Zum Hauptinhalt springen

Regularien zum Doping müssen international geklärt werden

Rede von Katrin Kunert,

Katrin Kunert (DIE LINKE): Nachdem Deutschland dem internationalen Übereinkommen gegen Doping im Sport beigetreten ist, müssen noch ausstehende Regularien international geklärt werden. Somit ist der Entwurf eines Gesetzes zu dem Zusatzprotokoll zum Übereinkommen gegen Doping nur folgerichtig. Das Zusatzprotokoll schafft die Grundlage für die gegenseitige Durchführung und Anerkennung von Dopingkontrollen. Dadurch kann die Wirksamkeit der Kontrollen erhöht werden. Bilaterale und multilaterale Vereinbarungen können transparenter und effizienter werden. So positiv die Tatsache auch zu werten ist, dass inzwischen über 40 Staaten dem Übereinkommen gegen Doping im Sport beigetreten sind, so vermisse ich schon einige Sportnationen, die im wirksamen Kampf gegen Doping wichtig wären.

Wenn wir über die Bekämpfung des Dopings im Sport reden und über geeignete Maßnahmen streiten, müssen viele Gesichtspunkte berücksichtigt werden. So finde ich die Feststellung in der Einleitung des Antrages der Grünen vom Ansatz her richtig. Dort heißt es: „Erkennbar ist auch, dass der Sport alleine mit den Problemen nicht fertig werden kann. Dies bedeutet nicht, dass staatliche Maßnahmen anstelle der Dopingbekämpfung durch den Sport treten sollen. Vielmehr müssen Sport und Staat ihre Maßnahmen und Strategien zur Dopingbekämpfung verbessern.“
Die Grünen schlagen eine Vielzahl von Maßnahmen vor, die in der Tat diskussionswürdig sind. Dieser Antrag ist als Grundlage besser geeignet als die von der Koalition nach hartem Ringen veröffentlichte Presseerklärung zu diesem Thema. Die Erhöhung der bundesstaatlichen Finanzmittel zur Dopingbekämpfung ist erforderlich. Das sehen wir genauso. Ein Sportfördergesetz des Bundes hat die Linke bereits im Rahmen der Debatte um das Sportwettenmonopol vorgeschlagen. Wir brauchen ein Sportfördergesetz - unabhängig vom Kampf gegen das Doping. Ein solches Gesetz sollte sich nicht nur auf die Dopingbekämpfung beschränken. Problematisch an dem Antrag der Grünen ist jedoch, dass ausweislich der Begründung auch bei Verstößen durch einzelne Sportlerinnen und Sportler den Sportfachverbänden finanzielle Mittel gesperrt, gekürzt oder zurückgefordert werden können. Hier würde ein ganzer Verband für das Fehlverhalten eines einzelnen Sportlers in Haftung genommen. Die Frage, ob und inwieweit bestehende strafrechtliche Sanktionen verschärft bzw. weitere Sanktionsmöglichkeiten - insbesondere gegen die Athletinnen und Athleten - geschaffen werden sollten, sollte nicht vorschnell mit Ja beantwortet werden. Auch ich lehne die Einführung der sogenannten Besitzstrafbarkeit bei den Sportlern ab.

Der Vorschlag der Koalitionsfraktionen lässt offen, wie die nicht geringe Menge zu bestimmen ist. Für den Bereich des Sports ist es wohl unzumutbar, erst nach zeitintensiven rechtlichen Auseinandersetzungen in dieser Frage Klarheit zu bekommen. Im Übrigen sind die Grenzwerte des Betäubungsmittelgesetzes auf Dopingsubstanzen nicht anwendbar. Die vorgeschlagene Zusammenarbeit mit den Ländern, Informations- und Aufklärungskampagnen oder der Informationsaustausch zwischen Staatsanwaltschaften, NADA und Sportorganisationen und die Berichterstattung der Bundesregierung zum Antidopingkampf sind zweifelsohne wichtige Maßnahmen im Kampf gegen Doping. Aber bewältigen wir das Problem nur mit Sanktionen; nur mit Maßnahmen gegen etwas?

Wir müssen für Bedingungen in dieser Gesellschaft sorgen, die Doping uninteressant machen! Mir fehlen im Antrag der Grünen Maßnahmen zur Stärkung des Sportlers oder besser gesagt das Wirken für den Sportler. Die Gesellschaft verlangt von unseren Athleten immer nur Spitzenleistungen. Die Öffentlichkeit kann himmelhoch jauchzend Siege feiern, aber wehe, die Deutschen versagen mal.

Die Linke ist für eine umfassende Debatte zum Sport; angefangen beim Schulsport bis hin zum Leistungssport. Wie begleitet der Staat den Sportler von der Talentförderung bis zum Karriereende? Wie werden die Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Sport, Studium oder Berufsausbildung geschaffen? Wie wird Sportwissenschaft betrieben, um effektivere Trainingsmethoden zu entwickeln? Es gibt interessante Projekte, die sich diesen Themen widmen. Abschließend möchte ich noch einmal kurz auf die gestrige Anhörung im Sportausschuss eingehen. Es hat sich herausgestellt, dass die handelnden Akteure bei den Dopingkontrollen sowohl Kommunikations- als auch Auslegungsschwierigkeiten haben. Wichtig aber war für alle Beteiligten, dass der Wille da ist, gemeinsam etwas gegen Doping zu tun. In diesem Sinne werden wir, sobald der bereits angekündigte Gesetzentwurf der Bundesregierung vorliegt, noch eine intensive Debatte führen müssen.