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Gegen Doping im Sport.....

Rede von Katrin Kunert,

Auf Grund von Witterungsverhältnisse an diesem Tag, Ausfällen von Zugverbindungen, konnte Frau Kunert an der Bundestagssitzung nicht teilnehmen. Daher wurde ihre Rede zum "Internationalen Übereinkommen vom 19. Oktober 2005 gegen Doping im Sport" zu Protokoll gegeben.

Die Fraktion Die Linke wird dem Gesetzentwurf zum internationalen Übereinkommen gegen Doping im Sport zustimmen. Das bietet die wichtige Möglichkeit, international gegen Doping vorzugehen. Bestehende nationale Regelungen können so harmonisiert und Straftaten länderübergreifend verfolgt werden. Spannend wird es, wie Politik und Sport in Deutschland damit umgehen werden. Fakt ist: Der Deutsche Olympische Sportbund hat auf seiner Mitgliederversammlung im Dezember letzten Jahres einen Antidopingaktionsplan beschlossen. Der Sport will das Problem des Dopings in eigener Regie in den Griff bekommen. Er setzt unter anderem auf eine höhere Kontrolldichte. Ich meine, dass nicht nur die Kontrolldichte das Problem ist, es muss vielmehr unangekündigt kontrolliert werden. Wichtig ist auch, dass Meldungen an die Verbände erfolgen, wenn sich die Sportlerinnen und Sportler den Kontrollen entziehen. Dazu braucht die Nationale Antidopingagentur nachweislich mehr Geld. Bund und Sport haben ihre Zuschüsse bereits für 2007 deutlich erhöht. Aber ob diese finanzielle Ausstattung reichen wird, wage ich zu bezweifeln. Acht hauptamtlich Beschäftigte und 70 ehrenamtliche Kontrolleure bei der NADA stehen circa 9 000 Athleten gegenüber.

In der ARD-Reportage „Mission: Sauberer Sport - Doping-Fahnder im Einsatz“ wurden die Schwachstellen bei den Dopingkontrollen in Deutschland öffentlich gemacht.Nicht nur die dünne Personaldecke der NADA macht Sorgen, vielmehr habe ich kein Verständnis dafür, dass Athleten, ob bei angekündigten oder unangekündigten Kontrollen, mehrfach nicht anzutreffen sind und dass die Kontrolleure der NADA dies nicht an die Verbände melden. Wie ernst wird das Thema von den handelnden Institutionen eigentlich genommen, wenn zugelassen wird, dass sich Sportlerinnen und Sportler der Kontrolle entziehen können? So werden Regelverstöße nicht geahndet. Das ist inakzeptabel! Wenn ein Sportler sich nicht ordnungsgemäß abmeldet, muss dies sanktioniert werden. Dazu gibt es klare und, wie ich meine, auch harte Regeln. Es wundert mich nicht wirklich, wenn Sportler im Nachgang zu einem Gerichtsverfahren, wie im Fall Springstein, unter Dopingverdacht geraten. Derzeit sind beim Deutschen Leichtathletik-Verband neun Sportlerinnen und Sportler wegen Dopings gesperrt. Sieben davon sind aus dem Bereich der Seniorinnen und Senioren. Lediglich eine Sperre von den neun Sperren basiert auf einer Trainingskontrolle. Ich frage mich, ob und, wenn ja, wie oft Schumann, Breuer und Urbansky kontrolliert wurden. Gehörten sie vielleicht zu den oft nicht anzutreffenden Sportlern?

Prävention ist das A und O. Der WADA-Code muss verschärft werden, so steht es im Antidopingplan des Deutschen Olympischen Sportbundes. Ich habe guten Grund, das zu unterstreichen, denn bei einer Befragung von Athletinnen und Athleten des Jahrgangs 1986 in der Leichtathletik konnten 70 Prozent der Befragten nichts mit dem Antidopingcode anfangen. Zudem gibt es erhebliche Unsicherheiten im Umgang mit Nahrungsergänzungsmitteln. Hier wünschen sich die Aktiven mehr Informationen vom Verband. Um Handel und Missbrauch von illegalen leistungsfördernden Mitteln entgegenzutreten, sollten auch kommerzielle Fitnessstudios einer Dopingkontrolle unterworfen werden, wenn notwendig, auch durch Polizei und Ordnungsbehörden. Die Situation in einigen Fitnessstudios ist alarmierend. Wie offen und skrupellos illegale Substanzen angeboten und angepriesen werden, kann man in Gesprächen mit Besuchern von Fitnessstudios erfahren. Den Besitz von Dopingmitteln bei Sportlern will der Sport nicht unter Strafe stellen. Hier scheiden sich in den letzten Wochen und Monaten die Geister.

Auch in unserer Fraktion gibt es in Bezug auf ein mögliches Antidopinggesetz noch Diskussionen. Ich meine, die bestehende Sportgerichtsbarkeit bestraft Sportlerinnen und Sportler bereits effektiv und unmittelbar. Der Gebrauch von Dopingmitteln und der Nachweis im Körper führen zu Sanktionen. Das ist so, wenn - und das sage ich vor dem Hintergrund des Berichtes in der ARD - auch Nachweise erbracht werden können. Zudem funktioniert die Sportgerichtsbarkeit erheblich schneller, als dies bei der ordentlichen Gerichtsbarkeit der Fall wäre. Andererseits muss die Frage aufgeworfen werden: Warum besitzt ein Sportler oder eine Sportlerin Dopingmittel? Bestimmt nicht, um sie sich in die Schrankwand zu stellen! Künftig müssen Politik und Sport gemeinsam an einen Tisch und vernünftige Regelungen finden. Der Ruf des Sports steht auf dem Spiel. Er muss im eigenen Interesse dem Betrug begegnen. Der Staat muss den Sport schützen. Sport hat wichtige Funktionen in der Gesellschaft. Pädagogisch, sozialpolitisch und gesundheitspolitisch wirkt er in die Gesellschaft, und nicht zuletzt ist der Sport ein wichtiges Spiegelbild. Wenn wir über die Bekämpfung des Dopings reden, müssen wir generell eine Debatte über die Rolle des Sports in der Gesellschaft führen. Alles andere ist halbherzig. Solange der Kommerz immer mehr den Sport beherrscht, so lange ist der Sport auch nicht frei von Kommerz. Solange Werbeverträge, Fernsehpräsenz und Spektakel maßgebend für den Sport sind, kann der Sportler entweder mitgehen oder er steigt aus. Die finanzielle Abhängigkeit der Sportlerinnen und Sportler von diesem Mechanismus muss ersetzt werden durch eine gesamtgesellschaftliche Begleitung von der Talentesichtung bis über das Karriereende hinaus. Spitzensport, Schul- und Berufsbildung sowie Studium müssen besser miteinander verbunden werden. Gerade viele junge Sportlerinnen und Sportler entscheiden sich nach dem Schulabschluss gegen den Sport, weil sie ihre Zukunft nicht gesichert sehen. Der Übergang vom Junioren- zum Spitzensportbereich ist ein weiteres Problem und zeigt deutlich, dass die durchaus bestehenden Ressourcen in der Spitzensportforschung nicht in der Praxis ankommen. Hier gibt es ein interessantes Modell in Köln, ein hochschulgebundenes Zentrum für Spitzensport ist aufgebaut worden. In diesem Zentrum werden sportwissenschaftliche Theorien in die Praxis gegeben, es werden Ergebnisse der Grundlagenforschung schnellstmöglich in der Trainingspraxis umgesetzt. Doping existiert nicht im luftleeren Raum, Sportlerinnen und Sportler beginnen ihre Karriere nicht mit dem Vorsatz zu dopen. Dennoch müssen im Kampf gegen Doping alle Bedingungen, die auf den Sport wirken, einbezogen werden. Auch die Öffentlichkeit, also wir, die ständig nur beste Platzierungen erwarten, die Medien, die Sponsoren und Veranstalter haben einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Entwicklung des Sports.

Nur ein Gesamtpaket an Maßnahmen, angefangen von wirksameren Dopingkontrollen über soziale und berufliche Absicherung der Sportlerinnen und Sportler, bis hin zu mehr sportwissenschaftlicher Begleitung und letztlich auch die Bekämpfung des organisierten Handels mit Dopingmitteln kann zum Erfolg führen.

Früher gab es das Motto „Dabei sein ist alles“, darum geht es aber schon lange nicht mehr.