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Kulturtourismus auch im ländlichen Raum stärken - Kommunen besser fördern

Rede von Kerstin Kassner,

Rede von Kerstin Kassner, tourismuspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, im Deutschen Bundestag zum Antrag von CDU/CSU und SPD mit dem Titel "Kulturtourismus in den Regionen weiterentwickeln".

Kerstin Kassner (DIE LINKE):

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Im Kulturtourismus steckt in der Tat viel Musik; er hat viel Potenzial. Deshalb war es mir in meiner Zeit als Landrätin auf Rügen sehr wichtig, alle Möglichkeiten zu nutzen, um die Wertschöpfung im Rahmen des Tourismus zu erhöhen. Wir auf der Insel Rügen sind sehr abhängig von Sonne, Strand und Sommer. Deshalb ist es wichtig, die Möglichkeit, die naturräumlichen und die kulturräumlichen Besonderheiten der Region in Wert zu setzen und damit die Umsatzrendite zu erhöhen, zu nutzen. Unter anderem hat die Errichtung des Königsstuhl-Zentrums, eines informativen Erlebnisbereichs im Nationalpark Jasmund, dazu beigetragen, dass ganzjährig viel mehr Gäste dorthin kommen und sich mit Bildungsangeboten für alle Generationen auseinandersetzen. Das ist ein wunderbarer Erfolg.

(Beifall bei der LINKEN)

Es gibt aber auch Privatinitiativen wie die Störtebeker-Festspiele, die ebenfalls sehr viele Gäste auf die Insel locken und eine Bereicherung des Kulturkalenders darstellen. Die Vernetzung aller Angebote, die es auf der Insel gibt, eröffnet die Möglichkeit, den Gästen Alternativen anzubieten und vieles andere, was die Insel ebenfalls ausmacht, erlebbar zu machen.

(Beifall bei der LINKEN)

Vor den Toren der Insel liegt die schöne, ehrwürdige Stadt Stralsund. Dort hat die Anerkennung als UNESCO-Welterbestadt einen riesigen Boom ausgelöst.

(Frank Junge (SPD): Und Wismar!)

- Ja, Herr Kollege, auch Wismar hat eine solche Anerkennung erhalten. - Die Tourismusbranche hat dadurch eine Belebung erfahren. Nicht zuletzt sind Museen etwas Wunderbares. Das Meereskundemuseum in Stralsund ist eines der interessantesten Museen. Die Erweiterung durch das Ozeaneum hat dazu geführt, dass viele Menschen dieses Museum besuchen. Das ist gut für unsere Region.

(Beifall bei der LINKEN)

Nun haben die Kolleginnen und Kollegen von der Großen Koalition einen Antrag vorgelegt. Hut ab! Darin stecken viel Fleiß und Arbeit. Aber das ist nicht genug.

(Daniela Ludwig (CDU/CSU): Ach, Frau Kassner! Es ging so gut los!)

Ich wünsche mir, dass Sie nicht so zaghaft sind. Das haben Sie angesichts der vielen Stimmen, die Sie bekommen haben, gar nicht nötig.

(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Markus Tressel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN))

Sie müssen nicht nur begrüßen, feststellen und vielleicht ganz vorsichtig die Regierung bitten, zu prüfen, ob sich etwas verändern lässt.

(Gabriele Hiller-Ohm (SPD): Machen wir doch gar nicht! - Gegenruf des Abg. Markus Tressel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Wie? Ihr macht das gar nicht?)

Nein, Sie sollten ganz konkrete Forderungen stellen. Ich will einmal die Forderungen auflisten, die ich stellen würde, wenn ich an Ihrer Stelle in der Regierungsverantwortung wäre.

(Beifall bei der LINKEN)

Ich würde zuallererst an die Menschen denken, die in den Bereichen Kunst und Kultur arbeiten. Sie, meine Damen und Herren von der Koalition, haben gesagt, dass der Mindestlohn das regeln wird. Nein, das wird er nicht; denn viele sind selbstständig und ringen darum, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Diese Menschen bedürfen unserer Hilfe, damit es gerechter zugeht.

(Beifall bei der LINKEN)

Der zweite ganz besonders wichtige Punkt, den ich an Ihrem Antrag bemängele, ist, dass Sie die Bundesregierung lediglich auffordern, zu prüfen, ob sie mit den Ländern gemeinsam etwas erreichen kann. Das reicht nicht. Es ist natürlich so: Kultur fällt in den Aufgabenbereich der Länder; das ist auch richtig. Ich denke, das muss auch weiter so bleiben. Trotzdem bedarf es des ganz festen Willens, dass zwischen Bund und Ländern etwas verändert wird. Alle müssen auf der jeweiligen Stufe ihre Verantwortung wahrnehmen.

(Beifall bei der LINKEN)

Ich möchte natürlich auch die Onlineplattform, die vieles vernetzt. Aber, liebe Leute, dazu müssen wir erst einmal erreichen, dass alle diese Möglichkeit nutzen können. Gerade im ländlichen Raum haben wir da absolute Defizite.

(Beifall bei der LINKEN)

Ein ganz besonderes Anliegen ist mir immer das Reisen für jedermann. Ich will an Ilja Seifert erinnern, der lange Jahre meinen Platz im Tourismusausschuss eingenommen hat. Er hat gesagt: Die eigentliche Bedeutung des Tourismus besteht darin, Menschen mit und ohne Behinderung zu ermöglichen, sich zu erholen, zu entspannen, sich die Welt anzuschauen, ihre Gesundheit zu stärken, andere Kulturen kennenzulernen und vielfältige Freizeiterlebnisse zu genießen. - Wir wollen, dass das allen Menschen möglich ist, unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern.

(Beifall bei der LINKEN)

Lassen Sie mich noch ein letztes Thema ansprechen. Die Erhaltung der Infrastruktur funktioniert nur, wenn die Kommunen für diese Erhaltung genügend Mittel zur Verfügung haben. Ich habe gerade gelesen, dass irgendwo überlegt wird, Kunstwerke der Stadt zu verkaufen. Das kann doch nicht die Lösung sein. Die Kommunen brauchen ausreichende Mittel, um die Infrastruktur zu erhalten. Ich wiederhole meine These: Es wäre gut, wenn mehr aktive Kommunalpolitiker in diesem Parlament wären. Dann würden wir nicht nur darüber reden, sondern auch die Voraussetzungen dafür schaffen.

Vizepräsidentin Petra Pau:

Kollegin Kassner, bei allem Engagement haben Sie offensichtlich das Zeichen übersehen, dass Ihre Redezeit zu Ende ist.

Kerstin Kassner (DIE LINKE):

Oh. - Wir würden alles dafür tun, dass die Kommunen besser ausgestattet werden - alle.

Danke schön.

(Beifall bei der LINKEN)