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Die Stammzellfrage ist eine zentrale Menschenrechtsfrage des 21.Jahrhunderts

Rede von Monika Knoche,

Wer heute den Stichtag ändert, kann sich nicht mehr auf den Kernbestand des Gesetzes von 2002 berufen. Denn ab dann würde Embryonenproduktion für fremdnützige Zwecke gebilligt. Das ist die Wahrheit!

Es besteht kein Zweifel, dass in den Exportländern dieser neu-en Zelllinien Frauen zu Eizelllieferantinnen gemacht werden, weil dort kein Embryonenschutzgesetz existiert, das die Praxis der künstlichen Befruchtung regelt. Dagegen wendet sich der Deutsche Frauenrat.

Vor sechs Jahren hat dieses Haus mit überwältigender Mehrheit bestärkt, dass kein einziger weiterer Embryo für deutsche Forschungszwecke vernichtet werden soll.

Diesen Konsens verlässt die Gruppe Röspel. Es geht um weitaus mehr, als um die Änderung eines Datums.

Täuschen Sie die Menschen also nicht!

Das Wichtigste ist die ethisch-moralische Dimension einer Gesetzesänderung.

Denn es geht um die zentrale Menschenrechtsfrage der Moderne, vor die wir alle durch die Entwicklungen der Forschung und der Fortpflanzungsmedizin gestellt wurden.

Sie lautet:

Hat der menschliche Embryo Menschenwürde?

Ist er ein Mensch in der Entwicklung auch und gerade dann, wenn er nicht durch Schwangerschaft und Geburt in die Welt kommen wird, sondern durch künstliche Befruchtung ohne den Körper der Frau bereits auf der Welt ist?

Die Antwort darauf kann nur eine sein: Ja. Denn er unterliegt dann ausschließlich dem Schutz durch die Gesellschaft, weil die Frau ihn mit ihren Körper vor Fremdzugriffen nicht schützen kann. Der Embryo hat Menschenwürde. Es gilt das prinzipielle Instrumentalisierungsverbot. Es gilt die unbedingte Zweckfrei-heit seiner Existenz. An diesem ethischen Prinzip müssen wir festhalten. Denn der menschenrechtliche Status darf nicht zur Disposition gestellt werden, weil es ein immer stärker wachsen-des Interesse an der Nutzbarmachung von Embryonen gibt.

Wir müssen der Selbstverwertung des Menschen entgegentreten.
Das war das Credo der Bundestagsentscheidung von 2002.

Kann, darf, wird diese Festlegung heute verworfen werden? Das ist die eigentliche Entscheidung vor der das Parlament steht.

Dürfen wir einen Nutzen daraus ziehen, dass der Embryo in vito im Ausland zur humanbiologischen Sache erklärt wurde? Soll das in Kauf genommen werden, um in Deutschland neues Forschungsmaterial zu haben?

In Deutschland ist der Embryo ein Rechtssubjekt, im Ausland ein materielles Objekt. Eine solche Haltung in Gesetz gegossen, - meine Herren und Damen - das kann kein moralisch integerer Weg sein!

Die immer neuen Begehlichkeiten dieser Forschung dürfen für uns als Gesetzgebende nicht handlungsleitend sein. Es geht um Grundsätzliches.

Die bestehenden Begrenzungen hier fortzuschreiben bedeutet, keine Absage an die Stammzellforschung generell. Denn es gibt überzeugende Alternativen, die schon heute therapeutische Hilfe ermöglichen. Sie liegen in der Reprogrammierung von Zellen und sie liegen in der adulten Stammzellforschung. Diese gilt es zu stärken, weil sie einer humanistischen Humanmedizin entspricht.

Denn um embryonale Stammzellen zu gewinnen, muss der Embryo zerstört werden.

Auch wenn der Embryo, um den es hier geht, sich in seinem frühen Entwicklungsstadium noch nicht als menschliches Gegenüber zeigt, so hat er doch die volle aus ihm selbst kommen-de Kraft, sich als Mensch zu entwickeln und genau die Person zu werden, die normalerweise geboren wird.

Es gibt aus meiner Sicht keine Möglichkeit, ihn von der Zugehörigkeit zur Menschheit auszuschließen.

Auch kann es kein gestuftes Menschenwürdekonzept geben.

Wer sagt, der Embryo sei nur dann ein Mensch, wenn er die Gebärmutter einer Frau erreicht und zur lebensfähigen Reife gelangt, sieht über die Antropologie und über die Menschenrechtsphilosophie der Verfassung hinweg.

Ich trete für die prinzipielle Zweckfreiheit des menschlichen Lebens ein, egal wie und wo es sich zeigt.

Das Verbot der fremdnützigen Forschung als Tabu ist für mich das wertvollste zivilisatorische Gut, das wir aus historischen Erfahrungen haben.

Meine Herren und Damen,

mit der embryonalen Stammzellforschung ist eine neue Menschenrechtsfrage und eine neue Frauenfrage aufgekommen.

Wir stehen vor der Aufgabe, dem Wissensgewinnen und das Generieren von neuen Therapien zu ermöglichen.

Die Forschungsfreiheit hat Verfassungsrang. Sie muss sich innerhalb der ethisch-moralischen Grenze entwickeln, die der Gesetzgeber ihr gibt. Die Freiheit der Forschung aber findet ihre Grenze im Vorrang der Menschenwürde. Deshalb „nein“ zu einer Gesetzesänderung.