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Auswärtige Sportförderung ausbauen statt kürzen

Rede von Frank Tempel,

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrter Herr Präsident,

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

„Vorurteile abbauen, Minderheiten integrieren, Werte vermitteln.“ so beschreibt Bundesaußenminister Dr. Guido Westerwelle vor einiger Zeit die Ziele der auswärtigen Sportförderung. Die Bedeutung dieser Ziele, denke ich, wird hier niemand in Frage stellen und somit dürfte in dieser Debatte doch schon mal eine gemeinsame Ausgangslage vorhanden sein.

Die Frage die wir hier klären müssen ist:

→ in welchem Maße, in welchem Volumen wollen wir für diese Ziele mit dem Mittel der auswärtigen Sportförderung arbeiten?

Wenn wir diese Frage beantworten,
→ dann geht es natürlich um Haushaltsmittel,
→ dann geht es um den Umgang, mit den Menschen, die die Arbeit in den Projekten leisten,
→ dann geht es auch um Planungssicherheit, Qualität und Vielfalt dieser geförderten Projekte.

Meine Damen und Herren,

allgemein wird bei einem hohem Aufwand die Frage nach dem Nutzen gestellt. Bei der auswärtigen Sportförderung reden wir aber von Präventionsarbeit. Vorurteile, Abgrenzung und Unwissenheit sind die Basis von Leid, von schwersten Konflikten, von Krisen, welche ganze Regionen für lange Zeit belasten. Das Problem der Prävention ist, dass sich der Erfolg erkennen, - aber nicht unmittelbar messen lässt. Das heißt - keiner wird bei nachlassendem Engagement kurzfristig sagen können, wie viele weniger Vorurteile abgebaut oder Werte vermittelt wurden. Auf keinen Fall darf das aber zu falscher Sparsamkeit verführen. Prävention wirkt nachhaltig und ist langfristig angelegt.

Das heißt die auswärtige Sportförderung ist aktive Friedenspolitik! - Ist Kampf für Menschenrechte! Es wird Menschen frühzeitig geholfen und die die Gefahr von Konflikten wird zumindest verringert. Wenn wir die Vielzahl und die Vielfalt der heutigen Konflikte - wie zum Beispiel aktuell in Mali - sehen, muss es doch ein Anliegen aller sein, diese Aufbau- und Präventionsarbeit zu forcieren und hier nicht ein bisschen nach zu lassen.

Hier im Haus wird ja schnell mal davon gesprochen, dass es internationale Solidarität sei, bei Konflikten Waffen, Militär oder Polizei zu schicken.

Die LINKE ist davon überzeugt, dass es solidarisch ist so zu helfen, dass Konflikte gar nicht erst ausbrechen oder gar eskalieren. Die LINKE ist auch davon überzeugt, das die Förderung von Sportprojekten ein sehr geeignetes Mittel in dieser Präventionsarbeit ist.

Wenn Kinder unterschiedlicher ethnischer Gruppen gemeinsam miteinander Fußball spielen, können sie lernen auch untereinander Freundschaft zu schließen. Wenn Mädchen über den Sport Selbstvertrauen und gesellschaftliche Anerkennung finden wird sich das in ihrem Umfeld auswirken. Und weil das so wichtig ist, unterstützt die LINKE den Antrag der SPD, die Mittel für die internationale Sportförderung wieder zu erhöhen.

Und natürlich meine Damen und Herren besteht dann auch die Verpflichtung, die Rahmenbedingungen für die zu verbessern, die diese Projekte vor Ort umsetzen.
Da geht es um die Ausbildung vor dem Einsatz in solchen Projekten und da geht es auch um bessere Beratung während eines solchen Einsatzes – z. B. wie im Antrag benannt in steuerrechtlichen Fragen. Die LINKE hält es aber auch für erforderlich, Perspektiven für die Zeit nach dieser Art von Auslandseinsätzen zu bieten. Der Dank für das Engagement für solche Einsätze kann nicht am Ende Harz IV sein. Wir brauchen adäquate Hilfs- und Eingliederungsprogramme um die zeitweilige Arbeit in einem internationalen Sportprojekt nicht zu einem persönlichen Zukunftsrisiko zu machen.

Die LINKE stimmt diesem SPD-Antrag also voll und ganz zu. Sehr geehrte Kollegen der Regierungskoalition, das können sie auch! Bauen Sie die auswärtige Sportförderung aus, anstatt gerade dort Einsparmöglichkeiten zu suchen! Bei der Prävention zu sparen, kann Mensch und Gesellschaft am Ende wesentlich teurer kommen.