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Die Barrieren am Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung endlich einreißen

Rede von Sabine Zimmermann,

 

 

 

 

 

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren,

was sagt eigentlich die UN-Behindertenrechtskonvention zum wichtigen Thema Arbeit?

Sie schreibt klar und deutlich das gleiche Recht auf Arbeit für Menschen mit Behinderung fest. Wichtige Ziele sind der Zugang zum Arbeitsmarkt, Gewährleistung von Chancengleichheit, die Förderung der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung oder auch Barrierefreiheit am Arbeitsplatz.

Aber wie ernst nimmt denn die Bundesregierung diese Konvention?

Sie erinnern sich: Dem allen haben sie in diesem Hause vor einigen Jahren zugestimmt. Ich sage Ihnen, von einer inklusiven Arbeitswelt sind wir Lichtjahre entfernt.

Die Lage von Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt ist leider ein großes Trauerspiel.

Seit Jahren rührt sich nichts an der hohen Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderung. Aktuell sind es in der Statistik über 183.000 schwerbehinderte Menschen. Das ist im Vergleich zu 2008 ein erschreckender Anstieg von über 10 Prozent.

Bei Betrieben mit mindestens 20 Arbeitsplätzen müssen wenigstens 5 Prozent Menschen mit Behinderung beschäftigt sein.

Wenn sie es nicht erfüllen, ist eine Ausgleichsabgabe zu zahlen. Viele Unternehmen kaufen sich mit dieser Abgabe von dieser Pflicht frei. Und deshalb wird die Quote von 5 Prozent von Jahr zu Jahr nicht erfüllt.

Ein anderes Problem: Wenn ein schwerbehinderter Arbeitsloser seine Arbeitslosigkeit beendet, findet nur jeder siebte eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt. Zum Vergleich: bei nicht schwerbehinderten Arbeitslosen gilt dies in fast jedem dritten Fall.

Arbeitgeber klagen regelmäßig über Fachkräftemangel. Ich kann es fast nicht mehr hören. Anstatt zu jammern sollten Arbeitgeber ihren Blick auch auf das große Potenzial von Menschen mit Behinderung richten.

Wissen sie, gut qualifizierte und hochmotivierte Menschen mit Behinderung kommen in meine Bürgersprechstunden und erzählen mir, wie schwer bis unmöglich es für sie ist, einen Job zu finden. Das macht mich wirklich wütend.      

Ich verstehe nicht, dass in einem wirtschaftlich so gut dastehenden Land, es nicht möglich ist, mehr Menschen mit Behinderung in würdevolle Arbeit zu bringen. 

 Dabei ginge es auch anders. Wir LINKE wollen unter anderem:

-     Erhöhung der Pflichtquote, zumindest wieder auf 6 Prozent

-     Erhöhung der Anreize für Unternehmen 

-     bessere und dauerhafte Förderung der Beschäftigung behinderter Menschen

Und eines will ich ganz besonders herausheben. Dass Menschen, die heute gute Arbeit in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung leisten, eine Chance zum Übergang in den regulären Arbeitsmarkt bekommen müssen. Das würde das Klima in der Arbeitswelt entscheidend und positiv beeinflussen.  

Ganz wichtig ist es, dass bei einem solchen Wechsel die besonderen Rentenansprüche von Menschen mit Behinderung erhalten werden.   

Wichtig ist aber auch, Barrierefreiheit umfassend am Arbeitsplatz umzusetzen und zwar grundsätzlich so, dass Menschen mit und ohne Behinderung beschäftigt werden können.

Sehr geehrte Damen und Herren von der Bundesregierung,

bitte begreifen sie die UN-Behindertenrechtskonvention nicht länger als ein schön zu lesendes Dokument, verstehen sie es als eine handfeste Arbeitsanweisung.

Fangen Sie an, an einer inklusiven Arbeitswelt zu arbeiten. Die Barrieren am Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung müssen endlich eingerissen werden. Schluss mit jeder Form von Diskriminierung.

Ich danke für die Aufmerksamkeit.