Zum Hauptinhalt springen

DIE LINKE dankt Fußballvereinen und Faninitiativen

Rede von André Hahn,

 

 

Erste Lesung des Antrags der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Für eine weltoffene und vielfältige Sport- und Fankultur – Bürgerrechte schützen, Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit effektiv bekämpfen, rechte Netzwerke aufdecken“, DS 18/6232 

 

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Gestern war der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Wir haben hier im Bundestag eine bewegende Rede der 84jährigen Holocaust-Überlebenden Ruth Klüger gehört. Aber es gab auch weitere Aktivitäten, zum Beispiel den Aufruf der Initiative „!Nie wieder". Durch vielfältige Aktionen rund um den 27. Januar im deutschen Profi- und Amateurfußball  - einheitliche Sprecherdurchsagen und antirassistische Choreographien - soll in den Stadien ein Zeichen gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus im Sport gesetzt werden. Ich finde, solche Aktivitäten verdienen unser aller Unterstützung! Herr Kollege Mayer, das ist keine dünne Suppe, sondern ein wirklich wichtiges Thema.

(Beifall bei der LINKEN sowie der Abg. Monika Lazar [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])

 Was haben die Initiative „!Nie wieder“ und Ruth Klüger gemeinsam? Beide schlagen die Brücke von den Verbrechen des faschistischen Deutschlands zur aktuellen Situation in unserem Land, in Europa und weltweit. Heute wie damals brauchen Flüchtlinge sowie Asylsuchende unseren Schutz und unsere aktive Hilfe. Gleichzeitig müssen die Fluchtursachen – Krieg, Hunger und nicht zuletzt die zunehmende Schere zwischen Arm und Reich – endlich wirksam bekämpft werden. Was das alles mit dem Sport zu tun hat? DIE LINKE hat hier eine klare Position: Sport ist keine Spielwiese für Rechtsextremisten und Gewalttäter und auch nicht  für Ausländerfeindlichkeit und Rassismus.

(Beifall bei der LINKEN sowie der Abg. Monika Lazar [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] - Dieter Stier [CDU/CSU]: Auch nicht für Linksextremisten!)

Im Gegenteil: Der Sport leistet gerade in Zeiten wie diesen einen wichtigen Beitrag zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund, von Asylbewerbern und Flüchtlingen. Die diesbezüglichen Aktivitäten müssen wir noch stärker als bisher unterstützen.

Deshalb begrüßen wir den Antrag der Grünen. Ich möchte gerne die Gelegenheit nutzen, den vielen Initiativen zur Unterstützung von Flüchtlingen für ihr Engagement herzlich zu danken.

(Beifall bei der LINKEN sowie der Abg. Monika Lazar [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])

Stellvertretend möchte ich hier den SV Babelsberg 03 nennen, der als erster Verein Deutschlands im Sommer 2014 eine Mannschaft in seinen Verein integrierte, die ausschließlich aus Flüchtlingen besteht. Während Babelsberg die Infrastruktur bereitstellte, sammelten die Fans des Vereins Geld, bezahlten die Spielertrikots und wurden Trikotsponsor. Das Team "Welcome United 03" wurde im 2015 über den SV Babelsberg für den regulären Spielbetrieb angemeldet und kämpft nun in der Kreisliga um Punkte für seinen Heimatverein.

Positiv hervorheben will ich auch den 1. FC Union und den FC St. Pauli, die der bebilderten Zeitung mit den großen Buchstaben die Stirn geboten haben und sich der fragwürdigen Aktion „Wir helfen“ verweigerten. Beide Vereine helfen wirklich, unter anderem mit der Bereitstellung ihres Fanhauses als Flüchtlingsunterkunft,

(Matthias Schmidt [Berlin] [SPD]: Ja, stimmt!)

und sie sind seit Jahren dabei, wenn es darum geht, gegen Rechtsextremismus und Rassismus klar Position zu beziehen. Ich wünschte mir, es mögen viele andere diesem Beispiel folgen.

Leider sind zunehmende rechtsextreme, ausländerfeindliche und rassistische Tendenzen nicht nur im Fußball anzutreffen. Sie betreffen auch andere Sportarten, aber der Schwerpunkt liegt ohne Zweifel beim Fußball.

Was die 14 Vorschläge und Forderungen der Grünen im vorliegenden Antrag anbelangt, so sollten wir darüber in den Ausschüssen noch intensiv diskutieren, zum Beispiel, ob es wirklich sinnvoll ist, ein einheitliches, finanziell starkes Bundesprogramm gegen Rechtsextremismus im Sport statt der bestehenden Vielzahl von Programmen zu schaffen. Auch zur Datei „Gewalttäter Sport“, zur Arbeit der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze sowie zur Finanzierung von Polizeieinsätzen - ich nenne hier nur das Stichwort "Bremen" - haben wir als LINKE Diskussionsbedarf.

Ich will auch ein Thema nennen, das heute noch gar keine Rolle gespielt hat. Ich meine die zunehmende Unterwanderung von Security-Firmen durch NPD-Leute und andere Rechtsextremisten, die dann auch in den Stadien zum Einsatz kommen. Hier sind vor allem die Vereine gefordert, diese Problematik nicht aus dem Auge zu verlieren.

Abschließend möchte ich noch einen Satz aus dem Antrag der Grünen zitieren. Dort heißt es:

Fußballaffine Personen mit rechtem Gedankengut sind kein Problem allein des Fußballs, sondern der gesamten Gesellschaft.

Ja, das ist richtig. Deshalb ist es aber auch unser aller Aufgabe, diesem Phänomen entschieden zu begegnen!

Herzlichen Dank.

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)