einer Reihe von Problemen, die wir im Sport haben, zu verbessern. Ich denke, dass sich jenseits des akademischen Streites sowohl hier im Haus als auch in der Gesellschaft eine Mehrheit für diese Anträge abzeichnet. Wenn man einmal die rosarote Brille absetzt das ist hier verschiedentlich schon geschehen , wird man sehen, dass es eine ganze Reihe von Problemen gibt, die einer Lösung zugeführt werden müssen.
Der Schulsport ist schon angesprochen worden. Wir brauchen dringend die dritte Schulsportstunde. Die Länder haben sie auch irgendwie einmal auf dem Schirm gehabt. Tatsächlich findet vielleicht gerade einmal die erste Stunde statt. Was spricht dagegen, dass der Bund ein Programm auflegt, das es den Ländern ermöglicht, diese dritte Sportstunde tatsächlich durchzuführen? Das wäre ein Vorschlag, bei dem sich auch der Bund einbringen könnte.
Stichwort Breitensport. Wie sieht es mit der Anerkennung der ehrenamtlichen Tätigkeit aus? Eine ganze Reihe von Vereinen leidet darunter, dass ihnen die Mitglieder abhanden kommen, vor allem aber auch darunter, dass sie nicht genügend Personal für die Leitung haben. Auch hier fehlt eine entsprechende Initiative des Bundes.
Wie sieht es beim Nachwuchssport aus? Wenn ich mir die Situation der Trainer bei den Nachwuchssportlern ansehe, dann merke ich, dass sie die 40-Stunden-Woche nur vom Hörensagen kennen. Faktisch werden 60 Stunden und mehr geleistet, wofür sie eine Vergütung von 1 200 Euro erhalten. Hier befinden wir uns schon im Bereich der prekären Beschäftigung. Das müssen wir dringend ändern.
                                                   (Beifall bei der LINKEN)
Wie sieht es mit der Talentsichtung aus? Gerade aus dem Bereich des organisierten Sports wird gefordert, dass der Erfahrungsvorsprung des Ostens aufgegriffen wird und bestimmte positive Dinge von dort in die aktuelle Talentsichtung aufgenommen werden. Das muss man natürlich aufgreifen. Warum eigentlich nicht?
                                                   (Beifall bei der LINKEN)
Wie sieht es mit der Transparenz aus? Wie sieht es mit der Verteilung der Mittel aus? Auch hier gibt es eine Reihe von Defiziten. Aktuell gibt es eine Diskussion über Zielvereinbarungen. Das müssen wir auch angehen. Hier können wir gemeinsam vorankommen.
                                                   (Beifall bei der LINKEN)
Die Entwicklung eines jungen Menschen zu einer Persönlichkeit, die Verantwortung übernehmen kann, die leistungsbereit ist, die soziale Kompetenz besitzt und das Leben erfolgreich meistert, ist eine umfassende Angelegenheit. Sowohl der Sport als auch die Kultur haben hierfür eine zentrale Bedeutung. Das gilt gerade in einer sehr schnelllebigen konsumorientierten Gesellschaft. Das gerät aus dem Blickfeld. Diesen Blick wieder zu öffnen, ist das Verdienst dieses Gesetzentwurfes der SPD-Fraktion, den wir mit unseren Anträgen gern unterstützen. Ich werbe noch einmal dafür, dass Sie diese Anträge wohlwollend begleiten.
Vielen Dank.
                                                  (Beifall bei der LINKEN)