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Beim EU-Schulobst-Programm ist der Bund in der Pflicht

Rede von Karin Binder,

Karin Binder (DIE LINKE):

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste!
918 582 Kinder haben laut der Pressemitteilung vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Schuljahr 2012/2013 an dem EU-Schulobstprogramm teilgenommen. Das ist eine tolle Zahl; aber es ist leider nur ein Bruchteil der Kinder, die in Deutschland in die Kindergärten und Schulen gehen. Es sind über 11 Millionen Kinder; das heißt, über 10 Millionen Kinder kamen leider nicht in den Genuss dieses Programms.

Dabei wissen wir alle: Obst und Gemüse sind unerlässlich für eine ausgewogene und gesunde Ernährung. Wer schon als Kind Obst und Gemüse gegessen hat, wird diese schöne Gewohnheit sicherlich nicht so schnell aufgeben und ein Leben lang davon profitieren. Übergewicht und ernährungsbedingten Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird hier gut vorgebeugt. Die Linke unterstützt deshalb dieses Schulobstprogramm der EU, und wir unterstützen auch den vorliegenden Gesetzentwurf, wonach der Finanzierungsanteil entsprechend steigen soll.

Allerdings wünschen wir uns deutlich mehr Engagement vom Bund.

(Beifall bei der LINKEN)

Mit unserem Entschließungsantrag fordern wir deshalb die Bundesregierung auf, sich um die Kofinanzierung zu bemühen. Der Anteil würde vorerst wahrscheinlich nur ungefähr 5 Millionen Euro betragen, aber wir würden weit mehr Kinder erreichen als bisher. Für die Kofinanzierung gibt es mehrere gute Gründe:

Erstens hat der Bund eine Fürsorgepflicht gegenüber allen Kindern und Jugendlichen in diesem Land

(Beifall bei der LINKEN)

und trägt auch die Verantwortung für die Gesundheitsvorsorge.

Zweitens ist dieses Schulobstprogramm Teil eines Absatzförderungsprogramms für die Landwirtschaft. Das ist wunderbar; auch wir begrüßen das. Wir sind sehr dafür, dass regionale Landwirtschaft und Gartenbaubetriebe unterstützt werden.

(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)

Diese Absatzförderung ist aber aus meiner Sicht eine Aufgabe des Bundes.

Drittens nehmen bisher leider nur sieben Bundesländer an diesem Programm teil. Grund dafür ist, dass viele Bundesländer schlichtweg die Mittel nicht mehr haben, um sich an der Finanzierung zu beteiligen.

Ein weiterer Grund liegt in der Bürokratie. Im Moment kann nicht die Rede davon sein, dass bundesweit gleichwertige Verhältnisse bestehen. Eine Aufgabe des Bundes ist doch die Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen Nord und Süd, Ost und West. Wir von den Linken fordern den Bund auf, sicherzustellen, dass alle Kinder und Jugendlichen an diesem Programm teilnehmen können. Deshalb brauchen wir die Kofinanzierung des Programmes durch den Bund und nicht über die Länder allein; denn allen Schulen muss die Möglichkeit eröffnet werden, daran teilzunehmen.

Wichtig ist auch, die bürokratische Hürde herunterzusetzen.

(Beifall bei der LINKEN)

Ich höre den Amtsschimmel ganz laut wiehern angesichts dessen, dass Lehrerinnen und Lehrer nach Vorgaben der EU-Bürokratie nicht mitessen und um Himmelswillen nicht in den Obstkorb greifen dürfen. Das Gegenteil muss doch der Fall sein: Die Lehrer sollen als Vorbilder fungieren; sie sollen den Kindern zeigen, dass Obst und Gemüse toll schmecken, und sie ermuntern, hineinzubeißen. Einen solchen bürokratischen Unsinn kann ich überhaupt nicht verstehen. Deshalb fordere ich die Bundesregierung auf, diesem ein Ende zu setzen und ihr ganzes Gewicht in die Waagschale zu werfen, damit das auf europäischer Ebene geändert wird.

(Beifall bei der LINKEN)

Abschließend ein weiterer Punkt. Wir müssen erreichen, dass in den Schulen Trinkwasserbrunnen aufgestellt werden, damit sich die Kinder nicht auf dem Klo das Glas Wasser füllen müssen. Das machen Kids oder Teenager bestimmt nicht gerne. Die Möglichkeit, Trinkwasser aus Trinkwasserbrunnen zu nehmen, führt dazu, dass Kinder keine süße Limonade oder gesüßte Säfte zu sich nehmen; denn auch das hat   das wissen wir alle   einen erheblichen Anteil an der Entstehung von Übergewicht. Trinkwasser kostenfrei und flächendeckend in den Schulen zur Verfügung zu stellen, ist eine wichtige Forderung. Davon hätte der Bund ganz viel Gewinn, nämlich gesunde Kinder und gesunde Erwachsene mit weniger Übergewicht.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der LINKEN)