Zum Hauptinhalt springen

Fortsetzung der Beteiligung an ISAF Afghanistan

Rede von Eva Bulling-Schröter,

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
Ich stimme gegen das Mandat, weil Krieg immer ein falscher Weg ist. Krieg tötet und verletzt. Er verletzt nicht nur körperlich, sondern auch psychisch.
Studien haben festgestellt, dass der Jugoslawienkrieg beinahe die gesamte Bevölkerung traumatisiert hat und dass auch viele Menschen in anderen ehemaligen Kriegsgebieten massiv an Traumata leiden. Dies wird noch Generationen nachwirken und wirkt sich auch auf die jeweiligen Gesellschaften aus – mit all ihren fatalen Folgen.

Darüber wird nicht viel gesprochen, das Thema wird meist ausgeblendet.
Aber diese Probleme müssen endlich ins Licht gerückt werden. Aber vielleicht sehen Sie, meine Damen und Herren von der Koalition das angesprochene Thema auch als Teil der sogenannten „Kollateralschäden“ ?

Ich stimme auch gegen den Einsatz, weil ich aus persönlicher Erfahrung weiß, dass etliche Soldatinnen und Soldaten hier in dieses Land mit psychischen Verletzungen und traumatisiert aus dem Auslandseinsatz zurück kommen. Und offensichtlich wird für sie viel zu wenig getan. Nach einigen Behandlungen werden sie letztlich mit ihren Familien alleingelassen. Auch hier wird Verantwortung abgewälzt auf Menschen,
die weder die Kriege verursacht haben noch daran profitieren.
Effektive Hilfe fehlt , und das obwohl die Zahlen der Betroffenen von Jahr zu Jahr steigen.. Zwischen Januar und September 2011 wurden im Zusammenhang mit dem ISAF Einsatz 587 Fälle „posttraumatischer Belastungsstörung“ bei Rückkehrerinnen und Rückkehrern bekannt.. Und das ist nur die Spitze des Eisberges.

Die Dunkelziffer dürfte noch um einiges höher liegen. Zahlen aus den USA besagen, dass bis zu 22 Prozent der Soldaten, die im Irak oder in Afghanistan eingesetzt waren, früher oder später an einer PTBS erkrankten.
Der Kriegseinsatz brutalisiert die Menschen. Das zeigen die Gewaltexzesse des 2011 in den USA verurteilten „Kill Team“, das aus Spaß Jagd auf afghanische Zivilistinnen und Zivilisten machte, um sie zu ermorden und zu verstümmeln.
Die Brutalisierung macht auch vor den Bundeswehrsoldaten nicht Halt.
Die ungewisse Verlängerung des Einsatzes und die Sinnlosigkeit des Krieges verschlimmern dies noch.

Ich stimme dagegen, weil es für mich keine Alternative gibt, als nein zu sagen.