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Einrichtung eines Zentrums für Alevitische Studien vorantreiben

Rede von Raju Sharma,

Die Bundesregierung möchte die geplante Einrichtung von Islamischen Studien an deutschen Universitäten als einen weiteren Schritt auf dem Weg zu einer gerechteren Behandlung von Religionsgemeinschaften in Deutschland verstanden wissen. Doch solche Maßnahmen werden der religiösen Vielfalt unseres Landes und vor allem des Islams nicht gerecht. Der religionspolitische Sprecher der Linksfraktion, Raju Sharma, begrüßt daher den Antrag der SPD auf Einrichtung eines Zentrums für Alevitische Studien.

Rede zu Protokoll

Herr Präsident!
Liebe Kolleginnen und Kollegen!

In Deutschland leben mehr als eine halbe Million Menschen der alevitischen Glaubensrichtung. Im vorliegenden Antrag stellt die SPD richtig fest, dass die Alevitische Gemeinde eine anerkannte Religionsgemeinschaft ist. Die Fraktion DIE LINKE begrüßt daher den Antrag der SPD nach der Einrichtung eines Zentrums für Alevitische Studien.

Das wäre allein schon deshalb eine sinnvolle Maßnahme, weil es die Religionsfreiheit verlangt, dass der Staat alle Religionsgemeinschaften gleich behandelt. Die von der Bundesregierung angeregten Zentren für Islam-Studien würden dem nicht gerecht werden. Zwar war deren Einrichtung ein guter und wichtiger Schritt. Religiöse Vielfalt als Bereicherung zu verstehen und dabei mit aller Konsequenz für die Gleichbehandlung der Religionen einzutreten bis hin zur Verankerung an den Universitäten, in Forschung und Lehre, ist der nächste wichtige Schritt.

Der Islam ist vielfältig ausgeprägt. Das ist zu erkennen und anzuerkennen. Gerade die Alevitische Gemeinde ist der Beweis dafür, dass es nicht den einen Islam gibt: Genau wie bei Christen oder Juden gibt es sowohl konservative als auch liberale Erscheinungsformen ein und derselben Religion. Die Alevitische Gemeinde steht für eine besonders liberale Ausprägung des Islam. Sie ist damit ein lebendiges Gegenbeispiel für die stereotypen Ressentiments, die immer wieder gegen die islamischen Glaubensgemeinschaften – zum Beispiel aus den Reihen der SPD durch Thilo Sarrazin - formuliert werden.

Alevitinnen und Aleviten bekennen sich zur unantastbaren Würde des Menschen, zur Gleichberechtigung von Mann und Frau, zur Gewährleistung von Glaubens- und Religionsfreiheit. Warum sollen also jenen unsere Anerkennung und im Vergleich zu anderen Religionsgemeinschaften gleichberechtigte Unterstützung verweigern?

An zahlreichen Schulen wird schon heute alevitischer Religionsunterricht angeboten – der Antrag verweist auf die Bundesländer Berlin, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern. Das ist gut, doch es mangelt gravierend an speziell geschulten Lehrkräften. Die Nachfrage nach alevitischem Religionsunterricht wird in den kommenden Jahren sogar weiter wachsen. Auch das spricht für die Einrichtung alevitischer Zentren zur Ausbildung von Lehrpersonal, zur Förderung von Wissenschaft und Forschung.

Die Regierungskoalition sollte sich daher ihrer Verantwortung stellen und der Einrichtung eines Zentrums für alevitische Studien nicht verweigern.