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Bioverpackungen machen Sinn

Rede von Eva Bulling-Schröter,

Eva Bulling-Schröter (DIE LINKE): Ich kann vorausschicken, dass wir den Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen unterstützen. Verpackungen aus biologisch abbaubaren Werkstoffen machen in mehrerer Hinsicht Sinn. Erstens. Sie können auf der Basis nachwachsender Rohstoffe wie Stärke, Zucker, Zellulose, Pflanzenöle oder Proteine hergestellt werden. Der Vorteil liegt auf der Hand: Wir sparen wertvolle fossile Rohstoffe und vermindern den Ausstoß von Kohlendioxid.
Zweitens. Sie fördern den Gedanken der Kreislaufwirtschaft. Hier wird am Produkt angesetzt und nicht nachher aufwendig getrennt und recycelt. Dadurch wird übrigens wiederum Energie eingespart. Drittens. Sie verringern weitere Abfallprobleme wie das Vermüllen, und zwar dadurch, dass weggeworfene
Verpackungen schnell in der Umwelt schadlos zersetzt werden.
Und viertens schaffen sie Einkommensalternativen für die deutsche Landwirtschaft. Unserer Ansicht nach sollten nicht nur Verpackungsmaterialien aus biologisch abbaubaren Werkstoffen hergestellt werden, sondern auch Einweggeschirr oder Folien für den Garten und den Landschaftsbau. Anwendungsbereiche sind auch Produkte wie Bindegarne oder Pflanztöpfe. Um die Anwendung im Landschaftsbau oder in der Landwirtschaft voranzubringen sollte schnellstmöglich eine DIN-Norm entwickelt werden, die die Abbaubarkeit im Freilandbereich regelt. Denn wie wir von der Forschungsgemeinschaft Biologisch Abbaubare Werkstoffe, FBAW, in Hannover wissen, bestehen einige Produkte aus diesem Bereich aus einem Verbund von nachwachsenden und nicht nachwachsenden Rohstoffen. Es muss aber gewährleistet sein, dass das Produkt in jedem Fall vollständig biologisch abbaubar ist. Das kann eine DIN-Norm leisten. Eine solche DIN-Zertifizierung wurde bereits auf Initiative von European Bioplastics und FBAW für den Bereich Biokompostierung entwickelt. Allerdings fehlt es hier noch an einer entsprechenden Regelung in der Bioabfall- Verordnung. Nach der muss nämlich momentan Bioabfall zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Es ist jedoch nicht einsichtig, dass Verpackungen, die lediglich zu einem geringen Teil aus nicht nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wurden, aber entsprechend der DIN EN 13432 nachweislich vollständig kompostierbar sind, der Weg in die Biotonne verbaut wird.
In den Niederlanden, Großbritannien, Italien und der Schweiz gibt es diese Einschränkung nicht. Die Anwendung solcher Verpackungen hat davon profitiert.
Biologisch abbaubare Verpackungen müssen also aus unserer Sicht nicht in jedem Fall vollständig aus nachwachsenden Rohstoffen gemacht sein, obwohl das vielleicht ökologisch der konsequenteste Weg wäre. Aber man muss ja die Sache technisch-ökonomisch nicht schwieriger gestalten, als sie ohnehin ist. Davon hat
dann die Umwelt auch nichts. Die Linke unterstützt das Anliegen der Grünen, rechtlich den Weg für die Verbrennung von Bioverpackungen freizugeben.
Die energetische Nutzung wäre hier weitgehend CO2-neutral und es würde für bestimmte mögliche Anwendungen den letzten Kick für eine positive Bilanz geben. Damit kann die Anwendung solch innovativer Materialien nach vorn gebracht werden.
Die rot-grüne Bundesregierung hat von April 2001 bis März 2002 einen Demonstrationsversuch in Kassel zur verstärkten Verwendung kompostierbarer Verpackungen in der kommunalen Bioabfallsammlung gestartet. Es gab bereits hoffnungsvolle Ergebnisse. Auch in anderen Forschungsprojekten wurden öffentliche Mittel investiert. Nun käme es darauf an, die Entwicklung dieser Werkstoffe von der Bundesregierung weiterhin nach vorn zu bringen. Neben den rechtlichen Schritten wären das Maßnahmen im Bereich der Materialentwicklung und Produktanwendung sowie der Forschungsförderung. Nicht zuletzt muss die Produktkennzeichnung verbessert und die Bevölkerung besser aufgeklärt werden. Denn es wäre schade, wenn die Bioverpackungen am Ende in der falschen Tonne landen.