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Alle Formen von Diskriminierungen thematisieren - Bürgerrechte von Fußballfans stärken

Rede von Katrin Kunert,

Sehr geehrte Frau Präsidentin,
liebe Kolleginnen und Kollegen!

Fußball ist zweifellos eine beliebte und vor allem sehr emotionale Sportart. Nirgends sonst reagieren Zuschauerinnen
und Zuschauer so emotional und heftig wie hier. Diskriminierende Äußerungen und gewalttätige Auseinandersetzungen sind beim Fußball im Vergleich zu anderen Sportarten am häufigsten anzutreffen und stellen
ein nicht zu unterschätzendes Problem dar. Deshalb begrüßt Die Linke den Antrag der Grünen ausdrücklich, sich diesem Thema zu widmen. Die hier aufgezeigten Möglichkeiten sind aus unserer Sicht durchaus geeignet, Diskriminierungen nicht nur zu thematisieren, sondern ihnen auch zu begegnen. Allerdings, und das will ich zu Beginn deutlich sagen, wenn von einem gesamtgesellschaftlichen Problem gesprochen wird, reichen die im Antrag aufgeführten Maßnahmen nicht aus.
Gewaltpotenzial ist oft auch eine Reaktion auf gesellschaftliche Bedingungen, aus einer Situation heraus, in der sich Fans befinden. Wenn Menschen aus sozial
schwierigen Verhältnissen kommen, sie selbst wenig Anerkennung im Leben erfahren, ist der Fußball mit seiner
„Gruppendynamik“ im Fanblock durchaus ein Ventil … Und Gewalt ist in der Gesellschaft inzwischen fast überall präsent! Ein Ergebnis Ihrer Politik, meine Damen und
Herren der Großen Koalition, einer Politik, die auf Entsolidarisierung und Diskriminierung setzt. Und hier muss
der gesamtgesellschaftliche Ansatz erfolgen. Unsere Fraktion hat in der Legislatur mehrfach Gespräche mit Fanvertretern geführt. Aus bürgerrechtlicher Sicht ist vor allem die Gewalttäterdatei Sport zu nennen, die zu großen Problemen in der Vergangenheit geführt hat. Hier hat die scheinbar willkürliche Speicherung von Personen dazu geführt, dass Stadionverbote ausgesprochen wurden, ohne dass die betroffenen Personen konkret wussten, was ihnen vorgeworfen wurde. Zum Teil reicht es, in Zügen oder Bussen mit Personen gefahren zu sein, die dann als Gewalttäter identifiziert wurden. Diese Pauschalierung hat zu viel Frust und Aggressionspotenzial bei den Fans geführt. Hier müssen Datenschutz und die Informationspflicht an die Betroffenen gewährleistet werden, der Überwachungswahnsinn Schäubles kann nicht alle Fans unter Generalverdacht stellen!
Natürlich muss es Präventions- und Sicherheitsmaßnahmen geben, aber die Verhältnismäßigkeit darf dabei nicht außer Acht gelassen werden. Der Umgang mit den Fans beim Weg zum Stadion wird oft zu sehr eingeschränkt, Polizeieskorten oder das Einsperren in separate Blocks im Stadion halten wir für problematisch. Der DFB betreibt deutschlandweit Fanprojekte, die in den Städten ihre Wirkung zeigen. Und das Engagement von Theo Zwanziger muss man an dieser Stelle auch würdigen.
Aber die Finanzierung dieser Projekte hängt an der Drittelung. Wir sagen, der Fußballbund hat so viel Geld und kann seinen Anteil erhöhen. Länder und Kommunen haben oft klamme öffentliche Haushalte und haben es schwer, ihren Anteil zu erbringen. Deshalb sollten Bund und DFB die Finanzierung von Fanprojekten übernehmen! Von Finanzmitteln für Sonderprogramme halte ich nicht viel, denn eine stabile Finanzierung ist erforderlich. Abschließend sei mir noch eine Bemerkung erlaubt:
Wenn alle Formen von Diskriminierungen thematisiert
werden sollen, fehlt im Antrag die Diskriminierung von
Menschen mit Behinderungen. Ein Rollstuhlfahrer empfindet
es als Diskriminierung, wenn er nicht barrierefrei ins Stadion kommt! Darüber sollten wir auch reden!