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Bundestagsrede / Goethe-Institute

Rede von Lukrezia Jochimsen,

Dr. Lukrezia Jochimsen (DIE LINKE):
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Willkommen heute Nachmittag im Kammerspieltheater zur Thematik des Goethe-Instituts!
Gestern haben wir ausführlich und grundsätzlich über die Chancen und Herausforderungen diskutiert, die mit der Aufgabe verbunden sind, kulturelle Vielfalt zu erhalten und allen Menschen zugänglich zu machen. Heute befassen wir uns mit einem herausragenden konkreten Beispiel dieser kulturellen Vielfalt, dem Goethe-Institut oder besser: den Goethe-Instituten, 15 hierzulande, 129 im Ausland. Die Koalitionsfraktionen haben einen Antrag vorgelegt, diese traditionsreiche Institution durch ein neues Konzept zu stärken. Wir begrüßen diesen Antrag und werden ihm auch zustimmen.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)
Wir finden, dass die Regierungsparteien gute Arbeit geleistet haben. Das ist ein Grund für die Opposition, dies anzuerkennen. Viele Forderungen im Antrag richten sich vor allem an die Haushälter dieses Parlaments. In der Tat: Nach gravierenden Sparmaßnahmen in den letzten Jahren und notwendigen Reformen des Apparates wird es in Zukunft vor allem darum gehen, dem Institut zu helfen, die neu definierten Aufgaben bewältigen zu können. Diese Aufgaben tragen im Kern allerdings ein Zerreißpotenzial in sich. Denn was alles verlangen wir vom Goethe-Institut? Einerseits, in Asien und im Nahen und im Mittleren Osten verstärkt präsent zu sein; andererseits, sich weiterhin in den Weltregionen, zu denen es langjährige Verbindungen gibt - etwa Afrika und Lateinamerika -, zu engagieren. Dann verlangen wir vom Goethe-Institut auch noch, Europa nicht zu vernachlässigen und Deutschland nicht zu vergessen.
Gerade die Arbeit im Inland muss nun zügig neu durchdacht und vor allem transparent gemacht werden. Der Kollege Gauweiler hat darauf ausführlich hingewiesen, Stichwort "kulturelle Integrationsangebote für Zuwandererfamilien", also Deutschkurse für Migrantinnen und Migranten. Die Schönheit der deutschen Sprache, wie der Kollege von der FDP vorhin gesagt hat, kann, soll und müsste nun auch einmal in Deutschland aufleuchten. Da erwarten wir vom Goethe-Institut also eine wirkliche Initiative. Ich finde, es ist viel Zeit vergangen, die nicht genutzt wurde.
Wenn man sich den ganzen Aufgabenkatalog vornimmt, drängt sich natürlich die Frage auf: Geht es hier nicht um die Quadratur des Kreises? Dennoch: Die Arbeit muss geschultert werden. Die Alternative wäre nicht zu akzeptieren.
Was die Inhalte der künftigen Struktur des Goethe-Instituts betrifft, erscheint mir eine Aufgabe noch besonders wichtig. Im Antrag heißt es:
Das Goethe-Institut wird die Entwicklung einer Bürgergesellschaft und einer europäischen kulturellen Öffentlichkeit unterstützen ... Sehr einverstanden! Weiter heißt es:
... und sich an der Weiterentwicklung einer transatlantischen Wertegemeinschaft beteiligen.
Das wäre wahrlich des Schweißes der Edlen wert.
Eine Weiterentwicklung der transatlantischen Wertegemeinschaft muss jene neuen kritischen kulturellen und politischen Kräfte in den USA einbeziehen, die die Zustände verändern wollen, die dort zurzeit herrschen und die leider auch, von dort ausgehend, in so vielen Ländern dieser Welt das Bild prägen. Gerade für diese Arbeit wünschen wir dem Goethe-Institut Erfolg.
Danke schön.
(Beifall bei der LINKEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)