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Bekämpfung von Doping bedarf gesamtgesellschaftlicher Lösung

Rede von Katrin Kunert,

Herr Präsident/ Frau Präsidentin,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Geständnisse ehemaliger Radprofis, Trainer und Ärzte in den vergangenen Wochen habe die Debatte über die wirksamere Bekämpfung des Dopings im Sport erneut angeheizt. Doping ist die Verwendung von leistungsfördernden Substanzen. Dieses Phänomen ist nicht nur im Sport zu verzeichnen. Im Beruf, in der Musikbranche, im Freizeitbereich - in der ganzen Gesellschaft befördert der Leistungsdruck Doping. Dies wird hervorgerufen durch den Druck von Arbeitgebern, Managern und eben auch von Sponsoren.
Es muss also auch darüber gesprochen werden, welchen Einfluss in der Vergangenheit die Sponsoren auf den Sport leider genommen haben und in Zukunft aus unserer Sicht eher nehmen sollten. Es ist zwar zu begrüßen, dass die Telekom nun ihre finanziellen Mittel zur Bekämpfung des Dopings im Sport erhöht hat - bei weitem jedoch noch nicht in ausreichendem Maße. Der Telekom ist der Sport 70 Mio. € jährlich wert. 15 Mio. € davon fließen in den Profiradsport. Aber die Bekämpfung des Dopings ist der Telekom jährlich nur 50.000 € wert. Diese Summe geht an die NADA.
Dieses Beispiel zeigt, wie Kommerz und Sport leider bedingen.

In der DDR war Doping im Leistungssport politisch gewollt und staatlich organisiert. Heute wird Doping im Sport privat organisiert und Zuschauerinnen und Zuschauer finanzieren die Übertragungen von Sportereignissen, obwohl alle wissen: Hier haben kriminelle Organisationen mitgewirkt.
Manche Äußerungen zur Einmaligkeit des Dopingsystems im DDR-Sport müssen in diesem Zusammenhang offensichtlich relativiert werden.

Sich bei der Bekämpfung des Dopings im Sport auf den Leistungssport zu konzentrieren ist nicht akzeptabel. Denn zahlenmäßig ist das Doping im Sport in erster Linie ein Problem im Breiten- und Freizeitsport sowie bei Amateur-Wettkämpfen.
Im Durchschnitt greifen 6 % aller Besucherinnen und Besucher von Fitnessstudios zu Anabolika und anderen Präparaten zum Muskelaufbau - das sind über 200.000 Menschen. Allein in Deutschland wurden im Jahre 2002 für ca. 100 Millionen illegale Dopingmittel verkauft. Gewinner ist hier die Pharmaindustrie.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass 1,4 bis 1,9 Mio. Menschen in Deutschland medikamentenabhängig sind - davon sind 70 % Frauen.
Zum ersten Mal wurde im aktuellen Drogen- und Suchtbericht vom Mai dieses Jahres der Medikamentenmissbrauch im Sport als Problem erkannt. Vornehmlich für junge Männer als Hauptkonsumenten sei das Gefährdungspotential hoch.

Wir brauchen also auch eine Wertedebatte. Sport hat zu tun mit Fairness und Freude. Doping ist sportlicher Betrug, unfair und vor allem gesundheitsschädigend. Sportliche Ziele sollten mit intelligentem Training, gesunder Ernährung und einem entsprechenden Lebensstil erreicht werden.

Die von den Grünen und der FDP eingebrachten Anträge unterstützen wir in den Punkten, in denen sie fordern:
• verbesserte präventive Maßnahmen zur Bekämpfung des Dopings im Sport,
• das Inverkehrbringen von Arzneimitteln zu Dopingzwecken im Sport als besonders schweren Fall zu behandeln, soweit eine banden- oder gewerbsmäßige Begehungsform in Rede steht,
• bei den Ländern für die Schaffung von Schwerpunktstaatsanwaltschaften zu werben,
• stärkeres finanzielles Engagement der Bundesregierung und der privaten Wirtschaft, um die Arbeit der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) zu verbessern,
• engere Zusammenarbeit von staatlichen Institutionen und Sportorganisationen.

Der von den Grünen vorgeschlagenen Einführung eines Straftatbestandes der Verfälschung des wirtschaftlichen Wettbewerbs im Sport („Sportbetrug“) als Vorfeldtatbestand kann jedoch nicht zugestimmt werden. Die Wettbewerbsgleichheit im Sport stellt kein durch das Strafrecht zu schützendes Rechtsgut dar.

Die Einführung der Strafbarkeit des Besitzes nicht geringer Mengen von Arzneimitteln zu Dopingzwecken ist überflüssig, soweit das Vorliegen dieses Tatbestandes den Handel indizieren soll. Dieses ist nach geltendem Recht bereits strafbar. Der Versuch des Inverkehrbringens - also auch der Handel - von Arzneimitteln zu Dopingzwecken im Sport ist strafbewehrt. Die Schaffung einer “Kronzeugenregelung” auch im Bereich des AMG beim Vorliegen eines besonders schweren Falles infolge des noch zur Beratung anstehenden Gesetzentwurfs der Bundesregierung ist aus grundsätzlichen rechtspolitischen Erwägungen abzulehnen.
Die in Aussicht gestellte Erweiterung des § 100a Strafprozessordnung - Telekommunikationsüberwachung - wird abgelehnt. Der Katalog des § 100a StPO sollte nur auf bestimmte schwere Delikte begrenzt bleiben und nicht uferlos ausgeweitet werden. Die von der FDP angeregte Prüfung zu einem späteren Zeitpunkt ändert daran nichts.

DIE LINKE will bezüglich des Sportlers keine Änderungen des Strafrechtes - der Besitz von Arzneimitteln zu Dopingzwecken sollte weiterhin straffrei bleiben.
Der Konsum von Dopingsubstanzen kann wegen der durch das Grundgesetz geschützten allgemeinen Handlungsfreiheit ohnehin nicht mit Strafe bedroht werden. Die gegenteilig vertretene Ansicht, wonach das Grundgesetz die körperliche Unversehrtheit schützt und deshalb auch der dopende Sportler bestraft werden könne, verkennt, dass dieses Grundrecht vor Eingriffen des Staates schützen soll.

Erstens fordern wir die Bundesregierung auf, ein Konzept zu entwickeln, mit dem Sportlerinnen und Sportlern die Vereinbarkeit von Sport, Berufsausbildung, Studium und Beruf tatsächlich ermöglicht wird, um deren finanzielle Abhängigkeit durch eine gesamtgesellschaftliche Begleitung zu ersetzen.

Zweitens erwarten wir von der Bundesregierung die Vorlage eines Sportförderungsgesetzes des Bundes.

Drittens ist über die eingeleiteten Maßnahmen zur Bekämpfung des Dopings im Sport regelmäßig im Rahmen des Drogen- und Suchtberichtes der Drogenbeauftragten zu berichten.

Arzneimittelmissbrauch ist eine Krankheit. Uns geht es darum, Doping als Sucht in Gesellschaft und Sport zu bekämpfen.

Vielen Dank!