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17. Mai als offiziellen Tag gegen Homophobie begehen - Meinungs- und Versammlungsfreiheit für Lesben und Schwule in ganz Europa durchsetzen

Rede von Barbara Höll,

Homophobie bekämpfen - das Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit für Lesben und Schwule in ganz Europa durchsetzen

Dr. Barbara Höll (DIE LINKE):
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ - so lautet der Titel eines uns allen sicher bekannten Films von Rosa von Praunheim, den er 1970 drehte. 20 Jahre später, am 17. Mai, strich die WHO Homosexualität von der Liste der psychischen Erkrankungen. Trotzdem ist und bleibt es ein Thema für uns, solange wir hier in Europa noch immer Menschenrechte für nicht ausschließlich heterosexuelle Menschen einklagen müssen, solange Meinungs- und Versammlungsfreiheit noch nicht für alle Menschen gewährleistet ist, solange in Afghanistan und in Teilen Nigerias Menschen gefoltert und getötet werden, weil sie Menschen des gleichen Geschlechts lieben, solange hier in Deutschland häufig noch suggeriert wird, dass die Familie aus Mama, Papa und Kind bestehen muss, und homosexuellen Paaren das Adoptionsrecht verwehrt wird, solange „schwul“ an unseren Schulen immer noch ein beliebtes Schimpfwort ist und junge Menschen psychisch erkranken und suizidgefährdet sind, wenn sie bei ihrem Coming-out alleingelassen werden.

Junge Menschen in unserer aufgeklärten Gesellschaft halten Homosexualität nicht selten noch immer für eine Krankheit oder Extravaganz. Allzu oft begegnet uns in deutschen Medien das Klischee vom geschminkten, strassgeschmückten schwulen Mann und der unattraktiven vermännlichten Lesbe, und das völlig ungestraft. Menschen aus Afrika und Asien, die aufgrund ihrer Homosexualität verfolgt werden und bei uns Schutz suchen, können ausgewiesen werden, weil gleichgeschlechtliche Liebe kein anerkannter Asylgrund ist. Verpartnerte Paare sind im Einkommen- und Erbschaftsteuerrecht und auch im Beamtenrecht immer noch nicht gleichgestellt.
Diese Liste ließe sich sicher fortführen. Aber ich glaube, dies spricht eine deutliche Sprache und zeigt, warum ein Gedenktag, ein Tag zum Gedenken darüber, dass Homophobie nicht einer demokratischen Gesellschaft entspricht, wichtig und notwendig ist.
(Beifall bei der LINKEN)
Solange die Vielfalt menschlichen Liebens und Lebens keine politische, juristische und gesellschaftliche Gleichstellung erfährt, so lange sind politische Auseinandersetzungen zum Thema Homophobie und Menschenrechte notwendig. Homophobie beschreibt das feindselige, diskriminierende Verhalten von Einzelpersonen und ganzen Gesellschaften gegenüber nicht heterosexuellen Menschen.
Ich glaube, es ist aber auch wichtig, in dieser Debatte festzustellen, dass besonders diejenigen Menschen und Gesellschaften anfällig sind für Homophobie, die sich selbst ihrer nicht sicher sind, Menschen, die Angst um ihre Existenz, um ihre Zukunft haben. Sie zeigen nicht nur eine höhere Neigung zu homophobem Verhalten, sondern auch zu rassistischem und sexistischem Verhalten.
Die erschreckende Unwissenheit, gerade bei jungen Leuten, zu diesem Thema treffen wir nicht nur in Polen und Bulgarien an, sondern auch hier mitten unter uns. Dies zeigen repräsentative Umfragen, in denen nachzulesen ist, dass sich das Verständnis gerade der 14- bis 18-Jährigen gegenüber den nicht Heterosexuellen nicht verbessert, sondern eher verschlechtert hat. Unwissenheit und Aversion sind verbreitet. Oftmals sind auch unter der Jugend nicht nur hinzunehmender Gleichmut und interessierende Neugier, sondern Abneigung und Hass festzustellen.
Es ist sicher unstrittig, dass sich das allgemeine Klima und die Lebensumstände für Homosexuelle in der Bundesrepublik sehr verbessert haben. Trotz allem ist das, was wir erreicht haben, noch nicht ausreichend. Deshalb schließen wir uns den Forderungen an, die in den beiden Anträgen erhoben werden, nämlich dass wir im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft noch aktiver gegen Homophobie eintreten und dass der 17. Mai tatsächlich entsprechend anerkannt wird. Wir glauben, es ist richtig und wichtig, dass wir uns diesem Thema immer wieder widmen, so lange, bis weltweit wirklich erkennbare Verbesserungen zu verzeichnen sind.
Ich danke Ihnen.
(Beifall bei der LINKEN und dem BÜND-NIS 90/DIE GRÜNEN)