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Die Starken der Gesellschaft müssen für die Schwachen der Gesellschaft eintreten

Rede von Herbert Behrens,

Herbert Behrens (DIE LINKE):

Werter Genosse und Kollege - nein, Genosse ist falsch: Werter Kollege Wissing,

(Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD, der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

wir haben völlig unterschiedliche Vorstellungen von Gerechtigkeit; das haben Sie eben noch einmal ausgesprochen deutlich gemacht. Sie sagen: Wenn es Maßnahmen gibt, die dazu beitragen, das Steueraufkommen zu erhöhen, wenn es Maßnahmen gibt, die dazu beitragen, die Beschäftigung zu erhöhen, dann sei das der einzige Maßstab.

Das ist falsch. Wir müssen uns nur anschauen, was Sie mit Ihrer Politik verursacht haben. In dem Entwurf Ihres eigenen Armuts- und Reichtumsberichts stand zunächst Sie haben das später herauskorrigiert , dass die Schere zwischen Arm und Reich in diesem Lande dramatisch auseinandergeht, dass es auf der einen Seite eine Konzentration von Vermögen in den Händen weniger gibt und auf der anderen Seite eine große Zahl von armen Menschen, die ihr Leben nicht so gestalten können, wie sie es gerne möchten. Insofern kommt es schon darauf an, dass wir nicht nur auf die wirtschaftliche Entwicklung schauen, sondern eben auch darauf, wie es um die Steuergerechtigkeit bestellt ist.
Die SPD hat ihr Konzept vorgelegt der Kollege Poß hat davon gesprochen , und die Regierung ist tief getroffen von diesem Konzept. Ich kann das nicht in Gänze teilen.
Wir wissen, am Sonntag wird in Niedersachsen gewählt. Darum ist vieles von dem, was hier gesprochen wird, auch unter diesem Aspekt zu sehen. Im Herbst steht dann die Frage an, ob Rot-Grün künftig die politischen Maßstäbe setzen kann oder ob es weiter einen desaströsen schwarz-gelben Kurs geben soll. Deshalb wird es nötig sein, dass wir nicht nur einen kurzen Blick zurückwerfen, sondern uns einmal die gesamte Entwicklung angucken, die wir hier in den letzten Jahren erlebt haben.

Gucken wir uns aber auch Ihre Steuerpolitik an, liebe Kolleginnen und Kollegen der SPD. Vor vielen Jahren vielen Menschen ist das aber noch ganz präsent hat die Agenda 2010 dazu beigetragen, dass Grundannahmen einer demokratischen, solidarischen Gesellschaft in Deutschland aufgehoben worden sind.

Sie wollten mit Ihrer Steuerpolitik beispielsweise dazu beitragen, dass die Bundesrepublik Deutschland hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung im Vergleich zu anderen Ländern das am besten für den gnadenlosen Wettbewerb aufgestellte Land ist. Sie haben den Spitzensteuersatz von 53 Prozent auf 42 Prozent gesenkt. Sie haben den Körperschaftsteuersatz von 40 Prozent zunächst auf 25 Prozent und später auf 15 Prozent gesenkt. Sie haben eine Niedriglohnpolitik betrieben, Sie haben Minijobs und Leiharbeit befördert, und Sie haben zu insgesamt ich addiere die Zahlen von 1999 bis zum Jahr 2013 490 Milliarden Euro an Steuermindereinnahmen beigetragen. Innerhalb eines Zeitraums von 14 Jahren haben Sie Steuermindereinnahmen von fast 500 Milliarden Euro zu verantworten, die für staatliche Ausgaben zur Verfügung stehen könnten.
Das soll mit dem Kanzlerkandidaten Steinbrück wieder anders werden. Er kennt sich ja aus, war er doch auch maßgeblich an dieser Politik beteiligt.

Sie sagen jetzt, die Schieflage in der Gesellschaft solle beseitigt und die große Kluft zwischen Arm und Reich wieder geschlossen werden. Na ja, ein bisschen jedenfalls; denn die steuerpolitischen Vorschläge der SPD werden nicht dazu beitragen, dass die grundlegenden Fehler der vergangenen Jahre korrigiert werden.
Wir als Linke haben uns die realen Auswirkungen dieser Steuersenkungspolitik und in diesem Zusammenhang auch die Einnahmeverluste für Niedersachsen angeschaut. In einem Gutachten wird festgestellt, dass diesem Land jedes Jahr 2 Milliarden Euro an Steuereinnahmen fehlen, mit denen eine vernünftige, soziale Politik gemacht werden könnte. Den Kommunen fehlt zusätzlich 1 Milliarde Euro, mit der die hier vielfach besprochenen Maßnahmen für die Bildung der Kinder und für bessere Chancen der Kleinsten und Schwächsten unserer Gesellschaft bezahlt werden könnten.
Wir legen dagegen Vorschläge vor, mit denen den Ländern wirksam geholfen werden könnte. Unsere Vorschläge würden dazu beitragen, dass dem Land Niedersachsen pro Jahr 3,6 Milliarden Euro mehr zur Verfügung stehen. Wir fordern auf der Bundesebene eine Finanzpolizei, die in der Lage ist, Steuerhinterziehung, Subventionsbetrug und auch Geldwäsche wirklich wirksam zu verhindern.
Ja, wir wollen die Erhöhung des Spitzensteuersatzes, weil die Starken der Gesellschaft für die Schwachen der Gesellschaft eintreten müssen. Wir fordern eine Vermögensteuer, die den Namen verdient und auch rechtskonform ist. Wir wollen dafür sorgen, dass die Schwächeren in dieser Gesellschaft wirklich in der Lage sind, ein vernünftiges Leben zu führen. Dazu gehören insbesondere die Kinder, die eine gute Bildung, gute Lehrkräfte und auch gute Schulen brauchen.

Das geht nur, wenn wir eine Finanzpolitik machen, die auch die Kommunen stärkt und dazu führt, dass diese Bildungseinrichtungen finanziert werden können.
Vielen Dank.