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Petra Sitte: Wissenschaftler*innen sind keine Standortfaktoren!

Rede von Petra Sitte,

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Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die FDP-Anträge lesen sich so, als würden immer noch Papiere aus den Koalitionsverhandlungen recycelt.

(Heiterkeit bei Abgeordneten der LINKEN)

Diesmal soll der Wettbewerb um Spitzenforscherinnen und Spitzenforscher gewonnen werden. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Selbstverständlich sind wissenschaftlicher Wettbewerb und der Wechsel zwischen Ländern und Wissenschaftseinrichtungen normal. Der FDP-Antrag allerdings – Herr Diaby hat das schon angedeutet – verengt die Sicht sehr einseitig. Und hier setzt meine erste Kritik an.

Pure Konkurrenz ist der Grundgedanke dieses Antrags. Man wähnt Deutschland als führenden Standort, der sich gegen andere durchzusetzen hat. So werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tatsächlich nur zu Faktoren einer Standortlogik.

(Dr. h. c. Thomas Sattelberger [FDP]: In Ihrem Wortschatz taucht „Wettbewerb“ nicht auf!)

Wissenschaft und Forschung werden erneut unternehmerisch betrachtet. 20 Jahre Erfahrung mit diesem Ansatz haben aber eben, wie wir wissen, Freiheit von Forschung und Lehre längst deutlich eingeschränkt.

(Beifall bei der LINKEN)

Die Linke dagegen hält es für notwendig und attraktiv, Wissenschaft und Forschung auf kooperatives oder auch kollaboratives Arbeiten mit Gemeinwohlorientierung auszurichten.

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Zeitgleich, meine Damen und Herren, arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit an ähnlichen Problemstellungen. Viele sind sehr komplex, meist global und binden überall erhebliche Ressourcen. Meinen Sie denn wirklich, liebe FDP, dass die Forschung an Klimawandel, Digitalisierung, künstlicher Intelligenz, Nachhaltigkeit, Mobilität und Gesundheit gewinnt, wenn man sie auf Deutschland konzentriert?

(Beifall bei der LINKEN sowie der Abg. Dr. Wiebke Esdar [SPD] – Dr. h. c. Thomas Sattelberger [FDP]: Aber Deutschland muss vorne sein!)

Zudem hat ein Wandel in der Wissenschaftskultur unter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern doch längst stattgefunden. Das, was sich dort entwickelt hat, muss wissenschaftspolitisch gestärkt werden. Es wird international zusammengearbeitet. Was macht es denn für einen Sinn, wenn Wissenschaftsvereinbarungen mit anderen Staaten oder auf EU-Ebene abgeschlossen werden, hier aber zugleich ein Human Grabbing, also sozusagen ein Wegschnappen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, politisch legitimiert werden soll? Das ist die falsche Ausrichtung.

(Beifall bei der LINKEN)

In meiner zweiten Kritik werfe ich der FDP vor, dass sie eigentlich vom Ende her denkt. Sogenannte Starwissenschaftlerinnen und Starwissenschaftler, wie Sie schreiben, stehen am Ende einer langen Bildungskette. Es ist ein erheblicher Einsatz von Ressourcen erfolgt, öffentlichen wie privaten. Deutschland ist eines der reichsten Länder dieser Erde. Wollen wir immer noch mit dem Schleppnetz durch Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen anderer Länder ziehen und dort quasi den Rahm abschöpfen? Zugleich forscht und lehrt unser eigener wissenschaftlicher Nachwuchs unter prekären Beschäftigungsbedingungen. Was für ein Widerspruch!

(Beifall bei der LINKEN)

Es wäre allemal besser, wir würden konsequent in unsere eigene Bildungs- und Wissenschaftslandschaft investieren. Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft hat das vorgestern im Forschungsausschuss sehr schön ausgeführt. Er hat gesagt, dass der Ruf der Institute darüber entscheidet, ob Forscherinnen und Forscher bleiben oder kommen. Tun wir also dafür etwas! Machen wir erst einmal in Deutschland unsere Hausaufgaben!

Danke.

(Beifall bei der LINKEN – Dr. h. c. Thomas Sattelberger [FDP]: Jetzt war es sehr weltweit!)