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Ausbildung bei den Seeberufen wieder attraktiv machen - die Reeder sind am Zug

Rede von Herbert Behrens,

Beratung der Beschlussempfehlung und des Berichts des Ausschusses für Verkehr und digitale Infrastruktur (15. Ausschuss) zu dem Antrag der Abgeordneten Dr. Valerie Wilms, Beate Walter-Rosenheimer, Harald Ebner, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Maritime Ausbildung in Kooperation mit den Küstenländern neu ausrichten

Drucksachen 18/2748, 18/3895

Herbert Behrens (DIE LINKE):

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In der Tat befinden sich die maritime Wirtschaft und damit auch die maritime Ausbildung in schwerer See. Sie haben gesagt, die jungen Leute interessierten sich nicht mehr für die Ausbildungsberufe, weil sie nicht genau wissen, ob sie einen Ausbildungsplatz bekommen und ob sie dann, wenn sie ihre Ausbildung erfolgreich absolviert haben, einen Arbeitsplatz bekommen. Das motiviert keinen jungen Menschen zu Beginn seines Berufslebens, zu sagen: Ja, ich will diesen Job machen.

Wir müssen die Ausbildung bei den Seeberufen wieder attraktiv machen. Das heißt, wir müssen den jungen Leuten beweisen, dass es möglich ist, beispielsweise während des Studiums zeitnah einen Praktikumsplatz zu bekommen. Uns schreiben junge Leute, die in der Ausbildung an der Hochschule Wismar sind, dass sie einem Praktikumsplatz quasi hinterherschreiben müssen, um einen der begehrten Plätze zu bekommen. Die Nautiker, die ein Praktikum nachweisen müssen, und die anderen, die während ihres Studiums ein Praktikumssemester machen wollen, müssen sich teilweise monatelang um einen Platz bewerben und verlieren dabei entweder die Lust an ihrer Ausbildung oder lassen sich beim Studium zurückfallen, weil sie wissen, dass sie den nächsten Praktikumsplatz erst in ferner Zukunft bekommen werden. Eine solche Erfahrung sollten junge Leute zu Beginn ihrer Ausbildung nicht machen. Sie brauchen eine Perspektive, wenn es um einen vernünftigen Arbeitsplatz geht. Das sind wir ihnen schuldig.

(Beifall bei der LINKEN)

Damit sind wir am entscheidenden Punkt. Die Reeder kommen ihrer Verpflichtung nicht nach.

(Beifall der Abg. Dr. Valerie Wilms (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN))

Das von Ihnen erwähnte maritime Bündnis enthält das, was die Reeder liefern wollten und sollten, wenn sie weiterhin öffentliche Förderung haben wollen. Die Reeder haben sich verpflichtet, wieder Schiffe unter deutsche Flagge zu nehmen, damit sie jungen Leuten und ausgebildeten Seefahrern Jobs bieten können. 500 Schiffe seien nötig, sagt die Gewerkschaft Verdi, um dem gesamten nautischen Ausbildungsbedarf gerecht zu werden. 500 Schiffe, das sind 100 weniger, als die Reeder zu Beginn des maritimen Bündnisses zugesagt haben. 600 von 3 000 Schiffen wollten sie unter deutscher Flagge fahren lassen, um jungen Leuten und ausgebildeten Seefahrern Perspektiven zu bieten.

Das maritime Bündnis, 2003 geschmiedet, bedeutet, dass wir als Bund weitgehend auf Steuereinnahmen verzichten, damit die Reeder im Gegenzug bereit sind, Schiffe unter deutscher Flagge fahren zu lassen. Die Reeder sind dieser Verpflichtung nicht nachgekommen. Wie mir berichtet wurde, sind es heutzutage 183 Schiffe, die unter deutscher Flagge fahren. Das sind viel zu wenige, um die Ausbildungsplatzkatastrophe zu verhindern. Da müssen wir ansetzen.

Der Antrag der Grünen wird aber der Situation nicht gerecht. Wir sind das Bündnis eingegangen in der Annahme, dass alle drei Seiten ‑ Gewerkschaft, Bund und Reeder ‑ ihren Verpflichtungen nachkommen. Wenn es erneut Gespräche im maritimen Bündnis gibt, dann ist der Bund gefordert, die Reeder auf ihre Selbstverpflichtung hinzuweisen. Sie müssen ihren Versprechen nachkommen. Ohne Leistung gibt es keine Gegenleistung. Das ist doch in der Wirtschaft üblich. Das müssen die Reeder erkennen. An diesem Punkt muss angesetzt werden. Es sollte nicht ‑ wie im Antrag der Grünen ‑ der Versuch unternommen werden, die Ausbildung anders zu regeln. Die Reeder sind am Zug.

(Beifall bei der LINKEN)