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„Jugendliche nicht mit halber Kraft stärken - JUGEND STÄRKEN erhalten!“

Rede von Yvonne Ploetz,

Plenarrede anläßlich der Beratung der Beratung des Antrags von Stefan Schwartze u.a. und der Fraktion der SPD Programme "Schulverweigerung - Die 2. Chance" und "Kompetenzagenturen" und des Antrags der Abgeordneten Yvonne Ploetz u.a. und der Fraktion DIE LINKE. Hände weg von der Initiative „JUGEND STÄRKEN“ am 19.02.2012 > Drucksachen 17/6103, 17/6393, 17/8329

Herr Präsident,

meine Damen und Herren,

hin und wieder passiert es, dass Jugendliche auf ihrem steinigen Weg ins Erwachsenenleben stolpern. Dann brauchen sie jemanden, der ihnen aufhilft, ihnen den Staub abklopft und ihnen sagt „Mach weiter. Ich unterstütze Dich auf Deinem Weg.“

Und genau das wird durch die Initiative „JUGEND STÄRKEN“ Tag für Tag geleistet. Sie hilft an den schwierigen Schwellen von Schule in die Ausbildung oder in den Beruf. Jugendlichen, die nicht mehr zur Schule gehen, wird zurück in den Unterricht geholfen. 40 000 junge Menschen werden derzeit auf ihrem Weg unterstützt.


Die Erfolge machen es – nicht nur mir – vollkommen unverständlich, warum ausgerechnet hier der Rotstift angesetzt werden soll.


Im vergangenen September sollte von Seiten der EU und des Bundes nur noch ein Teil der bisherigen Fördergelder bereit gestellt werden. Dagegen haben sich Sozialverbände, SPD, Grüne und LINKE mit Händen und Füßen gewehrt. Erreicht haben wir gemeinsam, dass Sie die Förderung bis 2013 weitgehend erhalten haben.

Aber, meine Damen und Herren der Regierungskoalition, Frau Schröder, glücklich macht uns das alles noch nicht und auch Sie sollten sich darauf nicht ausruhen! Die Initiative bekommt derzeit nur noch Zweidrittel der vorherigen finanziellen Förderung. Das heißt in der Praxis: 23 von 200 Standorten der Kompetenzagenturen sind in Folge bereits geschlossen worden. Das Teilprogramm „STÄRKEN vor Ort“ wurde komplett gestrichen. Und 2013 möchten Sie die gesamte Initiative auslaufen lassen.

Das darf nicht passieren! Da werden wir auch keine Ruhe geben!


Meine Damen und Herren von der Regierung, haben Sie sich jemals ein solches Projekt vor Ort angesehen? Ich bin mir sicher: Wäre das der Fall, würden sie hier anders reden und handeln.
Vielleicht zwei Beispiele aus Saarbrücken, der Hauptstadt des Saarlandes, meiner Heimat:

Dort können sie in einem Jugendtreff mit Anna sprechen, die ohne „JUGEND STÄRKEN“ heute vor dem Nichts stände. Anna, ist 18 Jahre alt und wollte noch vor einem Jahr ohne Abschluss von ihrer Schule gehen. Heute plant sie, sich mit einem kleinen Restaurant eine eigene Existenz aufzubauen.

Auch Emrah wird unterstützt. Er ist 14 Jahre alt und hat seine Freizeit in der Vergangenheit alleine zu Hause verbracht. Heute interessiert er sich für das Arbeiten mit Steinen. Er hat in einem Projekt ein altes Grab auf dem städtischen Friedhof mit restauriert. Emrah hat dabei endlich Freunde gefunden.

Das ist aus dem wirklichen Leben. Das sind Erfahrungen mit jungen Menschen, die in ihrem Leben gestolpert sind, aber dank „Stärken vor Ort“ und „JUGEND STÄRKEN“ wieder aufgefangen werden konnten. Die Projekte, die Anna und Emrah geholfen haben, sind nun existenziell gefährdet.

Und ja, „JUGEND STÄRKEN“ muss dringend ausfinanziert werden. Doch wir dürfen niemals vergessen, dass die Initiative durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und all der engagierten Menschen vor Ort lebt.

Und genau diesen Menschen will ich von ganzem Herzen danken! Sie haben unseren größten Respekt verdient.
Und Sie Frau Ministerin und Sie Kolleginnen und Kollegen der Regierungsfraktion möchten von diesen Männern und Frauen verlangen, dass gerade sie ihren Schützlingen erklären, dass sie künftig die wichtige Unterstützung nicht mehr bekommen?
Wie passt das alles denn zu ihrem Koalitionsvertrag?
Ich darf Sie zitieren: „Wir stehen für eine eigenständige Jugendpolitik, eine starke Jugendhilfe und eine starke Jugendarbeit, die junge Menschen teilhaben lässt und ihre Potentiale fördert und ausbaut. Wir wollen Jugendliche beim Übergang von Ausbildung in den Beruf besser unterstützen.“

Wissen Sie was Anna und Emrah dazu sagen würden? Typisch Politiker. Schöne Worte und nichts dahinter!
Das können Sie nicht auf sich sitzen lassen wollen.
Fangen Sie endlich an, nach ihren schönen Worten zu handeln! Ein erster Schritt muss sein, die Initiative „JUGEND STÄRKEN“ vollständig und langfristig zu erhalten.

Vielen Dank!