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Frauen in der Pflege an ihren Grenzen - Und das zu welchem Lohn?

Rede von Yvonne Ploetz,

Plenarrede anläßlich des Equal-Pay-Days 2013

Herr Präsident,
meine Damen und Herren,

immer dann wenn ein Mann einen Euro verdient, verdient eine Frau nur 78 Cent.

Bis zum verschneiten Frühlingsanfang müssen Frauen dieses Jahr länger arbeiten, um das im Geldbeutel zu haben, was ein Mann an Silvester bereits hat.

Ich denk, wir sind uns alle einig: Fair und gerecht sieht anders aus!

Nur zwei kleine Beispiele:
Nach drei Jahren Ausbildung verdienen Frauen 1071 Euro netto, ein Mann hat durchschnittlich 500 Euro mehr.

Frauen in Vollzeit - und das kommt bei Frauen viel zu wenig vor – verdienten 2312 Euro brutto, Männer 600 Euro mehr.

Wenn ich mir diese Zahlen ansehen, frage ich mich, was wohl in den Betrieben los wäre, wenn es plötzlich wie in Norwegen öffentliche Verdienstlisten gäbe und jede Frau schwarz auf weiß nachlesen könnte, was sie völlig unbegründet weniger verdient? Ja, ich finde Lohntransparenz sollte bei der Suche nach Lösungen kein Tabuthema mehr sein.

Besondere Wirkung würde sie sicher in Kombination mit dem Verbandsklagerecht erreichen. Meine Fraktion hat es ja bereits gestern Abend in einem Antrag gefordert.

Eine Frau alleine traut sich selten Verbesserungen für sich einzuklagen – danach braucht sie sich eher nicht mehr am Arbeitsplatz blicken zu lassen.

Viele Frauen aber, unterstützt von Verbänden, wären nicht mehr aufzuhalten.

Meine Damen und Herren, der diesjährige Equal Pay Day steht unter dem Motto „Viel Dienst – wenig Verdienst“, also das Thema „Lohnfindung in Gesundheitsberufen“.

Und tatsächlich ist es so, dass diese Branche das gesamte Dilemma von Frauen am Arbeitsmarkt verdeutlicht.

Nicht nur, dass in der Branchen Frauen rund ein Viertel weniger verdienen, als ihre männlichen Kollegen.

Das Gesundheitswesen gehört zu den fünf Branchen mit den meisten weiblichen Niedriglohnbeschäftigten.

Netterweise hat mir die Bundesagentur für Arbeit gestern diese Zahlen zur Verfügung gestellt: Im Vergleich zum Jahr 2000 hat sich die Zahl der Frauen in Minijobs auf knapp 5 Millionen fast verdoppelt.

Besonders betroffen sind die Altenpflegerinnen: Hier stieg die Anzahl um sage und schreibe 73 Prozent an.
Meine Damen und Herren, ich muss Ihnen nicht mehr wirklich erklären, was Minijobs für Frauen bedeuten: Sie sind eine Sackgasse und müssen unbedingt in sozialversicherungspflichtige Jobs umgewandelt und so eingedämmt werden!

Sicherlich haben Sie am Montag alle die Studie des Familienministeriums zur Kenntnis genommen, in der ganz klar gesagt wurde, ich zitiere: Minijobs sind „ein Programm zur Erzeugung lebenslanger Ohnmacht und Abhängigkeit von Frauen“.
Gerade einmal 14 Prozent schaffen den Absprung in eine Vollzeitstelle, alle anderen kommen eben nicht raus aus dem Teufelskreis von Dumpinglöhnen heute und Altersarmut morgen.
Und nicht nur, dass Sie dem einfach so zusehen, sie haben das Problem mit ihrer Ausweitung der Minijobs noch einmal verschärft. Man kann nur hoffen, dass Sie dafür die Quittung bekommen!

Hinzu kommt gerade bei Frauen in Gesundheitsberufen, dass die Arbeitsbedingungen fast unerträglich sind:

Es herrscht ein starker Termin- und Leistungsdruck, die Arbeitsabläufe sind streng getaktet und – ich zitiere den Stressreport 2012- sie „arbeiten an der Grenze der Leistungsfähigkeit“.

Das ist der reinste Raubbau an der pflegenden Frau und in keinster Weise zu akzeptieren!

Was wir brauchen sind Mindestlöhne, ein sofortiges Verbot der Leiharbeit und eine Humanisierung der Arbeitsabläufe, also eine ausreichende Personalausstattung und familienfreundlichere Arbeitsbedingungen und natürlich Entgeltgleichheit per Gesetz.
Doch das alleine reicht noch nicht.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der das Heben eines Doppelzentners Zement auf dem Bau höher bewertet wird, als wenn eine Pflegekraft Menschen aus dem Bett hebt.

Es muss endlich ein Umdenken stattfinden, der Dienst am Menschen, Pflege, Gesundheit, Kindererziehung, all das ist mehr wert!

Und wenn Frau Schröder sagt, ich zitiere: „Die schlechte Bezahlung in frauendominierten Berufen, und dazu gehören Gesundheitsberufe, ist eine wesentliche Ursache für den bestehenden statistischen Entgeltunterschied“ dann stimmt ihr sicherlich jede und jeder zu.

Nur kaufen kann sich davon keine Frau was. Sie, Frau Schröder, sind in der Situation die Realität ändern zu können und zu müssen!

Vielen Dank!