Zum Hauptinhalt springen

Gutes Schul- und Kitaessen sind wir unseren Kindern schuldig

Rede von Karin Binder,

Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren auf den Besuchertribünen,

Kita- und Schulverpflegung ist in Deutschland mangelhaft. Das wissen wir schon lange, aber spätestens seit einer Studie von Professor Arens-Azevedo von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg müssten es auch die Kolleginnen und Kollegen im Hohen Hause wissen. Die Qualität erfüllt ernährungsgesundheitliche Anforderungen nicht. Die Mahlzeiten sind zu fett, zu süß, enthalten zu wenig frisches Obst und frisches Gemüse, es fehlt an Vitaminen und Ballaststoffen, und es fehlt am Geschmack. Es fehlt an Geld, es fehlt an Fachleuten und geeigneten Räumen. All das wissen wir; aber bisher wird nichts dagegen getan. Nur die Hälfte der Schülerinnen und Schüler in Ganztageseinrichtungen geht überhaupt zum Essen. Auch das war eine Erkenntnis dieser Studie. Ich frage mich: Warum wohl?

 Kinder aus armen Familien werden, wie wir unter anderem aus der Bild-Zeitung und anderen Medien wissen, vom Essen ausgeschlossen, wenn die Eltern nicht bezahlen. Wo soll das bitte schön hinführen? Es muss uns doch klar sein, dass solche Zustände Folgen für die gesundheitliche Entwicklung und den Lernerfolg dieser Kinder haben, ganz abgesehen davon, dass das eine Diskriminierung ist ‑ und das in unserem Schulsystem. Ich denke, dagegen müssen wir etwas tun.

(Beifall bei der LINKEN)

Wer das Problem bisher nicht verstanden hat, der hat wirklich ein Problem. Der hat nichts dazugelernt, und das heißt: Die Versetzung ist gefährdet.

Die Linksfraktion hat deshalb bereits Anfang des Jahres eine Fachtagung mit dem Titel „Bausteine für gutes Kita- und Schulessen“ durchgeführt. Es ging uns darum, uns noch einmal mit allen Akteuren, mit Schülerinnen und Schülern, mit Lehrerinnen und Lehrern, mit Menschen aus den Kommunen, mit Menschen aus den Einrichtungen, aus den Küchen, mit den Trägern und den Schulleitungen, darüber zu verständigen, was wirklich notwendig ist, um daraus abzuleiten, wie viel uns das kosten wird.

Allen, die dabei waren, ist ganz klar geworden, was gute Kita- und Schulverpflegung auszeichnet. Erstens. Es muss schmecken. Dazu gehört, dass wir die Kinder und die Jugendlichen beteiligen; denn nur, wenn wir sie fragen, was sie mögen, besteht die Option, dass die Kinder und Jugendlichen das auch essen. Zweitens. Es muss frisch gekocht werden; denn nichts ist schlimmer als Essen, das seit Stunden warm gehalten in der Gegend herumsteht. Das würden wir Erwachsene nicht zu uns nehmen wollen, und die Kinder wissen auch, was gut und schlecht ist. Also wird es nicht gegessen. Das muss geändert werden. Es muss frisch gekocht werden.

(Beifall bei der LINKEN)

Ein ganz wichtiger Punkt ist: Wir brauchen bundesweit einheitliche Standards. Wenn wir hier im Bund nicht festlegen, dass eine bestimmte Qualität gewährleistet ist, werden wir immer die Situation haben, dass es Caterer bzw. Anbieter gibt, die ein Essen anbieten, das nicht einmal die 1,50 Euro wert ist, die es kostet. Sprich: Wir brauchen Qualitätsstandards, die verbindlich geregelt werden müssen. Und ich sage Ihnen eines, liebe Kolleginnen und Kollegen: Wer bestellt, der zahlt. Wenn also der Bund will, dass die Träger Standards einhalten, dann muss er auch klären, wie das finanziert wird. Ich behaupte eines: Diese Gesellschaft hat sehr viel davon, wenn die Kinder anständig versorgt werden. Ich möchte nur daran erinnern, wie viel Geld die Krankenkassen in die Hand nehmen müssen, um ernährungsbedingte Krankheiten zu behandeln. Das sind jedes Jahr zig Milliarden Euro. Ich wünsche mir, dass wir diese volkswirtschaftliche Rechnung aufmachen, um dann auch über die Finanzierung einer vernünftigen Verpflegung für alle Kinder und Jugendlichen zu beraten.

Danke schön.

(Beifall bei der LINKEN)