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In China erobern Frauen das Weltall, in Deutschland noch nicht mal den Chefsessel

Rede von Yvonne Ploetz,

Herr Präsident,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

in China erobern Frauen das Weltall, in Deutschland noch nicht mal den Chefsessel. Was gerade passiert, ist einfach abenteuerlich. China erklärt, dass künftig eine von drei Raumschiff-Besatzungsmitgliedern eine Frau sein soll und gleichzeitig streitet Frauenministerin Schröder weiter gegen die Quote in deutschen Führungsetagen. Dass China die BRD in Gleichstellungsfragen abzuhängen droht, sollte Ihnen als Regierung wirklich zu denken geben!

Und auf Sie, Frau Schröder, kommen ja scheinbar ganz einsame Zeiten zu! Selbst in ihrer eigenen Partei stehen sie mit ihrer Flexiquote mehr und mehr alleine da. Da ist zum Beispiel Annegret Kamp-Karrenbauer, die gerade wiedergewählte saarländische CDU-Ministerpräsidentin. Sie hat schon vor Monaten gefordert, in Sachen gesetzlicher Frauenquote – ich zitiere – „schnell Nägel mit Köpfen zu machen“. Und selbst bei ihren männlichen Kollegen scheint der Widerstand gegen eine Quote gebrochen zu sein. Das prominenteste Beispiel ist sicherlich der geschätzte Bundestagspräsident Norbert Lammert.

Frau Schröder, Sie haben im Spiegel gesagt, dass Ihnen –ich zitiere- „das Denken in Geschlechterkollektiven fremd“ sei. Das finde ich für eine amtierende Frauenministerin ein wirklich bedenkliches Zitat. Es zeigt doch eindeutig, Ihnen fehlt jede Sensibilität für die Benachteiligung von Frauen!

Gerade erst hat EU-Kommissarin Viviane Reding Ihre seltsame Gleichstellungspolitik kritisiert. Mit dem Betreuungsgeld setzten sie völlig falsche Anreize, die Kinderbetreuung in Deutschland sei mangelhaft und die freiwillige Quote gescheitert. Deshalb fordert Brüssel die deutsche Quote: gesetzlich, verbindlich, für Aufsichtsräte und Vorstände. Das ist der richtige Weg. Und es ist schade, dass Sie solche Belehrungen nötig haben!

Und es gibt doch richtig gut Beispiele für den Erfolg der Quote. Norwegen hat als erstes europäisches Land eine feste 40-Prozent-Quote eingeführt. Und den Erfolg machte neben empfindlichen Sanktionen auch ein Mentoringprogramm aus: weibliche Nachwuchskräfte wurden gemeinsam mit ihren Chefs und späteren Kollegen über Monate geschult: in Sachen Führungsstärke, Unternehmenskultur und Gender-Kompetenz. Das sorgte für ein echtes Umdenken in den Unternehmen, aber auch in der gesamten Gesellschaft. Auf einmal wurden Kinderbetreuungs- und Familienzeiten ganz selbstverständlich bei den Arbeitszeiten berücksichtigt. Das sind doch alles ganz wunderbare Akzente, von denen wir wirklich viel lernen können und sollten!

Aber Quoten alleine reichen nicht, und vor allem nicht uns LINKEN. Uns geht es um die ganze Frauenfrage!

Frauenquoten sagen nämlich noch nichts über die Situation weiblicher Beschäftigte in Unternehmen aus. Da spielen noch ganz andere Punkte eine herausragende Rolle: die Armutsfalle Minijobs, Niedriglöhne und Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau müssen zurückgedrängt werden. Altbackene Unternehmenskulturen müssen verändert werden. Wir brauchen eine Individualbesteuerung statt einem Ehegattensplitting. Die Frauen müssen vom Staat und von den Männern von ihrer Gratisarbeit entlastet werden: Bei Pflege, Sorge und Erziehung. Die Arbeitszeit muss verkürzt werden -bei vollem Lohnausgleich – und ein Mindestlohn von 10 Euro eingeführt werden!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich finde es schon immer merkwürdig, dass gerade dann, wenn es um die Gleichstellung von Frauen geht, wenn es um Macht und Einkommen geht, immer auf Freiwilligkeit gesetzt wird. Es ist doch so, dass hinter jeder erfolgreichen Frau mindestens ein Mann steht, der die Frauenquote zum Teufel wünscht. Und ich glaube, dass genau diese Männer eine Frauenquote dringender brauchen als jede Frau! Und zwar eine auf Augenhöhe. Und die liegt bei 50%!

Und eines möchte ich auch noch anschließen: Es darf bei der Quotendebatte nicht darum gehen, Unternehmen ihre Profite sichern zu wollen, wie es sich die Grünen sehr unschön, wie ich finde, mit dem Titel ihrer Aktuellen Stunde zu eigen machen.
Die Quote ist ein wichtiger Teil der Frauenemanzipation. Sie kann die Tür öffnen zu mehr Geschlechtergerechtigkeit, zu mehr sozialer Gerechtigkeit und zur Erfüllung von Verfassungsaufgaben. Sie ist von Grund auf ein demokratisches Projekt, das Frauen und nicht dem Kapital Vorteile bringen soll!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Frauenrechtlerin Hedwig Dohm sagte bereits 1910- ich zitiere- „Glaube nicht, es muss so sein, weil es so ist und immer so war. Unmöglichkeiten sind Ausflüchte steriler Gehirne. Schaffe Möglichkeiten!“ Zitat Ende. Das sollte endlich der Leitsatz dieser Regierungskoalition werden!

Vielen Dank!