Zum Hauptinhalt springen

Ostdeutsche Weinbaugebiete schützen und bewahren

Rede von Roland Claus,

Rede von Haushaltsausschussmitglied Roland Claus in der Debatte zur Novellierung des Weingesetzes am 8. März 2007

Roland Claus (DIE LINKE):

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Es ist schon über das große Einvernehmen bei der Behandlung dieses Gesetzentwurfs berichtet worden. Ich will in dieser Hinsicht auch kein Wasser in den Wein gießen, sondern für meine Fraktion die Zustimmung erklären.

(Gustav Herzog (SPD): Sehr gut!)

Ich glaube, das ist ein gutes Signal an die Winzerinnen und Winzer in Deutschland: Der Bundestag kann auch einmal etwas gemeinsam leisten.

(Hans-Michael Goldmann (FDP): Sehr gut!)

Ich möchte aber - ich glaube, im Namen des ganzen Hauses - einem vielleicht aufkommenden Gerücht entgegenwirken, das da lauten könnte: Sie streiten sich ansonsten wie die Kesselflicker; nur beim Wein waren sie sich einig.

(Zuruf von der CDU/CSU: Wir sind alle trocken!)

Daraus könnte man falsche Schlüsse ziehen. Aber es sind immer noch zwei Drittel der Anträge, die wir im Bundestag einvernehmlich beschließen. Das nur zur Erinnerung.
Ich halte diese Gemeinsamkeit auch für wichtig im Hinblick auf anstehende Konflikte in und mit der Europäischen Union. Darauf ist hier schon hingewiesen worden. Die EU-Weinmarktordnung ist ein Problem, besonders für kleine Weinanbaugebiete und gerade für meinen Wahlkreis, die Saale-Unstrut-Region, eine hervorragende Weinlandschaft,

(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN - Gustav Herzog (SPD): Dem stimme ich zu, Herr Kollege!)

aber auch für den Weinanbau an der sächsischen Elbe. Es ist nötig - insoweit verpassen wir auch keine Chance -, immer wieder zu erklären, dass es auch sehr gehaltvolle, qualitativ gute Weine aus den neuen Bundesländern gibt. Das soll hier auch erwähnt werden.

(Beifall bei der LINKEN und der SPD)

In meiner Region, an Saale und Unstrut, gibt es in der Tat viele Leuchttürme, entstehende Industrie, eine große Geschichte, den Naumburger Dom, die Himmelsscheibe von Nebra. Trotzdem ist es der Wein, der der Region die Identität gibt.
Schon im Jahr 998 wird der Weinbau an Saale und Unstrut von Kaiser Otto III. urkundlich attestiert. Aber wir haben auch Neuigkeiten einzubringen, wie Weinberge an renaturierten Tagebauhängen. Die gesamtdeutsche Weinprinzessin Sandra wohnt im Herzen von Kohlebergbau und Chemieindustrie.

(Zuruf von der CDU/CSU: Ei, ei! - Gustav Herzog (SPD): Durchhalten, Herr Kollege!)

- Das sind Transformationsprozesse, die Sie auch für sich erschließen können. Kommen Sie zu uns, und schauen Sie sich das an!
Wenn, wie es bei uns der Fall ist, die Nachfrage nach Saale-Unstrut-Wein bereits das Angebot übersteigt, hätte eine Reduzierung der Anbaufläche fatale Folgen. Ich weiß, dass wir hier gemeinsam agieren und vom Minister unterstützt werden.
Die Linke hat zeitig die Bedeutung des Weines erkannt. Ein namhafter Weinkenner, Friedrich Engels, hat bereits 1876, also lange vor der rheinischen Frohnatur Kurt Beck,

(Wolfgang Zöller (CDU/CSU): Die Bibel war etwas früher!)

Folgendes festgestellt:
Ernstliche und besonders erfolgreiche Aufstände kamen nur in Weinländern ... vor

(Vereinzelt Heiterkeit)

Er begründet es dann: Dort habe der preußische Kartoffelschnaps, irreführend Branntwein genannt, noch nicht seine verheerende, die Arbeiter ins Verderben stürzende Wirkung entfaltet.
Ich will mit Heinrich Heine schließen, der uns diesen schönen Vers mit auf den Weg gab:
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.

(Julia Klöckner (CDU/CSU): Aha!)

Das ist für mich die Gelegenheit, hier mit einer Fehlinterpretation bezüglich der neuen Linken aufzuräumen: Wir predigen nicht Wasser; wir predigen Wein, und den für alle, natürlich - ich sage das mit Blick auf die Tribüne - unter Wahrung des Kinder- und Jugendschutzes.

(Beifall bei der LINKEN - Julia Klöckner (CDU/CSU): Das hat er gut gemacht!)