Vor zwanzig Jahren undenkbar: Menschen durchkämmen Mülleimer auf der Suche nach Pfandflaschen und weggeworfenen Lebensmitteln. Das ist Armut in Deutschland heute. In einem der reichsten Länder der Welt ist Armut ein unerträgliches Phänomen. Dramatisch: die Zahl der Menschen, die in Armut leben müssen, steigt massiv. Nach den Daten des DIW ist der Anteil der von Armutsrisiko Betroffenen seit Ende der 1990er Jahre von unter 11% der Menschen innerhalb von zehn Jahren auf über 14% angewachsen - das entspricht rund 11,5 Millionen. Zunehmend leben auch Kinder in Armut. Internationale Vergleiche der OECD zeigen, dass (fast) nirgendwo sonst Armut und soziale Ungleichheit so schnell zunehmen wie in Deutschland. Menschen in Armut leben von einem Einkommen, mit dem sie nicht am kulturellen, sozialen und gesellschaftlichen Leben teilhaben können.
Armut trifft vor allem Erwerbslose. Durch die Ausweitung des Niedriglohnsektors und durch Hartz IV rutschen besonders Alleinerziehende, Menschen ohne Berufsabschluss oder mit Migrationshintergrund zunehmend in die Armut ab, wobei im Osten der Anteil der Armen höher ist als im Westen. Selbst wer Arbeit hat, ist vor Armut nicht sicher: Nahezu jeder vierte abhängig Beschäftigte arbeitet heute im Niedriglohnsektor. Das sind 6,5 Millionen Menschen. Fast 1,3 Mio. Personen beziehen neben einem Erwerbseinkommen aufstockende Leistungen der Grundsicherung. Die Agenda 2010 zeigt ihre „Erfolge“: Armut trotz Arbeit! Während der Anteil der Niedriglöhner/innen immer stärker steigt, dünnt sich die Mittelschicht aus. Seit Jahren erleiden Arbeitnehmer/innen einen realen Kaufkraftverlust, der durch den starken Anstieg der Energiepreise nochmals verschärft wird.
Die Fraktion DIE LINKE betont: Armut, soziale Ausgrenzung und Arbeitslosigkeit haben gesellschaftliche Ursachen. Der profitorientierte Kapitalismus produziert soziale Ungleichheit, Ausgrenzung und Armut. Die herrschende Politik bekämpft diese Auswüchse nicht, sondern befördert durch Sozialabbau die soziale Ungerechtigkeiten. Dem gilt es durch einen Politikwechsel und einer Umverteilung von oben nach unten entgegen zu treten.
Die Fraktion DIE LINKE fordert:
Die konservativ-liberale Regierung ist zur Vorlage eines Armuts- und Reichtumsberichtes verpflichtet. Der Antrag reagiert auf die inhaltlichen Defizite der bisherigen Berichte. Insbesondere litten diese unter ihrer politischen Folgenlosigkeit. DIE LINKE unterbreitet daher Vorschläge, wie die politische Relevanz der Berichte gesteigert werden kann und skizziert zudem die Vorschläge der LINKEN für eine notwendige armuts- und verteilungspolitische Kurskorrektur.
Die gegenwärtige Prekarisierung der Arbeit muss aufgehalten werden. Arbeit muss in der Lage sein, die Zukunft aller Menschen auf ein selbst bestimmbares Leben zu sichern. Neben anderen Forderungen stellt die Einführung eines flächendeckenden gesetzliche Mindestlohnes eine Grundvoraussetzung dar, gute Arbeit zu schaffen. Diese ist sozial- und arbeitsrechtlich abgesichert, sie beinhaltet Lohngerechtigkeit und gewährleistet die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und anderen Sozialbeziehungen.
Hartz IV war und ist eine historische Fehlentscheidung, die grundlegend korrigiert werden muss. Hartz IV bedeutet für die betroffenen Menschen ein Leben in Armut und gesellschaftlicher Ausgrenzung. DIE LINKE legt in diesem Antrag ihre zentralen politischen Ansätze zur Überwindung von Hartz IV vor.