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Arzneimittel sind keine Lutschbonbons, die man über das Internet bestellen sollte

Rede von Martina Bunge,

Rede zu Protokoll am 10. Mai 2012 zum Antrag der Fraktion DIE LINKE: "Für gute Arzneimittelversorgung Versandhandel auf rezeptfreie Arzneimittel begrenzen" (Drucksache 17/9556)

Sehr geehrte Damen und Herren,

DIE LINKE legt Ihnen hier einen Antrag vor, der einen wichtigen Beitrag dazu leistet, eine gute gesundheitliche Versorgung der Bürgerinnen und Bürger in diesem Land zu sichern.
Die Apotheke vor Ort ist ein wichtiger Baustein zu einer guten gesundheitlichen Versorgung.
Und zwar auf mehreren Ebenen:


Eine hochwertige, sichere Arzneimittelversorgung ist für die medizinische Therapie unverzichtbar.
Es ist daher enorm wichtig, dass bei einem Arzneimittel drin ist was drauf steht.
Der Versandhandel ist aber das Haupteinfallstor für Fälschungen.
Die Zahl der sichergestellten Fälschungen ist nach Angaben des Zollkriminalamtes in nur fünf Jahren um das Zwanzigfache angestiegen.
Bisherige Versuche durch Zertifizierungen und Länderlisten haben daran wenig geändert. Aber das muss sich ändern.


Arzneimittel sind auch keine Lutschbonbons, die man im Kiosk verkaufen oder über das Internet bestellen und verschicken sollte. Sie erfordern eine umfassende Kontrolle und Beratung.
Dazu ist es sinnvoll, das pharmakologische Wissen von Apothekerinnen und Apothekern für die gesundheitliche Versorgung nutzbarer zu machen.
Ideen, wie das von der ABDA und der KBV entwickelte Modell zur Arzneimittelversorgung zeigen, wohin die Reise gehen muss. Das ist mit Versandapotheken nicht möglich.
Das muss doch auch der Bundesregierung klar sein, wenn sie Modellprojekte für eine Kooperation von Ärzten und Apotheken ins Versorgungsstrukturgesetz schreibt.


Und wenn die Bundesregierung bei der Novellierung der Apothekenbetriebsordnung fordert, dass bei der Abgabe eines Arzneimittels eine Beratung aktiv angeboten werden muss, frage ich mich, wie das bei einer Internetapotheke vonstatten gehen soll?
Hier werden doch Internet- und Präsenzapotheken mit zweierlei Maß gemessen und es wird in Kauf genommen, dass Menschen, die ihre Arzneimittel im Internet beziehen, schlechter versorgt werden als Menschen, die eine Präsenzapotheke aufsuchen. Das ist mit der LINKEN nicht zu machen.


DIE LINKE fordert, dass Apotheken als Leistungserbringer anerkannt und integriert werden, anstatt Apotheken zu reinen Verkaufshäusern verkommen zu lassen, die ihre Dienst ebenso gut im Internet anbieten können. Genau das geschieht aber, wenn man den Versandhandel nicht einschränkt.
Und die gleichen, die kein Problem haben, wenn Internetapotheken rezeptpflichtige Arzneien verschicken, würden mit gutem Grund Sturm laufen, wenn Ärztinnen und Ärzte übers Internet behandelten.


Präsenzapotheken stellen oft den ersten Anlaufpunkt für Menschen dar, die gesundheitliche Beeinträchtigungen haben.
Sie können so eine Lotsenfunktion erfüllen, in dem sie beispielweise einen Arztbesuch anraten. Und sie entlasten letztlich auch die ärztliche Praxen, da sich nicht alle Menschen mit ihren Fragen gleich an den Arzt wenden müssen.


Dies gilt es flächendeckend zu erhalten und zu verbessern und nicht durch einen sich weiter ausbreitenden Versandhandel zu gefährden. Es ist doch klar, dass Präsenzapotheken schließen müssen, wenn immer mehr Arzneimittel übers Internet verschickt werden.


Wir dürfen nicht vergessen, dass der Versandhandel wegen der Zuzahlungen an Bedeutung gewonnen hat. Menschen bestellen ihre Arzneien im Internet, um Kosten zu vermindern oder zu umgehen. DIE LINKE setzt sich nicht nur für die Begrenzung des Versandhandels auf rezeptfreie Arzneien ein, sondern auch für die Abschaffung der Zuzahlungen.
Das dient der Gesundheit der Menschen doppelt: Durch eine persönliche Beratung in Apotheken und die Beseitigung von unsozialen Kosten, die kranke Menschen abhalten, sich notwendige Arzneien zu besorgen.

Und zuletzt:

Und auch, wenn es den meisten klar sein müsste: Der LINKEN geht es bei der flächendeckenden Versorgung mit Apotheken nicht vorrangig um die Apotheker wie es bei der flächendeckenden ärztlichen Versorgung nicht vorrangig um die Ärzte geht. Es geht um eine gute Versorgung der Bürgerinnen und Bürger.