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Jugendliche müssen vor Homo- und Transphobie geschützt werden

Rede von Barbara Höll,

Sehr geehrte Frau Präsidentin,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

dieser sehr gute Antrag findet die volle Unterstützung der Fraktion DIE LINKE. Denn die Situation von lesbischen, schwulen, transsexuellen, transgender und intersexuellen Jugendlichen erfordert ein engagiertes Handeln. Das Wort Schwul ist das gebräuchlichste Schimpfwörter an deutschen Schulen. Mobbing sowie psychische und physische Schläge haben Betroffene zu erleiden. Junge Menschen die sich in der Findungsphase ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität befinden, stehen oftmals schutzlos und allein da. Viele leiden unter Depressionen. Einige begehen einen Suizidversuch. Nach einer Studie der Berliner Landesantidiskriminierungsstelle weisen homosexuelle Jugendliche ein sechsfach höheres Selbstmordrisiko auf, dies bestätigte die Bundesregierung im Jahr 2006.
Die vom Bundestag 2005 beschlossene Studie zur Situation homosexueller Jugendlicher fehlt. Ich fordere die Bundesregierung auf, einen konkreten Zeitplan zur Umsetzung der Studie vorzulegen. Eine Studie wird die konkrete Situation analysieren und Defizite aufzeigen. Insbesondere die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis. Vieles steht auf Papier. Aber Papier ist bekanntlich geduldig. Nehmen wir die Rahmenlehrpläne für den Unterricht vieler Bundesländer. Häufig wird die Förderung der sexuellen Vielfalt explizit benannt. Doch umgesetzt wird dies nur selten.
Wie können wir von Lehrerinnen und Lehrern eine Umsetzung einfordern, wenn sich viele von ihnen selbst nicht trauen sich zu ihrer Homosexualität zu bekennen? Lehrerinnen und Lehrer haben ebenso wie Schülerinnen und Schüler Mobbing durch das Kollegium und von Schülerinnen und Schülern zu befürchten.

Das umfangreiche Maßnahmenpaket der Initiative „Berlin steht ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt“ des Rot-Roten Berliner Senat, zielt auf konkrete Veränderungen im Bildungsbereich und der Verwaltung. Nehmen wir die Schule. Hier werden mit Informationsveranstaltungen und Fortbildungen Lehrerinnen und Lehrer in Leitungsfunktion sensibilisiert und die Leiterinnen und Leiter der Ausbildungsseminare der Referendare werden mit Modulen zur sexuellen Vielfalt ausgestattet. Hier werden Grundsteine zum Diskriminierungsschutz an Schulen gelegt und die Akzeptanz der sexuelle Vielfalt dauerhaft gestärkt.

Wir fordern konsequente und schnelle Maßnahmen der Bundesregierung auch und gerade im Bildungsbereich durch eine enge Zusammenarbeit mit den Bundesländern. Von Berlin werden sie dabei die Unterstützung erhalten um Maßnahmen zur Stärkung der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt zu entwickeln.
Im Oktober 2010 schreckten die Suizide von schwulen Schülern in den USA auf. Auch sie wurden gemobbt, drangsaliert und waren Schlägen ausgesetzt. Dies führte zu tiefer Bestürzung und rüttelte den Präsidenten auf. Präsident Obama mahnte die Akzeptanz von homosexuellen Schülerinnen und Schülern an. Ein einmaliger Vorgang in den USA, dem aber keine konkreten Maßnahmen der Regierung folgten. Seien Sie mutiger, setzen sie mit Unterstützung des Parlaments die geforderten Maßnahmen um.
Die Ausgrenzung von lesbischen, schwulen, transexuellen, transgender und intersexuellen Jugendlichen ist nicht hinnehmbar. Liebe verdient Respekt und Vielfalt ist eine Bereicherung.