Gut 50 Jahre nach dem „afrikanischen Jahr“, in dem 17 afrikanische Länder ihre staatliche Souveränität erlangten, setzen sich im Verhältnis der EU und ihrer Mitgliedstaaten zu den Partnerländern in Afrika koloniale Dominanzverhältnisse fort, die eine sozial und ökologisch nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung in Afrika erschweren.
Im Juni 2011 veröffentlichte die Bundesregierung ihr „Afrika-Konzept“. Die Interessen der Menschen in Afrika, die sozialen Auseinandersetzungen, die sie führen, werden in diesem Konzept an keiner Stelle angesprochen. Es ist vielmehr ein Konzept zur Unterstützung der deutschen Wirtschaft bei der Erschließung afrikanischer Märkte und beim Zugriff auf afrikanische Rohstoffe. Das zeigen auch die jüngsten Staatsbesuche der Kanzlerin und ihrer Minister in Afrika: Mit Wirtschaftsvertretern im Tross werden Energiemärkte abgesteckt. Im Rahmen der Europäischen Union treibt die Bundesregierung den Abschluss von sogenannten Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (siehe Stichwort AKP-Staaten) mit afrikanischen Staatengruppen voran, in denen weitere Liberalisierungen und Marktöffnungen festgeschrieben werden sollen. Die Bundesregierung und die EU sehen sich im Wettlauf mit anderen Industrie- und Schwellenländern um die reichen Öl- und Gasvorkommen Afrikas, aber zunehmend auch um andere Industrierohstoffe (siehe Stichwort Internationale Rohstoffpolitik).
Doch die afrikanischen Regierungen sind selbstbewusster geworden und wehren sich zunehmend gegen die aggressive Handelspolitik der EU. Sie schließen sich zusammen und formulieren – erstmals seit ihrer Unabhängigkeit – gemeinsame Standpunkte. Auch die afrikanischen Zivilgesellschaften sind in Bewegung geraten: Im Norden Afrikas gingen die Menschen Anfang 2011 auf die Straße, stürzten despotische Regierungen in Tunesien und Ägypten, forderten Demokratie ein. Selbstverständlich hat die Bundesregierung, die zuvor eng mit den gestürzten Despoten zusammengearbeitet, die ihnen Waffen geliefert und sie politisch unterstützt hatte, keine Zeit verloren, sich auf die neuen Verhältnisse einzustellen: Sofort wurden beträchtliche Mittel bereitgestellt, mit denen Einfluss auf die politische Entwicklung nach dem Umsturz genommen werden soll. Wo sich die Kontrolle nicht mit Geld erkaufen lässt, lassen EU und NATO die Waffen sprechen. In Libyen maßt sich die NATO an, einen Regime-Wechsel mit Bomben herbeizuführen. In Côte d’Ivoire hatte Frankreich im Frühjahr 2011 bewaffnet zugunsten einer Seite in den Bürgerkrieg eingegriffen.
Von der vielbeschworenen Partnerschaft auf Augenhöhe kann also keine Rede sein. DIE LINKE setzt sich deshalb für eine Neuausrichtung der deutschen und europäischen Beziehungen zu Afrika ein:
DIE LINKE lehnt das Festhalten an der einseitigen Politik ab, die durch die neue Militärmission fortgesetzt werden soll. Der derzeitigen Situation im Sudan (Süd und Nord) angemessen, muss die zukünftige Politik auf Sicherheit durch Entwicklung, demokratische Teilhabe und zivile Konfliktbearbeitung ausgerichtet sein und eine umfassende Entmilitarisierung unterstützen, anstatt weiter auf Militär zu setzen.
DIE LINKE kritisiert die Rohstoffstrategien von Bundesregierung, BDI und EU, die das Interesse der deutschen und europäischen Industrie am Zugang zu Rohstoffen durch Handelsliberalisierung, Marktöffnung und notfalls militärisch gegen die Entwicklungsinteressen der rohstofflagernden Länder durchsetzen wollen. DIE LINKE fordert von der Bundesregierung, ihre Rohstoffstrategie zurückzuziehen und einen neuen Ansatz zu erarbeiten.
Die Lage in der Côte d'Ivoire ist seit vielen Jahren ernst und politisch verfahren. Nach mehrfachen gescheiterten Versuchen wurden am 31. Oktober 2010 Präsidentschaftswahlen durch-geführt. Seither hat sich die Situation in der Côte d'Ivoire massiv zugespitzt. Hierzu trug die offene Parteinahme der Internationalen Gemeinschaft unter Führung der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich und der USA sowie die gegen Gbagbo gerichteten Sanktionen bei.
Bundesregierung soll für die Beendigung des Kriegskurses eintreten, die Initiative für eine politische Lösung ergreifen und von mittelbarer Unterstützung des Krieges absehen
Nahrungsmittel wurden als Vermögensanlage entdeckt. Spekulation mit Agrarrohstoffderivaten hat zu gestiegenen Preisen und extremer Volatilität geführt. Darunter leiden v.a. die Ärmsten der Armen. Die Bundesregierung muss auf allen Ebenen Maßnahmen ergreifen, damit Warentermingeschäfte mit Agrarrohstoffen streng reguliert werden. Mittelfristig muss der Agrarhandel vollständig von den Finanzmärkten entkoppelt und stattdessen international im Interesse von Ernährungssicherheit reguliert werden.