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Diäten können ein Einstieg in spätere Essstörungen wie Magersucht sein

Rede von Martina Bunge,

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die moderne Frau soll stark, unabhängig, erfolgreich und natürlich attraktiv sein, wobei attraktiv häufig mit schlank gleichgesetzt wird. Einen wesentlichen Beitrag hierzu liefern unzählige direkte und indirekte Werbebotschaften, die Frauen in einem vermeintlich perfekten, weil schlanken Körper zeigen.

Auch wenn es ein absurdes Frauenbild ist ich erinnere an meine Vorrednerin , das von den Medien tagtäglich vermittelt wird, dem Gebot der Schlankheit können sich Frauen vor allen Dingen in jungen Jahren kaum entziehen. Ja, es wurde gesagt: Auch Männer stehen zunehmend unter dem gesellschaftlichen Druck, den perfekten Körper anzustreben.
Diäten können ein Einstieg in spätere Essstörungen wie Magersucht sein, was hier vorrangiges Thema ist. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen greift insofern in ihrem Antrag ein wichtiges Thema auf. Doch vieles, was Sie in Ihrem Maßnahmepaket schreiben, geht meines Erachtens nicht über die fast zeitgleich gestartete Kampagne der Bundesregierung "Leben hat Gewicht" hinaus.

(Irmingard Schewe-Gerigk (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Unser Antrag war vor der Kampagne!) - Einen Tag eher. Ich habe extra nachgesehen.
So wird beispielsweise die Sensibilisierung der Medien so lange ohne nennenswerte Konsequenzen bleiben, solange immer noch in der Mode-, Werbe- und Medienindustrie die Möglichkeit besteht, mit Schlankheitswahn und Diätangeboten einen höheren Gewinn zu erzielen. Dass hier ein großes Potenzial besteht, wird niemand bestreiten. Denn schließlich wird niemand jemals die vermeintliche Idealfigur erreichen.

Die Ursachen für Essstörungen sind nicht unbekannt. Sie sind vielfältig und nicht ausschließlich in falschen Vorbildern zu suchen. Sie stehen insbesondere im Kontext zu den sich verändernden Leitbildern und Anforderungen an Frauen, zur Auseinandersetzung mit der eigenen Geschlechterrolle, zum starken Konkurrenz- und Leistungsdruck und auch zur familiären Situation und zu persönlichen Erlebnissen.

Eine Essstörung kann Ausdruck einer Bewältigungsstrategie sein und Gefühle wie Angst, Überforderung und Einsamkeit verdrängen. Die Kontrolle über das Essen kann ein Gefühl bislang unbekannter Sicherheit und Macht vermitteln, zumindest zu Beginn. Entscheidend ist, dass wir die Existenz, die Gründe und Zusammenhänge einer Essstörung in den Blick nehmen und Raum und Atmosphäre schaffen, damit sich die Betroffenen äußern können.

(Beifall bei der LINKEN)

Zudem sind Ansätze zur Prävention von Essstörungen dringend zu stärken und auszubauen. Kampagnen allein reichen nicht. Komplexe Präventionsansätze müssen bereits in den jungen Lebensjahren ansetzen und nicht nur die Risikofaktoren in den Blick nehmen, sondern auch es ist gesagt worden die persönlichen Ressourcen stärken. Die Ansätze müssen alters- und geschlechterspezifisch sein.
Eine Voraussetzung für gesunde Ernährung ist, die Mittel dafür zu haben. Armut hat erhebliche Auswirkungen auf das Essverhalten, vor allen Dingen dann, wenn die Regelsätze das ist ernährungswissenschaftlich bewiesen nicht ausreichen. Deshalb lautet auch aus dieser Sicht unsere Forderung: Hartz IV muss weg!

(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)

Schnellstens sollten wir wenigstens ein unentgeltliches Schulessen einführen, damit eine gewisse Grundlage gelegt werden kann.

(Beifall bei der LINKEN Josef Philip Winkler (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Das hat nichts mit dem Problem Magersucht zu tun! Arme Leute haben eher zu viel Gewicht! Immer diese Hartz-IV-Scheibe!)

Ich frage mich, wann wir hier endlich einmal wir haben im Plenum sehr viel über Ernährung und Bewegung diskutiert über einen komplexen Ansatz sprechen können, nämlich über das angekündigte Präventionsgesetz. Dies wäre ein langfristiger, dauerhafter und flächendeckender Ansatz. Aber wie ich heute auf einer Tagung gehört habe: Es steht in den Sternen, ob wir dieses Präventionsgesetz bekommen. Das finde ich sehr schade. Denn das wäre der Ansatz, den wir brauchen. Danke schön.

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)