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Bauhaus-Jubiläum: Die Welt neu denken! Das fängt im Parlament an – mit fraktionsübergreifender Zusammenarbeit

Rede von Harald Petzold,

Harald Petzold (Havelland) (DIE LINKE):

Vielen Dank. - Herr Präsident! Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste! Ich gebe der Kollegin Bertram völlig recht: Die Welt neu denken - der 100. Jahrestag der Gründung des Bauhauses im Jahr 2019 ist ein guter Einstieg in unsere kulturpolitischen Diskussionen in diesem Jahr. Aber, verehrte Kolleginnen und Kollegen von den Koalitionsfraktionen - die Welt neu denken -, können Sie mir einen vernünftigen Grund dafür nennen, warum Sie in dieses Denken nicht vorab auch die Oppositionsfraktionen einbezogen haben?

(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

So wie Sie hier vorgehen, reklamieren Sie das Bauhaus quasi für sich selbst als eine kulturelle Angelegenheit mit Ursprung in den wenigen Jahren der Weimarer Demokratie. Ich sage Ihnen: Für uns war das Bauhaus in seiner politischen Wirkung vor allem ein Ausdruck und eine Reaktion auf die schroffen sozialen Gegensätze. Deswegen ist sein kulturelles Erbe eines, das niemand für sich allein beanspruchen darf.

(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Deswegen sagen wir: Dieses 100-jährige Jubiläum, das Sie im Koalitionsvertrag zu Recht als ein Jubiläum von weltweiter Strahlkraft bezeichnen, ist eine Angelegenheit des ganzen Landes, des ganzen Volkes und demzufolge selbstverständlich auch aller im Bundestag vertretenen politischen Kräfte.

Über welche Punkte sollten wir vielleicht noch einmal gemeinsam diskutieren? Grundsätzlich haben Sie beim Bauhausjubiläum auf jeden Fall unsere Unterstützung. Ich habe den Antrag einem meiner Nachbarn zum Lesen gegeben. Er hat ihn sich angesehen und mich danach gefragt: Warum redet ihr im Bundestag über Baumärkte? Ich fragte Ihn: „Wie kommen Sie denn darauf?“, und er antwortete: Na, hier steht doch „Exportartikel“.

(Heiterkeit bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Genau, wir sollten das Bauhaus nicht auf einen kulturellen Exportartikel reduzieren.

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Die Kollegin Bertram hat hier völlig richtig Walter Gropius als Beispiel genannt. Für Gropius war Bauen und vor allen Dingen der Wohnungsbau eine zutiefst soziale Aufgabe. Es ging ihm um bessere Lebensverhältnisse für alle. Deswegen, denke ich, müssen diese Ideen - wir haben mit der Siemensstadt ein Beispiel vor der Haustür - eigentlich einen viel größeren Stellenwert in unserer Würdigung des Bauhausjubiläums einnehmen.

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Wenn wir die Bedeutung der Ideen und Inhalte des Bauhauses für unsere heutige Gesellschaft stärker in den Vordergrund rücken wollen, dann müssen wir auch die unterschiedlichen Ideen und Strömungen, für die seine Leiter und die Akteure stehen, stärker herausarbeiten und öffentlich würdigen. Dann werden Sie auch nicht umhin kommen, neben Walter Gropius und neben Ludwig Mies van der Rohe auch den zweiten Bauhausdirektor stärker zu berücksichtigen und zu würdigen: Hannes Meyer. Seine Ideen und Bauwerke wurden viel zu lange totgeschwiegen und sind nahezu vergessen. Möglicherweise hat dies damit zu tun, dass der überzeugte Sozialist Meyer für das Bauhaus die Losung „Volksbedarf statt Luxusbedarf“ ausgegeben hatte, oder damit, dass er - im Gegensatz zu den teuren iPhones von heute - erschwingliche Bauhaus-Produkte für alle wollte, oder damit, dass er darüber hinaus einen wissenschaftlich fundierten Unterricht und das Kooperationsprinzip propagierte, die Idee einer kollektiven und kooperativen Gestaltung. Das ist in einer Zeit, in der Individualismus zum Heiligen Gral gesellschaftlichen Zusammenlebens erklärt wird, natürlich nicht beliebt.

Folglich muss unserer Meinung nach sowohl in dem vorliegenden Antrag als auch in dem Drehbuch für das 100-jährige Bauhaus-Jubiläum der Person Hannes Meyers und insbesondere dem von ihm entworfenen Bau der ehemaligen Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bernau, meinem Betreuungswahlkreis, eine viel größere Bedeutung beigemessen werden. Bisher kommt das nur am Rande vor.

(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Sven-Christian Kindler (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN))

Ich denke, wir brauchen für die Bauvorhaben in Berlin und Dessau konkrete und abrechenbare Zeit- und Maßnahmeschienen. Die späte Bewilligung der Bundesgelder birgt nach unserer Auffassung die Gefahr in sich, dass die Häuser nicht rechtzeitig bis 2019 fertiggestellt werden.

Meine Damen und Herren, „die Welt neu denken“ ist ein wunderbarer Anspruch, sowohl zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum als auch in unserer heutigen Zeit. Deswegen kann ich nur an Sie appellieren: Lassen Sie uns das gemeinsam umsetzen und tatsächlich einen Antrag aller Fraktionen auf den Weg bringen! Der Kollege Kühn hat diesen Vorschlag in der Ausschussberatung mit den Vertretern des Bauhaus-Verbundes deutlich formuliert. Ich finde, diese Idee ist unbedingt zu unterstützen.

Vielen Dank.

(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)