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Alexander Ulrich: Managergehälter gesetzlich beschränken!

Rede von Alexander Ulrich,

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Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist schön, dass unser Antrag „Managergehälter gesetzlich beschränken“ für ein volles Haus sorgt.

(Reinhard Houben [FDP]: Nein, das war der Hammelsprung!)

Es ist bei diesem Thema auch dringend notwendig, dass die gesellschaftliche Debatte hier im Plenum stattfindet.

(Beifall bei der LINKEN)

Wenn es dem Land gut geht, geht es den Menschen gut. Wenn es dem Betrieb gut geht, geht es den Mitarbeitern auch gut. – Dieses Versprechen der sozialen Marktwirtschaft trifft für viele Millionen Menschen in diesem Land nicht mehr zu. Das ist ein Skandal.

(Beifall bei der LINKEN)

Die Bürgerinnen und Bürger fühlen tagtäglich, dass es in diesem Staat nicht gerecht zugeht. Wenn ein Konzernchef verheerende Fehlentscheidungen trifft, dafür neben seinem sehr hohen Gehalt noch Millionen an Boni und Abfindungen kassiert, eine Verkäuferin dagegen aber für eine kleinere Verfehlung rausgeschmissen wird, dann wird das Gerechtigkeitsempfinden der Menschen zutiefst erschüttert.

(Beifall bei der LINKEN)

Es ist skandalös, dass in diesem Land immer mehr Menschen trotz harter Arbeit auch nicht ansatzweise einen halbwegs gesicherten Wohlstand erreichen können, während am oberen Ende der Einkommenspyramide Millionen eingestrichen werden, womit jeder Bezug zur persönlichen Leistung verloren geht und elementare Prinzipien von Haftung und persönlicher Verantwortung völlig außer Kraft gesetzt sind.

(Beifall bei der LINKEN)

Das sind himmelschreiende Ungerechtigkeiten. Das empfinden die meisten Menschen auch zu Recht so, wie alle Umfragen beweisen.

In den 80er-Jahren bezogen Vorstände von DAX-Konzernen etwa das 15-Fache des Durchschnittsverdienstes ihrer Angestellten. Das war schon ziemlich viel. Heute ist es völlig anders. Heute liegt dieses Verhältnis beim 71-Fachen. In besonders krassen Fällen wie bei der Deutschen Post ist es sogar das 159-Fache. Das heißt, ein durchschnittlicher Manager streicht in einem Jahr mehr als doppelt so viel ein, wie ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in seinem ganzen Erwerbsleben verdient. Dieser obszönen Entwicklung haben alle Bundesregierungen in den letzten Jahrzehnten tatenlos zugeschaut. Eine Schande!

(Beifall bei der LINKEN)

Während die Vorstände und Manager mit Milliardenbetrügereien wie Cum/Cum- und Cum/Ex-Geschäften davonkommen, sind es vor allem die Beschäftigten der Autoindustrie und die Verbraucher, die unter dem Abgasbetrug und dem Dieselskandal leiden. VW-Konzernchef Diess, der übrigens 8,5 Millionen Euro pro Jahr verdient, hat vorgestern angekündigt, 7 000 Stellen zu streichen. Es kann doch nicht sein, dass die Manager sich immer höhere Spitzengehälter zahlen und ihre Mitarbeiter für ihre Fehler bluten lassen.

(Beifall bei der LINKEN)

Erinnert sich hier jemand noch an den ehemaligen VW-Chef Winterkorn? Das war derjenige, der nach Auffliegen des Dieselskandals zurücktreten musste. Dieser Winterkorn bekommt 3 100 Euro Rente – pro Tag. Angesichts dieser schamlosen Selbstbereicherung möchte ich Sie daran erinnern, wie hoch die Durchschnittsrente ist, die ein Arbeitnehmer nach 40 oder 45 Arbeitsjahren in Deutschland hat: etwa 1 000 Euro. Und dann wundern Sie sich, dass die Menschen sich von diesem Politikbetrieb immer mehr abwenden.

Machen Sie ein Rentensystem wie in Österreich, wo die Durchschnittsrente 800 Euro höher ist als bei uns. Tun Sie etwas dafür, dass die Löhne und Gehälter wieder steigen, dass der Mindestlohn auf mindestens 12 Euro erhöht wird, mehr Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen ermöglicht wird und prekäre Beschäftigung bekämpft wird.

(Beifall bei der LINKEN)

Beenden Sie die asozialen Exzesse an der oberen Einkommensskala!

Der einzige effektive Weg dazu ist eine Kopplung der Managervergütung an die Lohnentwicklung im Unternehmen, etwa in der Relation 1 zu 20. Das wäre übrigens nicht nur sozial gerechter, das würde vor allem ganz andere Anreize setzen. Wenn die Manager mehr Geld wollen, sollten sie dafür sorgen, dass auch die Gehälter der Angestellten steigen und nicht nur die Aktienkurse.

(Beifall bei der LINKEN)

Die Säulen unserer Gesellschaft sind nicht die Manager und Konzernlenker. Die Säulen unserer Gesellschaft sind die Krankenpflegerin und Kinderbetreuer. Das sind die Straßenreiniger, die Schichtarbeiter oder Busfahrer. Das sind die Menschen, die Tag für Tag unser aller Wohlstand erarbeiten und viel zu wenig davon bekommen, weil die anderen das allermeiste davon abschöpfen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der LINKEN)