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Sport in Europa

Rede von Jens Petermann,

37. Sitzung des Deutschen Bundestages, 22. April 2010
TOP 20: Sport in Europa
Drucksachen 17/1406, 17/1420
Fraktion DIE LINKE
Jens Petermann, MdB - zu Protokoll


Frau Präsidentin (Herr Präsident)! Sehr geehrte Damen und Herren!


Die Zuständigkeit der EU im Bereich Sport ist erst mit dem Inkrafttreten des Lissabon-Vertrages am 1. Dezember 2009 formalisiert worden. Vor diesem Hintergrund wird am 10. Mai in Madrid das erste Treffen der Sportminister der Europäischen Union stattfinden.
Dass großer Handlungsbedarf besteht, liegt auf der Hand.
Sowohl im Weißbuch der Europäischen Kommission zum Sport ,als auch der Entschließung des Europäischen Parlaments zu diesem Dokument wird ein Aspekt betont, der in Deutschland auf Bundesebene leider immer noch ein Stiefkind ist, die Förderung des Breitensports.
In Deutschland ziehen sich die Verantwortlichen bei diesem Thema gern auf eine einzige Aussage zurück: Sportförderung sei Sache der Länder und Kommunen.

DIE LINKE hält dem schon lange entgegen, dass dieses Land endlich ein Sportförderungsgesetz des Bundes braucht, damit Länder und Kommunen endlich ihre diesbezüglichen Aufgaben befriedigend erfüllen können. Statt ihre Hausaufgaben zu machen und ein solches Gesetz auf den Weg zu bringen, streichen die Haushälter der schwarz-gelben Koalition lieber eines der wenigen Programme, das auf die Förderung des Breitensports ausgerichtet war:
Den Goldenen Plan Ost. Die Kommunen werden nun mit ihren vielerorts maroden Sportstätten mehr denn je allein gelassen. Das ist wahrlich nicht im Sinne der Europäischen Idee im Bereich des Sportes.
Für zweifelhaft halte ich auch die strikte Trennung zwischen Breiten- und Leistungssport bei der Bekämpfung von Dopingpraktiken. Die Grenzen sind hier fließend. Ja, es ist absolut notwendig, den Kampf gegen Doping auf europäischer Ebene zu harmonisieren. Ausreichen wird dies in der globalisierten Welt des Sports jedoch nicht.
Zurück zu den fließenden Grenzen: Wie glaubwürdig ist ein lautstark propagierter Kampf gegen Doping im Spitzensport, wenn das Doping im Alltag - ob im Sport in Schule oder Universität - längst alltäglich ist. In den USA nimmt jeder fünfte Student konzentrationssteigernde Mittel, die sich ebenso im Sport etabliert haben. Und von umfangreichen Doping- und Drogenfunden in deutschen Fitness-Studios wird bekanntermaßen regelmäßig berichtet.
Hier gilt es anzusetzen, um das gesellschaftliche Bewusstsein nicht allein auf Dopingpraktiken im Leistungssport zu fokussieren.
Im Übrigen beginnen so gut wie alle negativen Erscheinungen bereits im Amateursport, so dass schon hier angesetzt werden muss, um Probleme anzugehen.
Ich verweise auf den Themenkomplex Rassismus, Homophobie und Gewalt im Sport. Diese Bedrohungen zeigen sich insbesondere im Fußball und das bereits in den unteren Ligen. Für lesbische Sportlerinnen und schwule Sportler bietet die Umgebung des Spiels offenbar eine Atmosphäre, in der sie große Scheu haben, zu ihrer Homosexualität zu stehen.
Deshalb ist es unbedingt erforderlich, Fanprojekte zu unterstützen, die sich der Aufklärung
verschrieben haben.
Gleiches gilt für rassistische Angriffe gegen Menschen anderer Hautfarbe oder Religion.
Auf diesem Problemfeld sind vor allem grenzüberschreitende Netzwerke dringend nötig.
Es ist eine gesamteuropäische Aufgabe, sicherzustellen, dass Diskriminierung im Sport wirksam bekämpft wird.
In dem „Tatort“ aus Bremen mit dem Titel „Endspiel“ wird diese Problemstellung exemplarisch genauso aufgegriffen wie eine andere schwerwiegende Entwicklung im Sport: Talentierte minderjährige Sportler werden aus ihren meist armen Heimatländern von Spieleragenten mit verheißungsvollen Versprechen in die EU gelockt. Oft aber reicht ihr Talent nicht aus für den ganz großen Sport und sie geraten fern der Heimat allein gelassen auf die schiefe Bahn.
Deshalb ist es unbedingt notwendig, dass die diesbezüglichen Gesetze und Vorschriften umgesetzt werden. Die FIFA verbietet Transfers von Spielern unter 16 Jahre, nur wird diese Regelung längst nicht strikt genug angewandt. Im Vertrag von Lissabon ist verankert, dass die EU verpflichtet ist, für den Schutz der körperlichen und seelischen Unversehrtheit, insbesondere der jüngeren Sportlerinnen und Sportler, zu sorgen. Hier haben die Mitgliedstaaten, gerade auch Deutschland, ihre Hausaufgaben längst nicht erledigt.
Dies sind nur einige ausgewählte Handlungsfelder aus dem Sportbereich, auf denen einerseits die Europäische Union gefordert ist, andererseits die konkrete Umsetzung aber in der Verantwortung der Mitgliedsstaaten liegt. Zwar hat die EU mit dem Vertrag von Lissabon erstmals Kompetenz im Bereich Sport erhalten, doch wirkt dies nur unterstützend, koordinierend und ergänzend.


Handeln muss jetzt die Bundesregierung!