Skip to main content

Sozial- und Erziehungsberufe unterstützen!

Rede von Jutta Krellmann,

Sehr geehrte Damen und Herren, Herr Präsident,

nach wie vor kämpfen die Beschäftigten in den Sozial- und Erziehungsberufen um eine Aufwertung ihrer Tätigkeit. Nachdem sich die kommunalen Arbeitgeberverbände leider kein Stück bewegt haben, wurde nach wochenlangen Streiks nun die Schlichtung eingeleitet. Ich hoffe, dass es zu einer echten Verbesserung für die Beschäftigten kommt – denn das haben sie verdient!

Die Anforderungen in den Sozial- und Erziehungsberufen sind in den letzten Jahren stetig gestiegen, ohne dass sich das in angepassten Arbeitsbedingungen oder im Gehalt widerspiegelt. Es ist höchste Eisenbahn, hier etwas zu tun. Viele Bürgerinnen und Bürger sehen das genauso und es freut mich sehr, dass die Beschäftigten in der laufenden Tarifrunde so viel Unterstützung erfahren. Da können die Arbeitgeberverbände und die Große Koalition noch so gegen Gewerkschaften und deren Verantwortung für das Zusammenbrechen von öffentlicher Infrastruktur durch Streiks wettern – die Gesellschaft weiß es besser und bringt es auch zum Ausdruck. Wer eine gut arbeitende öffentliche Infrastruktur auch im Sozial- und Erziehungsbereich haben will, der muss sie auch finanziell und personell gut ausstatten. Das ist die Aufgabe von Bund, Länder und Kommunen und sie können sich nicht so einfach aus der Verantwortung stehlen.

Die Tarifrunde zur Aufwertung der Sozial- und Erziehungsdienste ist noch nicht beendet. Aber eines zeigt sie schon jetzt – die Zeit, in der Tarifauseinandersetzungen, also der Kampf um bessere Arbeitsbedingungen, im stillen Kämmerlein ohne Beachtung der Öffentlichkeit vonstattengehen, ist vorbei. Ohne Druck kein Ruck. Das ist die Voraussetzung, um in einer Schlichtung zu einem guten Ergebnis zu kommen. Alles andere ist kollektives Betteln. Die Menschen machen sich wieder Gedanken darum, wie sie arbeiten wollen und fordern nach Jahren der Zurückhaltung spürbare Verbesserungen. Und das eben nicht nur für den eigenen Hintern. Im Gegenteil. Sie interessieren sich wieder dafür, wie ihre Postboten entlohnt werden oder unter welcher Arbeitsverdichtung eigentlich der Kita-Erzieher ihrer Kinder leidet. Die Menschen denken wieder solidarisch, über das eigene Arbeitsverhältnis oder die eigene Firma hinaus. Sie haben verstanden, dass nur durch gegenseitige Unterstützung bei dem Kampf um bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen für alle ein Schuh daraus wird, der nicht drückt oder zu gesundheitlichen Schäden führt.

Das ist eine gute Sache und muss uns als Parlamentarier darin bestärken, die politischen Rahmenbedingungen und deren Gesetzgebung zu hinterfragen, ob sie diese positive Entwicklung fördert oder ihr entgegensteht. Helfen beispielsweise sachgrundlose Befristungen wirklich bei einem kontinuierlichen und quantitativen Ausbau der Kinderbetreuung? Fördern solch unsichere Arbeitsverhältnisse wirklich eine Berufswahl im Sozial- und Erziehungsbereich, wo es schon jetzt an qualifizierten Personal fehlt? Diese und ähnliche Fragen müssen wir uns stellen und sie auch beantworten, wenn wir die Beschäftigten der Sozial- und Erziehungsberufe und ihre Unterstützerinnen und Unterstützer ernst nehmen wollen.

Vielen Dank