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Koexistenz mit Gentechnik illusorisch

Rede von Eva Bulling-Schröter,

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In der letzten Woche reiste der Bund Naturschutz mit Initiativen, die der Gentechnik sehr kritisch gegenüberstehen, durch die deutschen Lande und hat Podiumsdiskussionen an den jeweiligen Standorten der wichtigen Politikerinnen und Politiker der Koalition - also denjenigen, die entscheiden und mitreden -
initiiert. Auch in unserem Wahlkreis, Herr Seehofer, also in Ingolstadt,
gab es eine solche Podiumsdiskussion. Leider hatten Sie keine Zeit, was ich sehr schade fand.
(Horst Seehofer [CDU/CSU]: Für wen?)
- Natürlich für alle. - Die Diskussion, an der unter anderem Bienenzüchter und Biobauern teilnahmen, zeigte noch einmal, dass viele Mitbürgerinnen und Mitbürger der Grünen Gentechnik sehr kritisch gegenüberstehen. Im „Donaukurier“ gab es dann einen Artikel mit der Überschrift „Gentechnik und Seehofer in der Kritik“. Auf dem Bild zu diesem Artikel sieht man einen Imker, der schreibt: Koexistenz - wir fliegen 14 km2. Was damit gemeint ist, wissen wir. Herr Seehofer, ich rate Ihnen: Nehmen Sie die Kritik ernst. Es waren sehr viele Leute da, die sich sehr interessiert gezeigt haben. Es waren nicht nur unsere Wähler oder die der Grünen anwesend, sondern auch Ihre Wähler. Ihre Wähler erwarten etwas. Ingolstadt hat sich nicht ohne Grund zur gentechnikfreien Zone erklärt, übrigens mit der Mehrheit der CSU. In Bayern gibt es immer mehr gentechnikfreie Zonen. Die Bevölkerung sieht, dass die Gentechnik große Gefahren birgt. Diese Risiken will sie natürlich nicht eingehen. Hier ist gesagt worden, Horst Seehofer habe sich mit relevanten Gruppen befasst. Das stimmt.
Er hat auch mit dem Abt von Plankstetten diskutiert, der jetzt der Bischof von Eichstätt ist. Auch er ist der Meinung, dass das Gentechnikgesetz nicht liberalisiert werden darf. Ich meine, Horst Seehofer sollte sich diese Kritik zu Herzen nehmen und dem Herrn Bischof endlich Folge leisten.
(Beifall bei der LINKEN - Manfred Grund [CDU/CSU]: Ihr beklatscht aber auch alles, oder? - Hans-Michael Goldmann [FDP]: Ihr greift aber nach jedem! Da kennt ihr nichts!)
Es wurde auch über die Frage diskutiert, wie sich die SPD entscheiden würde. Die Kolleginnen und Kollegen aus den Naturschutzverbänden und viele kritische Bürgerinnen und Bürger haben mir den Auftrag gegeben, Ihnen noch einmal zu sagen: Bleiben Sie standhaft, setzen Sie sich für eine gentechnikfreie Landschaft, für eine wirkliche Wahlfreiheit und für Transparenz ein. Dafür hätten Sie eine Mehrheit im Deutschen Bundestag. Auch die Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbraucher würde hinter Ihnen stehen. Zu den Anträgen der Grünen möchte ich sagen: Wir können allen Anträgen zustimmen. Wir unterstützen diese Anträge.
(Hans-Michael Goldmann [FDP]: Herzlichen Glückwunsch!)
Die Bevölkerung fragt sich, warum Freisetzungsversuche gemacht werden sollen, warum ein solches Risiko überhaupt eingegangen werden soll. Sie wissen, was alles schiefgehen kann. Was schiefgehen kann, zeigte uns im letzten Jahr der Reis LL 601, der in den USA auf Versuchsfeldern angebaut und in die ganze Welt verschleppt wurde. Es gab Rückrufaktionen. So etwas wollen wir nicht. Wir wollen eine vernünftige Haftung. Überall gilt: Wer den Schaden verursacht hat, muss auch dafür haften. Warum soll das beim Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen nicht gelten? Das ist für
mich überhaupt keine Frage. Wir wollen eine vernünftige Abstandsregelung. Über die Koexistenz werden breite Diskussionen geführt. Herr Seehofer, die Mehrheit der Bevölkerung will diese Gentechnik nicht. Wir wollen gesunde Nahrungsmittel. Bitte berücksichtigen Sie, was die Bevölkerung wirklich will, und handeln Sie entsprechend.
(Beifall bei der LINKEN sowie der Abg. Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])