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Rede zum 12. Sportbericht der Bundesregierung

Rede von Frank Tempel,

Sehr geehrter Herr Bundestagspräsident / Sehr geehrte Bundestagspräsidentin,

Sehr geehrte Damen und Herren,

der vorliegende Sportbericht der Bundesregierung stellt fest, das möchte ich ganz vorn anstellen, dass unsere Republik sowohl im Breitensport, als auch im Spitzensport einiges aufzuweisen hat.  Das kann auch ruhig mal gelobt werden.

Von einem Bericht der Bundesregierung erwarte ich aber mehr, als nur die einseitige Betrachtung positiver Bilanzen.  Selbstzufriedenheit, meine Damen und Herren, bedeutet Stillstand und Stillstand ist häufig der erste Schritt zurück.

Ist denn wirklich alles super und das war‘s dann?
Muss ein solcher Bericht nicht noch viel stärker erkannte Probleme aufzeigen?
Muss er nicht auch Aufgabenstellungen für die Politik auflisten und die Differenzen zwischen Gewolltem und Erreichten untersuchen?

Die Fraktion DIE LINKE möchte bei aller Würdigung des Erreichten die Gelegenheit nutzen, noch einmal einige Aufgaben für die Zukunft aufzuzählen.

Im Bericht wird auf die Entwicklung der Mitgliederzahlen in den Vereinen eingegangen. Was fehlt, ist die Frage, in wie weit der Zugang zum Sport, zu den Sportvereinen, jedem Bürger möglich ist.

Wie sieht es denn für Bürger_innen mit geringen Einkommen aus? Wie sieht es ganz besonders für die Kinder und Jugendlichen in einkommensschwachen Familien aus? Ist es nicht so, dass ihre Möglichkeiten nach wie vor stark eingeschränkt sind? In Ihrem Bericht spielt diese Frage überhaupt keine Rolle.

Ich hoffe, dass dies im aktuellen Vermittlungsausschuss zum Harz IV-Regelsatz und zum Bildungspaket eine Rolle spielt! Bisher hat man davon allerdings nicht gehört.

Es geht aber nicht nur um die Zugangsmöglichkeiten für Einkommensschwache. Wie sieht es mit den Möglichkeiten für Menschen im ländlichen Raum oder für Menschen mit Behinderungen aus? Sehen sie dort keine Probleme? Ist da alles gut und fertig?

Ich weiß ja, dass fast alle von Ihnen auch aktiv in ihren Wahlkreisen unterwegs sind. Es wird Ihnen im Kontakt mit den Vereinen doch aufgefallen sein, dass die Baustellen noch riesengroß sind.

Die Zuständigkeit ist hier sehr schnell auf die Länder geschoben. Es wurde aber in den letzten Jahren durchaus gezeigt, dass auch der Bund seinen Anteil leisten kann, wenn die politische Bereitschaft dazu vorhanden ist.

Die größten Defizite liegen in den neuen Bundesländern. Auf Seite 129 im Sportbericht finden sie solche Zahlen:
• Baden-Württenberg rund 35 % der Bevölkerung sind im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) organisiert
• In Thüringen rund 16 %
• ebenfalls rund 36 % in Reinland Plalz – In Sachsen nur rund 13 %

Im Bericht finden sie Zahlen, aber keine Erklärung dafür.
Immerhin war es richtig und notwendig mit dem „Goldenen Plan Ost“ diese Defizite abzubauen. Marode Sportstätten sollten hier saniert werden. Der Gedanke war richtig und es sind auch Ergebnisse da. Laut ihrem Bericht ist dieser Plan nun 2009 ausgelaufen. „Ersatzlos gestrichen“ ist da doch wohl etwas präziser. Die Bezeichnung „ausgelaufen“ lässt den Eindruck entstehen, die Aufgabe sei erfüllt. Das wollen sie doch aber nicht ernsthaft behaupten?!

Alleine in meinen Landkreis kann ich Ihnen genügend Beispiele von maroden Sportstätten nennen. In einer Stadt ist es die Kegelbahn, die wegen baulicher Mängel keine Spielzulassung erfährt. In einer anderen Stadt ist es nicht möglich für einen Fußballverein mit 6 Kindermannschaften, einer Frauenmannschaft, zwei Männermannschaften und einem Alt-Herren Team wenigsten einen zusätzlichen Bolzplatz für das Training zu bekommen.

Die Kommunen und Länder fühlen sich finanziell zu einer Lösung nicht mehr in der Lage und im Bericht der Bundesregierung findet all dies keine Erwähnung.
Ich sag es nochmal, es ist wirklich schon einiges erreicht worden und es gibt viele Länder, die sich deutsche Möglichkeiten in der Sportentwicklung wünschen. Wenn das aber so bleiben soll, muss aber auch von allen Seiten etwas dafür getan werden.
Investitionen in den Breitensport, insbesondere in den Kinder- und Jugendsport, rentieren sich für die Gesellschaft mehrfach.

Ich rede von Gesundheitspolitik, von Sozialpolitik und ganz sicher auch von Kriminalprävention. Ich rede von der Wichtigkeit funktionierender Vereinsstrukturen, mit allem dazugehörigen Ehrenamtsengagement, für das Zusammenleben in unseren Städten und Gemeinden.

Ich fordere deswegen nochmals im Auftrag meiner Fraktion: Der Goldene Plan muss wieder aufgenommen und auf die strukturschwache Regionen der alten Bundesländer ausgeweitet werden!

Die Arbeit der Vereine, gerade mit hohem Nachwuchsanteil, muss unbedingt durch einen öffentlichen Beschäftigungssektor gefördert werden. Mit dieser personellen Unterstützung könnte auch eine Begleitung der Programme gegen Rechtsextremismus erreicht werden. Es ist gut, dass es viele solcher Programme gibt – aber das Problem selbst ist doch noch nicht behoben. Der Bericht erweckt den falschen Eindruck, man habe alles im Griff, aber so weit sind wir noch lange nicht.

Meine Damen und Herren. Der Sportbericht der Bundesregierung muss in Zukunft mehr leisten, als nur Selbstlob. Wir wollen weiter kommen, weiter entwickeln – und dazu gehört eben auch ein Bericht über die Probleme und Herausforderungen.

Das Ziel muss bleiben, jedem Bürger in diesem Land, einen einfachen Zugang zum Sport zu ermöglichen. Ein vollständiger Bericht muss zeigen, wie weit wir davon noch entfernt sind.