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Biodiversität konsequent geschützt?

Rede von Sabine Stüber,

Rede zu Protokoll der Plenarsitzung am 17.06.2010 TOP 25

Frau/Herr PräsidentIn,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

in Vorbereitung dieser Rede blätterte ich durch verschiedene Zeitschriften, Broschüren und recherchierte im Internet. In themenspezifischen Beiträgen wird immer wieder Alarm geschlagen, ob von Fachbehörden aus Bund und Ländern oder den verschiedenen Umwelt- und Naturschutzverbänden in unserem Land:

„Für Fledermäuse geht es ums Überleben“ - so die Deutsche Umwelthilfe
„Deadline - die Zeit läuft für die letzten 3.200 Tiger“ - schreibt der WWF
„30 Vogelarten, mehr als je zuvor, sind in Deutschland vom Aussterben bedroht“ - warnt der NABU
„Rette die Wale“ - fordert der WWF.

Die Liste könnte ich fortführen, aber eigentlich war ich auf der Suche nach einigen guten Beispielen zum Schutz der biologischen Vielfalt. Ich meine nicht die vielen kleinen punktuell wirkenden und gut gemeinten Projekte. Sie sind immens wichtig, wo wären wir ohne sie. Aber ich suchte nicht nur einen Ansatz zur Rettung einer Art. Denn es sind die Lebensräume, die nicht weiter zerstört werden dürfen - die Meere, die Wälder weltweit, auch die Tropenwälder, die Mangrovensümpfe, die Moore, die Kulturlandschaften. Die Wirkung einer Zerstörung von Lebensräumen ist überregional, ja global.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Ergebnisse haben mich ebenso deprimiert wie die Beschreibung der Defizite beim Schutz der biologischen Vielfalt im Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, um den es heute geht: „Biodiversität national und international konsequent schützen“.

Im Januar haben wir es alle schon gesagt: Das Ziel, den Verlust der biologischen Vielfalt umzukehren, wird weit verfehlt. Wir schaffen es nicht einmal, ihn zu stoppen. Das war ernüchternd. Nun ist die Hälfte des Jahres um, und wir sind insgesamt nicht sehr viel weiter gekommen. Und genau das ist unser Dilemma und genau das ist das Thema des Antrages.

Die im Antrag genannten Forderungen an die Bundesregierung benennen treffend die Defizite beim Schutz der Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes, unserer Lebensgrundlage.

Es geht um viel, um nicht gleich zu sagen, es geht um alles. Ich will jetzt nicht mit Zitaten aus dem 1972 erschienen Bericht des Club of Rome “Die Grenzen des Wachstums“ anfangen. Aber die gleichen Autoren haben 1992 eine weiteres Buch geschrieben: „Die neuen Grenzen des Wachstums“. Sie kommen zu keinem anderen Ergebnis: Es geht um ein generelles Umdenken. Einer der Autoren, Stewart Udall, beschreibt es so: „ Alles deutet darauf hin, dass wir ständig die Rolle unserer technologischen Schöpferkraft überbewerten und die Bedeutung unserer natürlichen Ressourcen unterschätzen. Uns fehlt der Sinn für die Grenzen und das Bewusstsein für die Bedeutung der Ressourcen dieser Erde...“

Jetzt, nach wiederum 20 Jahren, sage ich, dass uns vielleicht der Sinn für die Grenzen immer noch fehlt, aber die Bedeutung der natürlichen Ressourcen dringt langsam doch in unser Bewusstsein. Die Fakten sind lange genug bekannt, auch was getan werden muss. Der Schutz der Lebensräume ist heute die Aufgabe, weltweit. Aber lassen sie uns benennen, was Deutschland leisten kann. Der sozial ökologische Umbau der Gesellschaft ist zu schaffen und das wäre schon die halbe Miete.

Danke