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Fachkräfte: Wer Nachwuchs will, muss Nachwuchs ausbilden und anständig entlohnen

Rede von Sabine Zimmermann,

Sehr geehrte Frau Präsident/in,
meine Damen und Herren,

wenn man sich den vorliegenden Antrag durchliest, fragt man sich, ob nicht vor allem in den Koalitionsfraktionen Fachkräfte fehlen. Wie immer, wenn es um dieses Thema geht, sind sich Forschung und Wissenschaft außerhalb arbeitgebernaher  Institute ziemlich einig. Ich zitiere mal aus einem aktuellen Bericht der Bundesagentur für Arbeit zur Fachkräftefrage:

„Aktuell zeigt sich nach der Analyse der Bundesagentur kein flächendeckender Fachkräftemangel in Deutschland.“

Dass überhaupt über einen Fachkräftemangel gesprochen wird, führt die Bundesagentur auf die Beschäftigungszunahme zurück.

So ist das eben: Wenn die Beschäftigung zunimmt, heißt das, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften steigt. Und da fühlt sich die Bundesregierung anscheinend berufen, die Unternehmen vor den Gesetzen des freien Markts zu schützen, denn bekanntermaßen steigt mit der Nachfrage auch der Preis. Es scheint, sie wollen vor allem verhindern, dass die Unternehmen höhere Löhne zahlen müssen, wenn sie Mitarbeiter gewinnen wollen.

Nach Untersuchungen der Bundesagentur für Arbeit gibt es Fachkräftemängel im Wesentlichen in „einzelnen technischen Berufsfeldern“ sowie im Pflege- und Gesundheitsbereich.

Der Pflege- und Gesundheitsbereich ist doch ein Muster­beispiel dafür, warum dort ständig Mitarbeiter gesucht werden.

Die Arbeitsbelastung ist enorm, die Arbeitszeiten sind familienfeindlich und gesundheitsschädlich, und die Entlohnung ist völlig unangemessen niedrig. Der Pflegenot­stand ist hausgemacht und wird mit der Unterfinanzierung des Gesundheitssystems immer weiter verschärft. Das ist ihre Politik.

Dann haben wir unter den technischen Berufen den Maschinenbau, Metall-, Sanitär- und Klempnerberufe. Das sind klassische Ausbildungsbranchen. Aber der Anteil der Betriebe, die ausbilden, liegt bei gerade mal 20 Prozent. Nur jeder fünfte Betrieb bildet Nachwuchs aus.

Den Unternehmen, die nun einen Fachkräftemangel fürchten, kann ich nur eines sagen: Wer Fachkräfte will, muss Fachkräfte ausbilden. So einfach ist das.

Dabei könnten wir sie auch politisch unterstützen, zum Beispiel durch eine Ausbildungsabgabe. Wer nicht ausbildet, zahlt ein; wer ausbildet, bekommt Unterstützung. Und gerade kleinen Betrieben würde es helfen, wenn Ausbildungsverbünde wieder stärker gefördert würden.

 

Einmal abgesehen davon, dass die Lobesarien, die im Antrag auf Maßnahmen der Wirtschaft gesungen werden, die in deren ureigenem Interesse liegen, ebenso überflüssig sind wie das fast schon peinliche Selbstlob der Bundesregierung, könnte sich DIE LINKE in vielen Punkten den Forderungen des Antrags anschließen. Um nur einige zu nennen:

  • Anreize für die Erwerbsfähigkeit von Frauen,
  • bessere Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf,
  • die Nutzung der Potentiale von Migrantinnen und Migranten,
  • Eine Integrations- und Qualifizierungs- initiative für Langzeiterwerbslose,
  • und was DIE LINKE besonders freut, die Integration von Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt

ja, das alles kann DIE LINKE unterschreiben.

Nur, leider, leider, stützen Sie seit Jahren eine Politik, die auf das Gegenteil ihrer Forderungen hinaus läuft. Und das wissen die Antragsteller nur allzu genau, fordern sie doch die Bundesregierung auf, diese Forderungen im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel umzusetzen. Und schwupp sind die schönen Träume ausgeträumt.

Schauen wir uns nur einmal die Forderungen für Langzeit­erwerbslose an. Die Weiterbildung für Langzeiterwerbslose stärken? Na klar! Aber was haben Sie denn in den letzten Jahren gemacht? Die Mittel massiv gekürzt!

Und jetzt wollen sie die Aktivitäten wieder ausweiten? Im Rahmen der verfügbaren Haushaltmittel? Schwer vorstellbar!

Zusammengefasst: Die Worte hör ich wohl, die Worte hör ich gern, allein mir fehlt der Glaube. DIE LINKE wird weiter sehr kritisch nachfragen, wie Sie ihre 32 Forderungen umsetzen. Und leider befürchte ich, dass sich Ihr teilweise schön zu lesender Antrag ganz schnell als reines Wortgeklingel erweisen wird. Für Schaufensteranträge steht die Linke nicht zur Verfügung! Wir lehnen ihren Antrag ab.