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Akzeptanz des Dopings zurückdrängen

Rede von Frank Tempel,

-es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Frank Tempel I Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Bekämpfung von Doping im Sport I Drucksache 18/4898 I Drucksache 18/3512 I Top 28 I 22.05.2015 I Deutscher Bundestag

 

Akzeptanz des Dopings zurückdrängen!

 

Sehr geehrter Herr Präsident,

sehr geehrte Damen und Herren,

die Bekämpfung von Doping im Sport ist offensichtlich ein gemeinsames politisches Ziel aller Fraktionen im deutschen Bundestag.

Da geht es wie gehört um Fairness und Chancengleichheit im sportlichen Wettbewerb.

Und es geht um die Glaubwürdigkeit und Vorbildfunktion des Sports – besonders des Spitzensports.

Und es geht natürlich auch um wirtschaftliche Faktoren.

Also wenn durch Doping letztendlich auch öffentliche Fördermittel, Gehälter oder Prämien erlangt werden, und nicht dopende Sportler dadurch genau von diesen Einnahmen ausgeschlossen werden.

Aber der absolut vorrangigste Zweck, und ich hoffe wirklich, dass dies alle so sehen, sind nicht die wirtschaftlichen Aspekte, sondern der Schutz der Gesundheit von Sportlerinnen und Sportlern.

Und das eben nicht nur im Leistungssport.

Neu im Katalog der Maßnahmen ist das unter Strafe stellen von Selbstdoping, also die Strafanzeige für dopende Sportler im Wettbewerb des organisierten Sports.

  – und in etwas abgeschwächter Form ist diese Forderung ja auch im Antrag meiner Fraktion, der LINKEN enthalten.

Wer meine Forderungen in der Drogenpolitik kennt weiß, dass ich erhebliche Zweifel an der generalpräventiven Wirkung von Verboten habe, also Zweifel daran, dass ein Verbot wirklich hilfreich ist, die Situation zu verbessern, was in diesem Fall heißen würde, die Dimensionen des Doping im Sport zu verringern.

Und da durchaus ein Dankeschön an meine Fraktion, dass ich diese Zweifel äußern darf, das ich auch diesen Aspekt in der Debatte hier im Plenum benennen darf, denn natürlich befürchten auch viele Sportlerinnen und Sportler eine Kriminalisierung und diese Angst nimmt die LINKE ernst. Wir arbeiten mit den Sportlerinnen und Sportlern und nicht über ihre Köpfe hinweg.

Es geht aber eben im Gegensatz beispielsweise zum Cannabisgebrauch nicht nur um eine potentielle gesundheitliche Selbstschädigung für den einzelnen, sondern auch um das Erlangen von Vorteilen zum Nachteil anderer.

Und – und das halte ich für genauso wichtig – es geht grundsätzlich um den Stellenwert des Sports in unserer Gesellschaft.

Sehr schnell kann der Eindruck entstehen, Kampf gegen Doping ist ein Thema des Spitzensports.

Falsch!!

Der Kampf gegen Doping muss sehr viel breiter angelegt werden. Und spätestens da wird uns das Strafrecht nicht mehr weiter helfen.

Ein Straftatbestand ist schnell beschlossen, aber gegen die Dopingnormalität im Breitensport werden ganz andere Anstrengungen notwendig sein.

Der gedopte Radsportler ist in der Öffentlichkeit schnell mit Verachtung und Enttäuschung überhäuft und nun wohl bald auch ganz offiziell kriminell.

Wie aber sieht es im Breitensport aus? Wer hat da eigentlich noch das Wissen, was eigentlich Doping ist?

Schauen sie z. B. mal zu Hause im Fitnessstudio vorbei.

Für die einen ist der Proteinshake bereits Doping.

Für die anderen sind all die verschiedenen Kapseln, Pillen und Tröpfchen die es da in sehr großer Anzahl und Vielfalt gibt völlig normal.

Und wer sich ein wenig informiert, weiß auch ganz schnell, dass sich im Internet - aus dem Ausland - Mittelchen beziehen lassen, die noch schneller den gewünschten leistungssteigernden Effekt versprechen.

Kaum einer weiß aber, was diese Mittelchen tatsächlich alles bewirken.

Es reicht, wenn auf der Verpackung steht, schnellere Fettverbrennung, schnellerer Muskelaufbau, schnellere Regeneration – und schon wird das Zeug gekauft, wird damit Geld verdient. Ganz schnell geht es da nicht mehr nur um Nahrungsergänzungsprodukte.

Das ganze oft übrigens ohne Altersbeschränkung.

So nebenbei steht dann noch drauf, dass die angegebene Dosierung nicht überschritten werden darf.

Und aus einigen Gesprächen beim Training weiß ich, selbst dieser Hinweis wird schnell ignoriert, denn vielleicht hilft viel ja doch viel.

Zeitschriften sind voll von verlockenden Vorher – Nachher Bildern – gerade jetzt im Frühjahr.

Aber Doping, so ist der Eindruck,  dass ist ja nur etwas aus dem Profisport.

Nein, der Kampf gegen Doping ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, ist in aller erster Linie eine Frage der Prävention, eine Frage der Aufklärung und Bildung.

Und die LINKE fordert wesentlich stärkerer Anstrengungen in diesen Bereichen.

Die Einigkeit hier im Bundestag bei der Bekämpfung des Dopings wird sich auch in den Fragen von Aufklärung und Prävention fortsetzen müssen.

In der Fortsetzung eines Anti – Doping – Gesetzes müssen geeignete Programme gefunden werden, die den gesundheitsfördernden Charakter des Sports wieder stärken, und die Akzeptanz des Doping zurück drängen.

Die Werte müssen sich wieder so verändern, dass ein durchtrainierter Freizeitsportler nicht mehr gefragt wird, was er einnimmt, sondern, wie oft er trainiert.