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Klonen von Tieren europaweit verbieten

Rede von Kirsten Tackmann,

TOP 21 Rede Dr. Kirsten Tackmann zur Beratung des Antrags der Fraktionen CDU/CSU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zu dem Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über das Klonen von Rindern, Schweinen, Schafen, Ziegen und Equiden, die für landwirtschaftliche Zwecke gehalten und reproduziert werden KOM(2013) 892 endg.; Ratsdok. 18152/13 und zu dem Vorschlag für eine Richtlinie des Rates über das Inverkehrbringen von Lebensmitteln von Klontieren KOM(2013) 893 endg.; Ratsdok. 18153/13 hier: Stellungnahme gegenüber der Bundesregierung gemäß Artikel 23 Absatz 3 des Grundgesetzes Kein Klonfleisch in der EU – Für mehr Tier- und Verbraucherschutz Drucksache 18/4808

Dr. Kirsten Tackmann (DIE LINKE):

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste! Beim Klonen geht es darum, künstlich und systematisch genetisch identische Individuen zu schaffen - ein Horrorszenario für alle, für die die Vielfalt des Lebens ihre eigentliche Existenzgrundlage ist. Deswegen ist das schon allein ein guter Grund, Klonen abzulehnen.

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Ich teile auch die ethischen Einwände, egal ob damit ein Schöpfer oder die Natur gemeint wird: Das Einmischen in das Handwerk ist in jedem Fall falsch.

Neben dieser gesellschaftspolitischen Kritik gibt es für mich als Tierärztin weitere schwerwiegende Ablehnungsgründe: Die verheerend niedrigen Lebenschancen der Klone sind nicht zu verantworten. Sehr gut dokumentiert ist das dokumentiert im 2010er Report von Testbiotech „Klonen von Nutztieren - eine ‚todsichere‘ Anwendung?“. Um nur eine Studie aus dem Jahr 2007 herauszugreifen: Von knapp 3 400 Kühen, auf die Embryoklone übertragen wurden, brachten nur 317 lebende Kälber zur Welt. Noch problematischer: Nach 24 Stunden waren schon 39 dieser Klonkälber gestorben. Am 150. Lebenstag war fast ein Drittel tot. Selbst die technologiefreundliche Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, EFSA, gibt die Sterblichkeit beim Klonen von Rindern mit 85 bis 94 Prozent und bei Schafen mit 94 Prozent an. Ich finde, das ist nicht akzeptabel.

(Beifall im ganzen Hause)

Und nicht nur die Klone sind gefährdet, sondern auch die Leihmuttertiere: Zum Beispiel führt bei Rindern und Schafen das Large-Offspring-Syndrom unter anderem zu einem Riesenwuchs von Föten und damit zu Schwerstgeburten. Deshalb sagt die Linke ganz klar: Das Klonen muss verboten werden, erst recht bei Nutztieren, um die es heute geht.

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Wir stehen mit dieser Position nicht allein: Die öffentliche Meinung ist klar gegen Klonen, ebenso der Bundesrat. Auch im Entwurf der Stellungnahme des Europäischen Parlaments steht - ich zitiere -:

… dass die schädlichen Auswirkungen des Klonens, unter anderem auf das Tierwohl, gegenüber möglichen positiven Auswirkungen stark überwiegen.

Daher begrüßen die Autorinnen den Vorschlag der Kommission für ein Verbot des Klonens im Grundsatz; aber auch sie sehen erhebliche Mängel im Vorschlag der Kommission.

In der Tat: Die Vorschläge müssen dringend nachgebessert werden. Deshalb ist der heute vorliegende gemeinsame Antrag der Koalition und der Grünen dringend notwendig. Er fordert Abhilfe in drei Punkten, die auch uns Linken sehr wichtig sind, erst recht im Schatten von TTIP: Erstens. Statt eines vorläufigen wird ein dauerhaftes Verbot des Klonens gefordert. Es soll für Tiere, die für die Nahrungsmittelproduktion vorgesehen sind, gelten, aber auch für den Handel mit und den Import von geklonten Tieren und auch für das Fleisch. Zweitens. Sollte das nicht oder nur teilweise erreichbar sein, wird eine Kennzeichnungspflicht gefordert, und zwar für geklonte Tiere und ihre Nachkommen, aber eben auch für Sperma, Eizellen, Embryonen und das Fleisch. Drittens werden richtigerweise geeignete Kontrollmöglichkeiten gefordert.

Die Linke unterstützt diese Forderungen. Uns ist es auch wichtig, dass diese Forderungen heute einstimmig hier beschlossen werden; denn wir brauchen ein ganz klares Signal aus dem Bundestag sowohl in Richtung Bundesregierung als auch in Richtung Brüssel.

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Deshalb stimmt die Linke dem Antrag heute zu.

Aber ich sage auch ganz ehrlich: Diese Zustimmung ist uns sehr schwer gefallen, zum einen weil auch dieser Antrag wichtige Fragen offen lässt: Warum wollen Sie nur Fleisch kennzeichnen und keine Milch und keinen Käse? Warum soll das Verbot nur für die fünf Hauptnutztierarten Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine und Pferde gelten und nicht für alle Nutztierarten? Beim Geflügel ist das Klonen doch nur eine Frage der Zeit.

Ich sehe es wie der Bundesrat: Es sollte keine Ausnahmen vom Klonverbot geben, weder bei Sportpferden noch zum Erhalt seltener Rassen oder vom Aussterben bedrohter Arten - und, ich sage es ganz ehrlich, auch nicht für die geliebten Haustiere.

Aber der Antrag hat noch einen weiteren Makel. Er ist zwar überfraktionell, aber unter Ausschluss der Linken zustande gekommen, weil die Union seit fast zehn Jahren generell keine gemeinsame Antragstellung mit der Linken möglich macht. SPD und Grüne bedauern das zwar, aber eigentlich machen sie dann am Ende mit. Ich finde das undemokratisch, weil es nicht nur meine Fraktion, sondern auch die Wählerinnen und Wähler der Linken ausgrenzt; es diskriminiert sie.

(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Es ist auch unparlamentarisch.

Deswegen sage ich ganz klar: Die Linke verteidigt heute mit ihrem Ja zu diesem Antrag die Würde des Hohen Hauses.

Vielen Dank.

(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)