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Kerstin Kassner : Rettungsschirm für die Reisebranche

Rede von Kerstin Kassner,

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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Bundesregierung hat eine starke Sichtfeldeinschränkung auf dem Auge, das sie angeblich so fürsorglich und vorsorglich und förderlich über die Tourismusbranche kreisen lässt. Ich kann Ihnen das aufgrund der Redezeit nur an ein paar ausgewählten Beispielen beweisen.

Das eine sind die schon genannten Reisebüros. 11 000 gibt es in dieser Republik. 11 000! All das ist mit persönlichen Schicksalen der Inhaber, der Mitarbeiter, aber auch der Auszubildenden verbunden. Ich habe gerade heute mit einer jungen Auszubildenden im zweiten Lehrjahr – nennen wir sie Frau D. – aus Hessen gesprochen. Sie ist beunruhigt. Sie möchte gerne ihre Ausbildung als Tourismuskauffrau zu Ende bringen, und das steht jetzt in den Sternen. Nicht nur ihr geht es so, sondern auch vielen anderen jungen Leuten, weil einfach die Unternehmen in ihrer Existenz bedroht sind. Diese Existenzbedrohung macht es wirklich sehr schwer, in die Zukunft zu gucken.

Es ist nicht möglich, von Krediten profitieren zu können, weil diese Kredite zurückgezahlt werden müssen. Was passiert denn jetzt in den Reisebüros? Nichts, gar nichts. Im Gegenteil: Die Inhaber müssen noch ihre Provisionen zurückzahlen. – Ja, mein liebes bisschen, was sollen sie denn noch machen, um diese Kredite zu bedienen? Das ist schlichtweg unmöglich.

(Beifall bei der LINKEN)

Hier braucht es andere Lösungen.

Dass die Gutscheinlösung ein Weg in die falsche Richtung gewesen ist, haben wir in dieser Woche von der Europäischen Union bescheinigt bekommen. Die Gutscheinlösung ist falsch; damit geht es nicht. Außerdem, sage ich mal, haben viele Reisende jetzt auch andere Sorgen als zu der Zeit, als sie ihre Reisen gebucht haben, und brauchen ihr Geld cash zurück, um andere Löcher zu stopfen.

Ein zweites Beispiel sind die gemeinnützigen Träger der Reisewirtschaft. Hier machen sich ganz viele große Sorgen: um die Jugendherbergen, um die Kinder- und Jugendzentren, um die Schullandheime. All das wurde mit riesigem Engagement aufgebaut und mit ganz viel zusätzlichem ehrenamtlichem Engagement am Leben gehalten. Das steht jetzt infrage. Deshalb sage ich ganz deutlich: Hier muss die Bundesregierung ressortübergreifend einfach mehr tun.

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Deshalb möchte ich mich dem Appell des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft anschließen: Wir brauchen einen Tourismusgipfel. Ich finde, den sollte unsere Kanzlerin leiten. Sie kommt aus einem Wahlkreis – aus dem komme ich übrigens auch –, in dem die Menschen ganz besonders vom Tourismus abhängen. Warum sollte sie nicht ihre Kraft in die Waagschale legen, um dieser wichtigen Branche einen Weg in die Zukunft zu ebnen? Da sind wir alle gefordert, und sie ganz besonders.

Vielen Dank.

(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Markus Tressel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])