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Ein Gedenktag für die Meere

Rede von Eva Bulling-Schröter,

Tagesordnungspunkt 27a:

Anträge Bündnis 90 / Die Grünen - Unterwasserlärm sowie Tag der Meere -

Drucksachen Drucksachen 16/5117, 16/7168 sowie 16/8213, 16/12654

- zu Protokoll -

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen,
die Linksfraktion unterstützt den Antrag der Grünen, der auf einen Vorschlag der Europäischen Kommmission, des Rates und des EU-Parlaments zurückgeht. Ein Europäischer Tag der Meere, der festlich begangen wird, könnte dazu beitragen, ein Bewusstsein für das gemeinsame maritime Erbe zu schaffen. Ein solches Bewusstsein wäre auch mehr als notwendig. Schließlich ist die Bilanz der menschlichen Eingriffe in die unterseeische Welt katastrophal. In den letzten hundert Jahren sind die Bestände vieler Fischarten um fast 90 Prozent zurückgegangen, schätzen Wissenschaftler.

Weil sich das Ganze jedoch fernab und unter der Wasseroberfläche abspielt, wird es für viele Menschen wenig greifbar. Das ist beispielsweise beim Waldsterben anders. Lichte Kronen und Mittelgebirge mit Baumstümpfen sind sichtbar. Sie haben viele Bürgerinnen und Bürger für den „Sauren Regen“ und Luftschadstoffe sensibilisiert.
Der öffentliche Druck war es vor allem, der zur Verschärfung der entsprechenden Grenzwerte für Industrie- und Verbrennungsanlagen geführt hat. Und genau solch ein öffentlicher Druck für den Schutz der Meere fehlt, wenn man mal von Walen und Delfinen absieht. Kabeljau, Sprotte und Tunfisch haben keine Lobby. Sie werden gnadenlos überfischt.

Dabei geht es nicht nur um den Artenschutz, sondern - wie beim Klimaschutz - auch um Solidarität. Denn Während Millionen Tonnen wertvoller Meerestiere als Beifänge ungenutzt und tot über Bord gehen, sitzen Millionen von Küstenbewohnern in Afrika vor leeren Tellern. Die Trawler der Industriestaaten saugen ihnen die Meere leer. Legal und illegal.

Es geht aber nicht nur um Fische. Das Ökosystem Meer als Ganzes zu begreifen und endlich behutsam zu nutzen - das ist die eigentliche Aufgabe, die vor der Menschheit steht. Schließlich sind die Ozeane neben der Überfischung auch durch organische Überfrachtung und Schadstoffeinträge bedroht.
Die Überdüngung der Flüsse aus der Landwirtschaft führen in den Meeren zu gefürchteten Algenblüten. Schwermetalle und hormonelle Stoffe, neuerdings auch nukleare Belastungen, reichern sich in den Organismen an. Zunehmend wird auch Lärm zu einem Problem, insbesondere für Großsäuger.

Wie mangelhaft die Europäische Meeresschutzpolitik ist, zeigen Grünbuch und Bluepaper der EU-Kommission genauso, wie die Entwicklung der europäischen Meeresschutzrichtlinie.
Die Gesetzgebung und die Zuständigleiten in Bezug auf den Meeresschutz bleiben zersplittert. Ein ganzheitlicher ökosystemarischer Ansatz ist nicht erkennbar. Die Ozeane werden vorrangig als Wirtschaftsgut betrachtet. Meeresschutz ist aber deutlich mehr, als konkurrierende Nutzungsansprüche aus Fischerei, Bergbau, Seefahrt und Tourismus abzugleichen.

Doch noch ein Blick nach vorn, der zeigt, dass moderner Meeresschutz und Meeresnutzung sich auch gegenseitig befruchten können. In Neuseeland waren die Fischer einst die stärksten Gegner, als es darum ging, Schutzgebiete einzurichten. Nunmehr gehören die Fischer zu den Verteidigern dieser ökologischen Oasen. Die dort rasant anwachsenden Bestände wandern nämlich aus den Schutzgebieten aus und füllen wieder die Netze.
Greenpeace und andere fordern seit langem, auch in anderen Teilen der Welt Meeresschutzgebiete einzurichten, in denen Fischerei und Rohstoffabbau verboten werden. Konkrete Vorschläge gibt es für Nord- und Ostssee sowie für die außereuropäischen Meere.

Vielleicht kann ein „Europäischer Tag der Meere“ dazu beitragen, solche Visionen Wirklichkeit werden zu lassen.
Was den zweiten Antrag betrifft, so halten wir den steigenden Unterwasserlärm für eine große Bedrohung der maritimen Lebendwelt. Mit Sicherheit gefährdet er Wale und Tümmler. Entsprechende Untersuchungen liegen vor. Deshalb muss die Bundesregierung einerseits national Maßnahmen gegen anthropogenen Unterwasserlärm ergreifen und sich andererseits konsequent für internationale Maßnahmen gegen den Unterwasserlärm einsetzen.
Insbesondere in Schutzgebieten und hoch frequentierten Aufenthaltsgebieten dieser Tiere müssen Tätigkeiten des Menschen, die starken Lärm entwickeln, weitgehend verboten werden. Das betrifft insbesondere die Sonaraktivitäten von U-Booten sowie Sprengungen. Für Deutschland müssen darum seismischen Untersuchungen, wie sie im Naturschutzgebiet „Doggerbank“ stattgefunden haben, künftig unterbunden werden.